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Upgrade | 22.11.2022

Tourismusimpulse: Familienbetriebe

Positives Arbeitsklima, Wertschätzung und Transparenz – wie jedes Monat haben wir wieder drei Personen aus der Hotellerie diesmal zum Thema Familienbetrieb befragt.

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Foto: Shutterstock

Michael Landlinger
Hotel Kaiser – Kaiserlodge Scheffau

Michael Landlinger ist Juniorchef des Hotels Kaiser sowie der Kaiserlodge Scheffau.

#Sinnstiftung

Wie war es für Sie, in einem Familienbetrieb aufzuwachsen?

Abwechslung ist die Würze des Lebens. Und das beschreibt das Aufwachsen in einem Familienbetrieb ziemlich gut. Schon als Kind identifiziert man sich mit dem Betrieb – in meinem Fall dem eigenen Zuhause. Ich hatte noch dazu das Glück, in einem touristischen Betrieb aufzuwachsen und bin sehr dankbar für all die Begegnungen, die ich in jungen Jahren bereits erleben durfte. Die Familie steht für mich aber immer an oberster Stelle – zusammen sind wir durch sehr viele außergewöhnliche und schöne Situationen gegangen.

Wodurch zeichnet sich für Sie ein positives Arbeitsklima aus?

„Wir möchten Menschen glücklich machen“: So lautet das Motto unseres Teams, das von den Rezeptionist:innen über die Raumkosmetiker: innen bis zur Servicekraft gelebt wird. Die Motivation hinter unserem Tun ist, sowohl uns selbst als auch andere glücklich zu machen. Das eine führt zum anderen. Und in diesem Prozess ist wirklich jede:r miteingeschlossen. Wenn ein Sinn hinter der Tätigkeit steht, respektvoll miteinander umgegangen wird und tagtäglich ein Lächeln in alle Gesichter gezaubert wird, kann das nur zu einem positiven Arbeitsklima führen.

Wie wichtig sind dabei Wertschätzung und Transparenz?

Sehr wichtig – ich würde sogar sagen essenziell. Die derzeitige Herausforderung ist, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse diverser Generationen einzugehen und dabei vor allem den Faktor Wertschätzung individuell zu interpretieren. Die Arbeit von jedem und jeder sollte aber gleichermaßen betrachtet, gewertet und dementsprechend gelobt beziehungsweise respektiert werden. Sei es mit Worten, Gesten oder Förderungen. Immerhin bewegen wir uns in einer Branche, die von Leidenschaft und zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt ist. Für mich ist die Transparenz ein wichtiger Bestandteil eines wertschätzenden Betriebsklimas. In Verbindung mit einer offenen Kommunikation lässt sich eine gute Vertrauensbasis aufbauen. Das ist so ziemlich einer der wichtigsten Aspekte, wenn es um die Mitarbeiter:innenführung und -neugewinnung geht.

Auf welche Strategien setzen Sie in der Mitarbeiter:innengewinnung?

Vorweg: Die Hotellerie ist eine Branche voller sinngebender und sinnstiftender Tätigkeiten und bietet die Möglichkeit, passende Stellenangebote oder Zeitmodelle an sämtliche Lebenssituationen anzupassen – etwa für Mütter und Väter, Student:innen oder Teilzeitbeschäftigte. Natürlich spielt auch die positive Kommunikation dieser Botschaften nach außen eine wichtige Rolle. Transparenz, Wertschätzung, eine angemessene Bezahlung, faire Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten sollten hierbei integriert sein. In unserem Familienunternehmen setzen wir zudem auf die interne Mitarbeiter:innenakquise, welche sehr gut funktioniert und von Beginn an Vertrauen für neue Mitarbeiter:innen schafft.

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Foto: Unsplash/Paul Pastourma

Valentina Ultsch
harry's home & Adler Hotels

Valentina Ultsch ist Leiterin der Human-Ressources-Abteilung von harry's home & Adler Hotels.

#Createyourjob

Wie war es für Sie, in einem Familienbetrieb aufzuwachsen?

Für mich als Kind war unser Hotel „Schwarzer Adler“ in Innsbruck Familie und Spielplatz zugleich. Unsere Mitarbeiter:innen waren für uns drei Kinder wie ein Teil unserer Familie. Der tägliche Kontakt zu internationalen Gästen ermöglichte bereits einen Vorgeschmack auf die große weite Welt und hat auch zu meiner Reiselust beigetragen. Außerdem hatten wir das Glück, unsere Eltern jeden Tag bei der Arbeit beobachten zu können. Ich kann mich noch gut an den Aufenthalt mehrerer hoher Politiker:innen erinnern: Plötzlich sah mein Zuhause, das Hotel, ganz anders aus und ich musste verstehen, dass ich den EU-Minister:innen keinen Streich spielen durfte. Als Leiterin unserer Personalabteilung freue ich mich nun besonders darauf, gemeinsam mit meiner Familie und unseren Mitarbeiter:innen das Wachstum unserer Hotelgruppe mitzugestalten.

Wodurch zeichnet sich für Sie ein positives Arbeitsklima aus?

Für mich ist ein positives Arbeitsklima gekennzeichnet durch ein gemeinsames Ziel und Werteverständnis. Unsere Werte basieren auf dem Slogan „We all are family“. Für uns bedeutet das Vertrauen, Offenheit, Ehrlichkeit, Optimismus,  Mut, Spaß und eine lösungsorientierte Denkweise. Flache Hierarchien und die Kommunikation auf Augenhöhe werden bei uns gelebt. Wir versuchen, einen auf die Stärken unserer Mitarbeiter:innen abgestimmten Arbeitsplatz zu schaffen und ihnen viele Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Wir sind stolz darauf, langjährige Teammitglieder in unserem Unternehmen zu haben, die an der Rezeption oder im Service angefangen haben und heute Abteilungsleiter:innen im Controlling oder Operation Manager in einem unserer Hotels sind. Aber auch gemeinsame Ausflüge und wöchentliches Beisammensein für jede:n, der:die Lust hat, sind fester Bestandteil unserer Aktivitäten.

Wie wichtig sind dabei Wertschätzung und Transparenz?

Ohne Wertschätzung und Transparenz funktioniert eine Zusammenarbeit weder im privaten noch im beruflichen Umfeld. Wir sind im Tourismus tätig, da muss es „menscheln“. In regelmäßigen persönlichen Gesprächen mit allen Teammitgliedern versuchen wir, auf Kommunikation und Transparenz zu achten. Wir lieben, was wir tun – und den Erfolg unserer Projekte verdanken wir nicht zuletzt der Leidenschaft für die Hotellerie und Gastronomie, die man überall spürt.

Auf welche Strategien setzen Sie in der Mitarbeiter:innengewinnung?

In der Mitarbeiter:innensuche setzen wir auf Flexibilität, Individualität und Schnelligkeit. Das Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen sowie die Wertschätzung sind dabei von großer Bedeutung. Uns ist die Zeit aller Beteiligten wichtig, daher möchten wir die Prozesse nicht unnötig hinauszögern. Wenn wir im Bewerbungsgespräch von einer Person begeistert sind, sagen wir das auch und lassen den:die Bewerber:in nicht ewig auf eine Entscheidung warten. Unser neuestes Projekt im Human-Resources-Bereich lautet „Create your job“: Hier können unsere Mitarbeiter:innen von dem bewährten Baukastensystem profitieren und ihre persönliche Traumposition selbst „konfigurieren“. Eins ist uns jedoch bei allen Bewerber:innen wichtig: die Motivation, im Team zu arbeiten. In Tirol sagt man so schön: „Bam red’n kemmen d’Leit zamm.“ – und so funktioniert es auch bei uns.

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Foto: Shutterstock

Christine Stock
Stock Resort

Christine Stock leitet gemeinsam mit ihren Eltern das Stock Resort im Zillertal.

#Teamgeist

Wie war es für Sie, in einem Familienbetrieb aufzuwachsen?

Sehr aufregend und spannend! Das Aufwachsen in einem Hotel kann man nicht mit einem normalen Familienleben vergleichen. Denn man läuft ja sozusagen nicht privat durch sein Zuhause, sondern teilt es mit vielen Gästen. Zu Weihnachten und Silvester sind die Prioritäten in einem Hotel auch einfach anders. Aber die Vorteile haben eindeutig überwogen! Alleine beim Essen hatten wir immer eine große Auswahl zur Verfügung. In einem Familienhotel gibt es jede Menge Trubel, Abwechslung und liebe Bekanntschaften. In den Ferienzeiten waren viele Familien zu Gast und Spaß und Action waren angesagt. Wir haben unsere Zeit gerne gemeinsam mit den Kindern unserer Stammgäste verbracht. Da wurde aus einer Familienfahrradtour schon einmal eine geführte Radtour für unsere Gäste, weil wir einfach all unsere neuen Freund:innen mitgenommen haben. Meine Eltern haben im Betrieb sehr viel gearbeitet und hatten dadurch weniger Zeit, sich um uns zu kümmern. Das hatte wiederum den Vorteil, dass wir viele Freiheiten hatten und früh selbstständig geworden sind. Ich bin sehr dankbar für meine Familie und dafür, wie ich aufwachsen durfte. Der Zusammenhalt wurde durch die oft wenige Zeit, die wir gemeinsam hatten, umso stärker.

Wodurch zeichnet sich für Sie ein positives Arbeitsklima aus?

Ich denke, es geht in erster Linie darum, dass sich unsere Mitarbeiter:innen wie zu Hause fühlen – unsere „Teamlodge“ spielt da eine entscheidende Rolle. Der Teamgeist und der Zusammenhalt motivieren unsere Mitarbeiter:innen am meisten: Wenn aus Kolleg:innen Freund:innen werden und alle mit Freude bei der Arbeit sind, ergibt sich daraus automatisch ein positives Arbeitsklima. Für die Rahmenbedingungen mit geregelten Arbeitszeiten, modernen Arbeitsplätzen und individuellen Förderungen wiederum sind wir als Arbeitgeber:innenfamilie sowie unsere Abteilungsleiter:innen verantwortlich.

Wie wichtig sind dabei Wertschätzung und Transparenz?

Die Gastronomiebranche ist so vielseitig, jung und dynamisch und hat in den letzten Jahren einen großen Wandel erfahren. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen den Gästen, der Gastgeber:innenfamilie und den Mitarbeiter:innen, bei der die Wertschätzung ganz offensichtlich wird. Eine offene und transparente Kommunikation, ehrliche Gespräche und echtes Interesse am Gegebenüber tragen ebenso dazu bei. Jede:r Mitarbeiter:in kann sich mit seinem:ihrem Wissen und Können im Team einbringen und somit den Betrieb weiterentwickeln.

Auf welche Strategien setzen Sie in der Mitarbeiter:innengewinnung?

Die Branche ist lebendig, abwechslungsreich und entwickelt sich stets weiter. So muss sich auch die Mitarbeiter:innengewinnung weiterentwickeln. Wir versuchen, auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse einzugehen – etwa, indem wir Dienstzeiten berücksichtigen, die zum individuellen Lebensgefüge passen, Arbeitsbereiche in Teilzeitmodelle für Eltern umwandeln und Homeofficelösungen für unsere Reservierungsabteilung ermöglichen. Man muss offen sein für neue Ideen – dadurch entstehen auch neue Strategien

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Foto: Unsplash/Paul Pastourma