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People | 15.03.2018

Zauber einer Vergessenen Zeit

Bilder, die den Mund offen stehen lassen. Ein Mythos, der verzaubert. Martin Engelmann über seine Reise zu den letzten noch lebenden Maya.

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(© Engelmann)

Abenteurer, Weltenbummler, Entdecker: Martin Engelmann verkörpert diese Begriffe so gut wie kaum ein anderer. Der junge Tiroler hat seine Berufung in der Reisefotografie gefunden. Sein Job: die Welt entdecken. Wir haben den aufstrebenden Bildkünstler getroffen und mit ihm über seine aktuellste Reise nach Mittelamerika gesprochen, bei der er sich auf die Spuren der letzten noch lebenden Maya begab.

TIROLERIN: Wie kamen Sie zur Reisefotografie? War das immer schon ein Traum von Ihnen?
Martin Engelmann: Schon in der Schule habe ich Bilder von den alten Maya-Tempeln in Mexiko gesehen und war total fasziniert. Als ich dann erstmals in Süd- und Mittelamerika unterwegs war, entstand auch die Leidenschaft zur Fotografie.

Wie entstand die Idee zum Projekt „Die letzten Maya“?
Das Projekt begann vor knapp zehn Jahren, als ich erstmals zu Besuch bei den letzten Maya tief im Regenwald von Mexiko war. Es sind jene Maya, die nie christianisiert wurden und sich ihren traditionellen Glauben bis heute bewahren konnten. Über viele Jahrhunderte lebten sie komplett abgeschottet von unserer Zivilisation in einem der schönsten Regenwälder unserer Erde. Als ich den letzten Schamanen dort traf, wusste ich, dass ich diese spannende Kultur dokumentieren möchte. Fast jedes Jahr kehrte ich für viele Wochen dorthin zurück, dabei entstanden knapp 50.000 Bilder.


Welche Teile Mittelamerikas haben Sie auf Ihrer Reise erkundet?
Ich war in den letzten zehn Jahren  in Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras unterwegs. Die Landschaft ist atemberaubend – traumhafte Strände,  artenreiche Regenwälder und  aktive Vulkane. Mittelamerika bietet viele verschiedene Facetten.


Gab es Probleme, die die Dokumentation  erschwerten?
Im vergangenen Jahr, als wir für die Filmdoku für Spiegel TV unterwegs waren, wurde ich bei einer Busfahrt in Mexiko fast überfallen. Ein Auto prallte dabei frontal auf unseren Bus und mehrere bewaffnete Männer stiegen aus, um in den Bus zu gelangen. Aufgrund des Aufpralls verkeilte sich die Fahrertür allerdings so stark,  dass sich die Tür nicht öffnen ließ – Glück im Unglück, denn wenig später kam die Polizei und die Bewaffneten flohen in den Wald.

 

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(© Engelmann)

Mythos „Die letzten Maya“: Wie darf man sich die Ureinwohner Mittelamerikas heute vorstellen?
Es ist eine Welt, in der man das Gefühl hat, dass keine Zeit existiert. Diese Menschen – in ihren weißen Gewändern, mit ihrer jahrhundertealten Tradition – sind einzigartig. Heute gibt es leider nur mehr eine Handvoll Maya-Lakandonen, die einen Einblick in ihre alte Geschichte gewähren. Dort als Fotograf zu arbeiten, war für mich ein großes Privileg.


Gibt es Momente, die Sie besonders beeindruckt oder geprägt haben?
Bei meinem letzten Aufenthalt begleitete mich wie schon so oft die italienische Anthropologin Alice Balzanelli, mit der ich gerade ein Buch für National Geographic schreibe. Sie ist eine der wenigen Personen weltweit, die die alte Sprache der Maya, das sogenannte Maya-Lakandon, spricht und für mich übersetzen konnte. Bei dieser letzten Reise haben uns die Maya ihre letzte Ruhestätte tief in den Regenwäldern gezeigt, ein heiliger Ort, der westlichen Besuchern sonst verborgen bleibt. Nach den vielen Jahren, in denen wir dort waren, ein unglaublicher Vertrauensbeweis. Nach stundenlanger Fahrt durch wunderschöne Lagunen, in denen wir das Kanu auch immer wieder durch den Wald zur nächsten Anlegestätte ziehen mussten, erreichten wir einen der wohl magischsten Plätze der Maya.


Haben Sie trotz Ihrer vielen Reisen manchmal noch einen Kulturschock?
Nach jeder Reise brauche ich ein bis zwei Wochen, um hier wieder „anzukommen“. Emotional kann das sehr aufwühlend sein. Aber danach wird der Blick meist klarer für die wesentlichen Dinge des Lebens.


Wie zum Beispiel?
Dass man gelegentlich seine Komfortzone verlassen muss, sich Neuem nicht verschließen darf und stets neugierig bleiben sollte. 

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(© Engelmann)
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Martin Engelmann hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. (© Tommy Seite)