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Upgrade | 11.02.2021

"Am wichtigsten ist es, die Liquidität im Blick zu haben"

hgc-Geschäftsführer Hermann Semlitsch über Kurzarbeit, Beihilfen und positive Aussichten.

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Corona hat nicht nur ganze Branchen zum Stillstand gebracht, sondern auch allerlei Fragen aufgeworfen – von der Kurzarbeit bis zu finanzieller Unterstützung. Im Interview erklärt Hermann Semlitsch, Geschäftsführer der hgc Group, worauf man beim Thema Kurzarbeit achten muss und welche Hürden es in puncto Beihilfen zu überwinden gilt.

TIROLERIN: Worauf muss man bei der Kurzarbeit ein besonderes Augenmerk legen?
Hermann Semlitsch: Die Kurzarbeit ist für Tourismusbetriebe meines Erachtens ein durchaus probates Mittel, um Mitarbeitenden Wertschätzung zu zeigen und deren Betriebsbindung zu stärken. Obwohl das bei Kurzarbeit durchaus gegebene Manko schwieriger Planbarkeit aufgrund behördlicher Schließungen der Betriebe nicht durchschlägt, wird die Kurzarbeit gerade von den Jahresbetrieben meiner Meinung nach nicht ausreichend genützt. In der Praxis ist ein inhaltlich fehlerfreier und vollständiger Antrag beim AMS ausschlaggebend, wozu sich die Beiziehung fachmännischer Unterstützung dringend empfiehlt. Weiters bedarf es der sorgfältigen Aufzeichnung der tatsächlich reduziert erbrachten Arbeitsleistungen, worin eine klare Trennung von Überstunden, Zeitausgleich und Krankenstand ersichtlich sein muss. Die auf die gesetzliche Normalarbeitszeit von 173 Monatsstunden verbleibende Fehlzeit entspricht sodann der förderbaren Kurzarbeitszeit. Wenn diese Vorgaben inhaltlich richtig umgesetzt werden, kann nach unserer Erfahrung mit der Anweisung der Kurzarbeitsbeihilfe seitens des AMS innerhalb von 15 Tagen gerechnet werden. Schwierigkeiten gibt es in der Regel vor allem bei Anträgen und Abrechnungen, die nicht korrekt beim AMS eingebracht werden. 

Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf in puncto Kurzarbeit?
Da wohl davon auszugehen ist, dass die Kurzarbeit über den 31. März 2021 hinaus erforderlich sein wird, wäre es meines Erachtens wünschenswert, wenn die beteiligten Entscheidungsträgerinnen und -träger die Details hierzu bereits vor der Bekanntgabe entsprechend abklären würden. In der Vergangenheit war es leider vielfach nicht so. Die Kurzarbeit wurde kommuniziert und in Gang gesetzt, die Details jedoch erst im Nachgang abgeklärt. Das war aus unserer Sicht mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand verbunden. Wir hoffen und erwarten, dass die Tourismusbetriebe in Bälde eine coronakonforme Gelegenheit zur Betriebseröffnung erhalten. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass solche Entscheidungen durchaus äußerst kurzfristig getroffen und wieder abgeändert werden. Aus Sicht der Betriebe wäre es hilfreich, wenn in einer künftigen Kurzarbeitsregelung ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin bereits ab dem ersten Einstellungstag die Kurzarbeit nützen könnte und nicht wie bisher eine Wartefrist von einem Kalendermonat einhalten muss. Damit könnten Unternehmen schneller und flexibler reagieren und Mitarbeitende bereits einstellen, auch wenn das Geschäft noch nicht voll angelaufen ist. Es wäre zudem von Vorteil, wenn die Möglichkeit geschaffen würde, einzelne Mitarbeitende vorzeitig aus der Kurzarbeit herausnehmen zu können.

 

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Hermann Semlitsch ist Geschäftsführer von hgc Innsbruck.

Welche Hebel sollten Unternehmerinnen und Unternehmer in der aktuellen Situation betätigen?
Die wichtigste Aufgabe ist es, die Liquidität im Blick zu haben. Neben der Kurzarbeitsbeihilfe stehen noch weitere liquiditätserhaltende Hilfsmaßnahmen zur Verfügung: Fixkostenzuschuss I und II, Umsatzersatzrate, Verlustersatz, Ausfallsbonus sowie Verdienstentgangsvergütungen des Bundes laut Epidemiegesetz. Dies ist für viele Unternehmen mittlerweile ein richtiger Beihilfendschungel geworden, welcher selbst Fachleute fordert, teils sogar überfordert. Vielfach sind entsprechende Berechnungen vonnöten, um die bestmöglichen Beihilfenvarianten überhaupt erst zu ermitteln. Dies auch deshalb, weil sich einige Hilfsmaßnahmen wie beispielsweise der Verlustersatz und der Fixkostenzuschuss teilweise sogar gegenseitig ausschließen. Weiters spielen Deckelungen bei der Beantragung der Fördermittel eine nicht unwesentliche Rolle. Es gilt, vorausschauend zu agieren, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Über die Zahlenwerk GmbH, unserem auf Controlling und Liquiditätssteuerung spezialisierten Partnerunternehmen, können wir unsere Kundinnen und Kunden über die Kurzarbeitsbeihilfe hinaus auch bei Fördermöglichkeiten – von der Berechnung bis zur Einreichung – bestmöglich unterstützen.

Sie sind selbst Unternehmer im Tourismus. Auf welche Schwerpunkte werden Sie sich im Jahr 2021 fokussieren?
Mein Unternehmen ist mit dem Tourismus im Bereich HR-Management sehr eng verbunden. In unserem Basisgeschäft – Zeitmanagement und Lohnbuchhaltung – werden wir uns weiterhin an stetiger Qualitätsoptimierung orientieren. Eine Herzensangelegenheit ist für mich 2021 unser Produkt „HR FiTT“, das wir am Markt etablieren wollen. „HR FiTT“ steht dafür, Unternehmen im HR-Bereich fit zu machen, indem wir diese in ihrer Mitarbeiterstrategie und im operativen Tagesgeschäft entsprechend unterstützen. Herzstück ist das Gütesiegel „Ausgezeichneter Arbeitsplatz im Tourismus“. Mit diesem Zertifikat holen wir Tourismusbetriebe, die ihren Mitarbeitenden mit hoher Wertschätzung begegnen und für die Mitarbeitermanagement mehr als ein Schlagwort ist, vor den Vorhang. Dieses Gütesiegel beruht auf einem umfangreichen Kriterienkatalog, der wiederum auf sieben Säulen aufbaut. Die Betriebe müssen wirklich etwas tun, um die Vorgaben des Gütesiegels zu erfüllen. Die Praxis zeigt, dass Betriebe, die sich mit den Softfacts der Mitarbeitenden auseinandersetzen, einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil erlangen.  Hochmotivierte Mitarbeitende haben letztlich direkten Einfluss auf die Gästezufriedenheit. Mit diesem neuen Produkt wollen wir im Tourismus etwas bewegen und zur Förderung des Branchen-Images beitragen. Für uns ist dies ein erster Schritt, um dem stetig wachsenden Mitarbeitermangel im Tourismus zu begegnen.

Was haben Sie Positives aus dem Corona-Jahr mitgenommen?
Meine Aufgaben als Geschäftsführer der hgc Innsbruck und die stetige Entwicklung unserer Software-Module haben mir im Corona-Jahr nicht wirklich Zeit für sonstige Themen gelassen. Unser in Österreich qualitativ außergewöhnlich hohes sowie gut funktionierendes Gesundheitssystem habe ich im Umgang mit dem Corona-Virus als sehr positiv empfunden. Äußerst positiv beeindruckt hat mich auch der wissenschaftliche Zusammenschluss auf breiter Ebene. In relativ kurzer Zeit wurden dadurch probate Impfstoffe entwickelt, die uns hoffentlich rasch zur geschätzten Normalität zurückbringen. 

 

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