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Upgrade | 11.02.2021

Zwischen Hürden und Hilfen

Was Unternehmerinnen und Unternehmer in Sachen Steuern jetzt wissen müssen.

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Die aktuelle Situation ist für viele Unternehmen gerade in finanzieller Hinsicht eine große Herausforderung. Wir haben mit Klaus Hilber, Präsident der Tiroler Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gesprochen – und herausgefunden, worauf Unternehmen jetzt in steuerlichen Belangen achten sollten, welche Fristen es zu bedenken gilt und wie man sich für Sonderprüfungen wappnen kann.

TIROLERIN: Welche steuerlichen Hebel sollten Unternehmerinnen und Unternehmer jetzt betätigen?
Klaus Hilber:
Normalerweise sprechen wir immer von der Gewinnoptimierung – dieses ‚Luxusproblem‘ wird sich für die meisten Betriebe im Jahr 2020 und 2021 nicht stellen, weil aufgrund der Situation viele Umsätze weggebrochen sind. Aber wenn ein Betrieb Verluste erlitten hat, kann der sogenannten Verlustrücktrag angewandt werden, der im vergangenen Sommer ganz neu eingeführt wurde. Er bietet Unternehmen die Möglichkeit, den Verlust des Jahres 2020 in die Vorjahre, zum Beispiel 2019, zurückzutragen und eine Steuergutschrift zu beantragen – auch, wenn für das Jahr 2019 schon ein Steuerbescheid vorliegt.

Wann sollte der Verlustrücktrag geltend gemacht werden?
Hier besteht kein Zeitdruck. Zunächst muss der Jahresabschluss 2020 finalisiert werden, dann kann man immer noch entscheiden, ob man den Verlust ins Jahr 2019 zurückträgt oder aufspart, um in Zukunft eine Steuerersparnis zu erzielen. Was die bessere Variante ist, lässt sich heute schwer sagen, weil niemand weiß, wie sich die Gewinne in den kommenden Jahren entwickeln werden.

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Welche steuerlichen Erleichterungen würden Sie sich aktuell wünschen?
Es war ja geplant, dass mit Jänner 2021 die erste Etappe einer größeren Steuerreform in Kraft tritt. Diese Pläne sind durch Corona natürlich durcheinandergewirbelt worden. Von echten Reformen ist jedenfalls nichts zu sehen. Aus meiner Sicht muss vor allem die Steuerbelastung gesenkt werden: einerseits natürlich die Einkommenssteuer, aber auch die Körperschaftssteuer. Immerhin sind kleinere und mittlere Unternehmen das Rückgrat der Tiroler und auch der österreichischen Wirtschaft. Ja, der Eingangssteuersatz wurde Anfang 2020 von 25 auf 20 Prozent gesenkt – aber wir sprechen hier von 350 Euro Steuerersparnis pro Jahr. Das ist keine echte Reform und auch keine spürbare Erleichterung. Was wir brauchen, ist eine wirkliche Entlastung, verbunden mit einer Entrümpelung sowie einer deutlichen Vereinfachung des Steuerrechts.

Stichwort Fixkostenzuschuss: Worauf sollten Unternehmerinnen und Unternehmer hier besonders achten?
Die Corona-Hilfen wurden leider sehr unübersichtlich geregelt. Jeder Hilfstopf hat eine andere Voraussetzung und andere Einstiegsbarrieren. Fast alle Hilfstöpfe haben jedoch eine gemeinsame Voraussetzung: die Schadensminderungspflicht. Demnach müssen Unternehmen sowohl einnahmenseitig als auch ausgabenseitig versuchen, den Schaden – also den Gewinnentgang – so niedrig wie möglich zu halten. Diese Voraussetzung wird übrigens auch streng geprüft.

Was muss bei der Prüfung nachgewiesen werden?
Im Rahmen der sogenannten „Corona-Sonderprüfungen“ müssen Unternehmerinnen und Unternehmer nachweisen, was sie unternommen haben, um den Schaden zu minimieren. In vielen Fällen geht es dabei um den Mietaufwand. Es wird ein schriftlicher Nachweis verlangt, dass man beim Vermieter versucht hat, die Mietzahlungen zu reduzieren. Daher mein dringender Appell: Denken Sie an die Schadensminderungspflicht! Auch einnahmenseitig – etwa, wenn Sie Ihr Geschäft für Abholungen offenhalten. Um den Rest – den ‚Papierkram‘ und die verschiedenen Detailfragen – kümmert sich unsereins.

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Dr. Klaus Hilber ist Präsident der Tiroler Landeskammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

 

Ist davon auszugehen, dass die Fristen in manchen Bereichen noch verlängert werden?
Vorab muss ich sagen: Es ist leider so, dass das, was ich heute sage, morgen vielleicht keine Gültigkeit mehr hat. Die Fristen werden nämlich ständig geändert. Erst kürzlich wurde ein neuer Corona-Hilfsfonds vorgestellt, für den es aber zum Zeitpunkt der Bekanntmachung noch gar keine gesetzliche Grundlage gibt. Solche Dinge machen es natürlich sehr schwierig. Was zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls gilt, ist die Verlängerung der Investitionsprämie. Aber Achtung: Die Frist für den Antrag zur Investitionsprämie wurde nicht verändert, hier gilt nach wie vor der 28. Februar 2021. Lediglich die Frist für die Umsetzung der sogenannten ‚erste Maßnahme‘ der jeweiligen Investition wurde verlängert. Diese musste nämlich ursprünglich auch bis 28. Februar erbracht werden und wurde jetzt bis Ende Mai 2021 ausgedehnt.

Wie haben Sie in Ihrer Funktion als Präsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer das letzte Jahr erlebt?
Das möchten Sie lieber nicht wissen. (lacht) Das Jahr 2020 war ein Jahr ohne Urlaub und mit sehr wenigen freien Wochenenden. Auch heuer wird es für mich kaum Freizeit geben. Jeden Tag passiert so viel Neues, Unerwartetes – Planbarkeit oder Konstanten waren und sind nicht in Sicht. Es war definitiv eine herausfordernde Zeit für das gesamte Team und ich möchte das Jahr 2020 tunlichst nicht wiederholen.

Gibt es dennoch etwas Positives, das Sie aus dem letzten Jahr mitgenommen haben?
Man erfreut sich mehr an den kleinen Dingen, zumindest kurzfristig. Zum Beispiel heute, wo die Sonne scheint und ich auf die Berge hinaufschaue, da denke ich mir: Wir leben wirklich im Paradies. Es ist ein Gottesgeschenk, in Tirol wohnen zu dürfen. Und in solchen Momenten kann man auch Kraft schöpfen – indem man sich einfach einmal hinsetzt, in die Landschaft schaut und genießt. Aber ich freue mich schon sehr darauf, wieder gemütlich zusammensitzen zu können. Man hat erst jetzt mitbekommen, was Nähe eigentlich bedeutet. 

Fotos © Tanja Cammerlander Photography, Shutterstock