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People | 15.02.2018

Zurück ins Leben

Wo ein Wille, da auch ein Weg. Simon Wallner ist ein Paradebeispiel dafür, dass aus Schicksalsschlägen neuer Mut entstehen kann. Wir haben den Ausnahmesportler getroffen und mit ihm über Ziele, Träume und Kampfgeist gesprochen.

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(© Scherzer)

Und plötzlich ist alles anders! Simon Wallner weiß, wie es ist, wenn sich das eigene Leben binnen kürzester Zeit um 180 Grad wendet. Gleichzeitig ist der 30-Jährige der sichere Beweis dafür, dass auch aus großen Rückschlägen neuer Antrieb entstehen kann. Seit einem Motorradunfall im Jahr 2011 sitzt der junge Tiroler im Rollstuhl. Davor, so Wallner, sei er begeisterter Fußballspieler und Skifahrer gewesen. Sport bestimmte den Alltag des Bewegungstalentes. „Ich liebte die Herausforderung schon immer“, erinnert sich Simon heute. Den Drang, über eigene Grenzen hinauszuwachsen, hat der Volderer trotz der „Schreckensdiagnose Querschnittslähmung“ nie verloren. Wer den charismatischen Tiroler trifft, erkennt sofort: In ihm steckt eine Kämpfernatur.


Nach seinem folgenschweren Unfall verbrachte der damals 24-Jährige mehrere Monate in einer Rehabilitationsklinik. Dort, so Wallner, habe er gelernt, wieder Mut zu fassen und mit seiner Beeinträchtigung umzugehen. „Aufgeben kam für mich nie in Frage. Ich habe bald erkannt, dass ich auch mit Querschnittslähmung Leistungen erbringen kann.

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Neuanfang. Während meiner Zeit in der Reha entdeckte ich schließlich das Skifahren erneut für mich. Ab diesem Zeitpunkt ging es nur mehr bergauf.“ Hartes Training wurde bald zur Routine im Leben des jungen Sportlers. Simons Ziel: über seine eigenen Grenzen hinauszuwachsen. Und das gelang dem Volderer. 2016, bereits fünf Jahre nach dem verheerenden Schicksalsschlag, feierte Wallner sein Weltcupdebüt in der Disziplin Monoski.


Bis heute kann der junge Tiroler auf zahlreiche sportliche Erfolge zurückblicken. Einer der größten Meilensteine in Simons Laufbahn steht aber noch bevor: 2018 geht es für den selbstbewussten Skiathleten zu den Paralympischen Winterspielen in Pyeong Chang. Dort will Wallner seine eigenen Rekorde brechen, wie er uns verrät. „Die Spitze ist das Ziel. Meine Leistung soll so gut wie möglich ausfallen. Aber ich denke, dass jeder Sportler diese Einstellung vor einem Wettkampf hat.“ Das Bewegungstalent ist also auf der Jagd nach persönlichen Bestzeiten. Hinsichtlich des Kampfgeistes, den Simon bis dato an den Tag gelegt hat, verwundert dieser Vorsatz nicht.


Der Skiathlet konnte seit seinem Unfall aber nicht nur sportliche Erfolge erzielen. Seit 2014 ist der 30-Jährige erster im Rollstuhl sitzender Sportstudent an der Universität Innsbruck. Simon ist somit ein Vorreiter für die Gleichberechtigung körperlich Eingeschränkter. Bis heute folgten seinem Beispiel weitere Querschnittsgelähmte, die eine universitäre Ausbildung im Bereich Sport in Anspruch nehmen. Dass sein Zustand als vollkommen normal betrachtet werden kann, vermittelt der ehrgeizige Tiroler auch auf anderen Ebenen. In einem von ihm initiierten Projekt besucht er regelmäßig Schulen in Südtirol und spricht dort offen über seine Behinderung. „Mir ist es ein Anliegen, dass junge Menschen einen besseren Zugang zu Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen finden“, betont Wallner.


Bei so viel Lebensmut und Sinn für die gute Sache bleibt Simon nur noch eines zu wünschen: Erfolg für seine berufliche Zukunft, tolle Ergebnisse bei den bevorstehenden Paralympics und weiterhin die positive Ausstrahlung, mit der uns der junge Tiroler ab Sekunde Eins unseres Aufeinandertreffens begeistert hat.

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