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People | 04.03.2019

Working Mum

Wie vereinbart man den Rund-um-die-Uhr-Job im Familienbetrieb, die eigene Familie sowie Spaß und Freude? Und wie behält man die Energie dabei? Maria Hauser im Interview.

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Multitalent. Maria Hauser ist ein Energiebündel, managt weite Bereiche des weltbekannten Stanglwirts. Und gibt sogar ein eigenes Magazin heraus. © Stanglwirt

Sie ist der Inbegriff von Multitasking. Maria Hauser, 36, begrüßt neu ankommende Gäste, bespricht mit Handwerkern, was zu tun ist, gibt dazwischen ein Interview, hört der kleinen Tochter zu, die gerade vom Kinderschminken kommt. Wie das alles ausgeht, erzählt sie uns hier.

 

Uschi Fellner: Sie managen das weltbekannte Hotel Stanglwirt genauso souverän wie eine Familie mit zwei Kindern. Wie anstrengend ist so etwas?

Maria Hauser: Zuerst einmal bedanke ich mich von Herzen für das liebe Kompliment. Ich gebe mir allergrößte Mühe – wobei ich definitiv weit weg von perfekt bin, aber das wäre eh langweilig. Wie die meisten arbeitenden Mamas, versuche ich den Spagat bestmöglich hinzukriegen und mein Tag ist auf jeden Fall recht intensiv, aber positiv intensiv.

 

Der Stanglwirt darf sich als eines der wenigen Hotels in Österreich BIO-Hotel nennen. Man weiß, dass Ihr Vater bereits in den 70-er Jahren ein Bio-Pionier war. Wurde Ihnen somit das nachhaltige Denken und Handeln schon in die Wiege gelegt?

Meine Geschwister und ich sind zutiefst beeindruck was unser Vater geleistet hat und welcher Pioniergeist ihn auszeichnet. Es war definitiv alles andere als einfach das alles aufzubauen und nur mit sehr viel Glaube an die eigene Vision, Durchhaltevermögen, Fleiß, Mühe, Kreativität und Herzblut machbar. Besonders für die baubiologische Philosophie des Stanglwirts wurde unser Vater anfangs extrem belächelt, wenn nicht sogar verspottet und ist seinem Weg trotzdem immer treu geblieben. Heute ist „Bio“ voll im Trend.

Das Thema Nachhaltigkeit liegt uns wirklich sehr am Herzen und wir versuchen dies auch im betrieblichen Alltag so gut es geht in den Fokus zu rücken – auch wenn das in so einem großen Unternehmen oft eine Herausforderung darstellt. Wir stehen zu 1000% hinter der Stanglwirt-Philosophie und arbeiten voller Demut und Wertschätzung mit unseren Eltern zusammen und das funktioniert wirklich gut.

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Time for talking: Maria Hauser vor der Lippizzaner-Reithalle, in die man direkt von der Stanglwirt-Empfangshalle blicken kann. © Instagram @uschifellenr

Was macht den Stanglwirt so besonders? Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihrem Vater?

Unser Slogan lautet ja „daheim beim Stanglwirt“. Dieser wurde uns sozusagen von unseren Gästen verliehen, die immer wieder betonen wie wohl sie sich bei uns fühlen und, dass jeder Besuch wie ein Nachhausekommen zu Freunden ist. Das ist das wohl schönste Kompliment, das Gäste einem machen können. Ich denke, dass es vor allem dieses Wohlgefühl ist, das den Stanglwirt ausmacht – für ein 5 Sterne Luxushotel geht es hier ziemlich bodenständig, locker und gemütlich zu ... außerdem ist für uns jeder Gast ein Ehrengast. Hier kommen so viele unterschiedliche Menschen zusammen, von den örtlichen Bauern die am Stammtisch Karten spielen bis hin zu internationalen Konzernchefs, die daneben einen Kaiserschmarrn essen – und alle verstehen sich prächtig miteinander … ich denke es ist v.a. das Bäuerliche, das hier immer noch spürbar ist, denn auf einem Bauernhof sind auch alle willkommen und alle miteinander ergeben eine große Familie.

Das Miteinander mit meinem Vater funktioniert von Jahr zu Jahr immer noch besser – ich wurde natürlich von ihm genau unter die Lupe genommen und unbewusst geprüft, ob ich auch wirklich die Stanglwirt Philosophie lebe, aber ich denke das Vertrauen ist mit den Jahren immer weiter gewachsen und nun darf ich inzwischen sogar Bereiche mit übernehmen in denen er federführend im Einsatz ist, wie z.B. Gestaltungsthemen – das ist sein absolutes Liebkind und darin war und ist er auch enorm gut und erfolgreich. Es ist schon ein besonderer Vertrauensbeweis, dass er mich hier nun immer mehr mit einbinden möchte. In Sachen Marketing, Großveranstaltungen, Hotel-Shops uvm. habe ich schon viele Jahre so gut wie freie Hand und darf auch viele neue Dinge probieren und umsetzen. Das ist auch nicht selbstverständlich.

 

Sie wurden 2016 bei den look! Business-Awards ausgezeichnet. Wie hat sich Ihre eigene Rolle im Unternehmen seither entwickelt?

Unglaublich, dass das schon wieder 3 Jahre her ist – die Zeit vergeht! Diese Auszeichnung war wirklich eine große Ehre für mich! Ich sehe meine Arbeit nämlich gar nicht als etwas so Besonderes an … ich bin einfach glücklich und dankbar, dass ich meinen Fähigkeiten und Interessen gemäß im Familienunternehmen gebraucht werde. Ich darf, wie gesagt, von Jahr zu Jahr mehr Verantwortung übernehmen und mich kreativ maßgeblich mit einbringen – das macht sehr viel Freude!

 

 

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Business Award: 2016 wurde Maria Hauser in der Kategorie „Dienstleistung“ als Business-Frau des Jahres ausgezeichnet. © Stefan Joham

Frauen gelten ja als multitasking und Sie scheinen ein gutes Beispiel dafür zu sein.

Ich bringe in der Früh meine Tochter Leni in den Kindergarten und gehe dann in den Betrieb, in dem kein Tag wie der andere ist und ich sehr vielseitig eingeteilt bin, da ich ja auch für verschiedenste Aufgabenbereiche im Hotel verantwortlich zeichne. Mittags hole ich Leni vom Kindergarten ab und wir essen alle gemeinsam mit der ganzen Großfamilie. Danach übernimmt die Kinder unsere wunderbare Nanny Petra, die seit mittlerweile 5 Jahren bei uns ist. Da beide Omas teilweise noch berufstätig sind und der Papa die ganze Woche über beruflich unterwegs sein muss, bin ich dankbar eine so wertvolle Unterstützung zu haben, die die Kinder wie ihre eigenen behandelt. Ohne diese Hilfe würde ich für Leni und Anna keine so geregelten Abläufe hinkriegen, da bin ich ganz ehrlich. Diese Ruhe und Routine ist mir - besonders in einem hektischen und unvorhersehbaren Hotelalltag wie dem unseren - für die Kinder enorm wichtig. Jeden Abend und an den Wochenenden widme ich mich ausschließlich den Kindern und schaue, dass wir gemeinsam Qualitätszeit verbringen. Ich finde wir „Working Mums“ sollten offen über die täglichen Herausforderungen sprechen – ansonsten erzeugt man unbewusst bei anderen manchmal das Gefühl als wäre man ein „Wunderwuzzi“, dabei hat jede Mama (ob sie nun teilweise oder ganz zurück im Beruf, oder ganztags zuhause bei den Kindern ist) für sich ihre eigenen Herausforderungen zu bewältigen.

 

Sie haben zwei kleine Töchter, sind eine Vollzeit berufstätige Mutter. In der Gegend, aus der Sie stammen, ist das keine Selbstverständlichkeit...

Kürzlich hat mich meine ältere Tochter Leni gefragt, warum ich oft so viel arbeiten muss und nicht den ganzen Tag zuhause mit ihr spielen kann. Sie dachte, dass Mamas die den ganzen Tag zuhause bei ihren Kindern sein können, automatisch den ganzen Tag Zeit zum Spielen haben. Ich habe ihr dann erklärt, dass diese Mamas auch sehr viel zu tun haben mit dem Haushalt und das auch wie ein eigener, sehr intensiver Beruf ist. Wir haben es sehr gut, dass ich trotz meiner Arbeit zu jeder Tageszeit für sie da sein kann, wann immer sie will – dieses Glück haben nicht alle. Sie hat das dann sehr gut verstanden und meinte „Mama, du bist die perfekte Mama für mich und ich hab mich beim richtigen Bauch gemeldet.“ Ich war ganz baff und sehr berührt von dieser sehr tiefsinnigen Aussage einer 5jährigen. Aber ich bin sowieso überzeugt, dass Kinder oft unterschätzt werden und meist sogar viel tiefgründiger bzw. einfach unbefangener denken als wir Erwachsenen.

 

Der Stanglwirt ist ja auch eine fantastische Lifestyle-Welt, mit rund 12.000qm Wellness- und Spa-Landschaft, Beauty-Zentrum, eigenen Boutiquen. Und wenn man Sie im Hotel sieht, sind Sie immer perfekt gestylt. Was bedeutet Mode und schöner Lifestyle für Sie? Und suchen Sie all die hübschen Sachen, die es bei euch gibt, auch manchmal selbst aus?

Vielen herzlichen Dank für das liebe Kompliment. Das Sprichwort „Kleider machen Leute“ stimmt meiner Meinung nach – aber das hat nicht unbedingt mit dem monetären Wert der Kleidung zu tun. Ich habe zum Beispiel einige „Vintage-Dirndl“ (wie man auf Neudeutsch so schön sagt ☺), die quasi aus Oma’s Zeiten stammen und die ich hüte wie einen Schatz. Ich beschäftige mich auf jeden Fall gerne mit dem Thema Mode und Ästhetik und es ist eine wahre Freude für mich, dass ich eine meiner „kreativen Leidenschaften“ in den Betrieb mit einbringen und die Hotel-Shops sehr erfolgreich einführen durfte. Das Sortiment wähle ich zum Großteil auf verschiedensten Messen persönlich aus und denke bereits bei der Order an einige Stammgäste und deren Modegeschmack. Ich kaufe sozusagen wie für Freunde ein, von denen ich über die Jahre kennengelernt habe was ihnen gefällt.

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Erlebnis­welt: Der Stanglwirt in Going/Tirol zählt zu den besten Hotels der Welt. Das Unter­nehmen wird ausschließlich von der Familie Hauser geführt. © Stanglwirt

Sie sind auch Herausgeberin des Stanglwirt-Magazins, machen selbst Interviews, schreiben Geschichten. Ist das, neben ihrem Hauptberuf im Hotel, eher Entspannung oder eine zusätzliche Herausforderung für Sie?

Ich würde sagen beides. Die Produktion ist definitiv sehr intensiv, aber auch total spannend. Wir entwickeln uns mit jeder Ausgabe weiter und lernen ständig dazu. Es ist zuerst immer das totale kreative Chaos, das dann am Ende zu einer wundervollen Lektüre mit unterschiedlichsten Facetten und von unseren Gästen – und inzwischen auch darüber hinaus – sehr gerne gelesen und mehrmals in die Hand genommen wird.

 

Stichwort Entspannung: Sie wirken sehr sportlich. Wie viel Sport machen Sie tatsächlich? Und wie entspannen Sie am besten?

Also bei mir ist das so, dass ich Zeiten habe in denen ich sehr intensiv und hartnäckig meinem Trainingsplan folge und es sogar 1x pro Woche zum Yoga und zusätzlich 2-3x pro Woche zum Ausdauer- und Krafttraining schaffe. Es gibt aber auch Zeiten in denen ich zu gar nichts komme und sehr nachlässig bin. Meine Priorität liegt halt bei den Kindern, dann beim Betrieb und irgendwann komme dann ich selbst. Wenn ich voll im Training bin, dann nutze ich Yoga und die anschließende Meditation zur Entspannung und powere mich abwechselnd dazu beim Boxen und Laufen mit unserem professionellen Fitness-Coach Björn Schulz, sowie beim Pilates-Training aus. Diese Kombination tut mir total gut und ist auch sehr effizient. Ganz besondere Entspannung bedeutet für mich Zeit in der Natur zu verbringen, entweder beim Wandern oder Mountainbiken, am liebsten natürlich mit meinen Kindern.


 

 

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Freundliches Ambiente: Bio-Suite über der Kaiserwiese. © Stanglwirt

Wo sehen Sie den Stanglwirt bzw. das Unternehmen in der nächsten Generation, wenn also unter anderem Ihre Kinder die Ruder übernehmen?

Ich finde es sehr wichtig den Kindern den Weg komplett offen zu lassen. Das haben unsere Eltern auch mit uns getan und wir sind am Ende alle – teilweise über Umwege – in der Hotellerie und Gastronomie gelandet – aus komplett eigenem Willen und eigener Überzeugung. Speziell in unserer Branche kann man niemanden zu seinem Glück zwingen – für diese Berufung muss man geboren sein, dann ist es wirklich unglaublich erfüllend. Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie ihre Erfüllung finden und einen Beruf ausüben, der die beste Version ihrer selbst aus ihnen hervorbringt. Und wenn es hier im Stanglwirt ist, dann freuen sich die vielen vorangegangenen Generationen und ich mich sicherlich sehr.

 

Was ist Ihre Lebensphilosophie?

Mein Lieblingssprichwort von Goethe lautet „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ Nach diesem Motto lebe ich.

 

Was machen Sie, bzw. wie beeinflussen Sie sich mental selbst, wenn es einmal nicht ganz rund läuft?

Selbstverständlich war auch mein bisheriger Weg teilweise gesäumt von Rückschlägen, Missgunst, Widerstand, Neid und anderen nicht so angenehmen Faktoren. Man muss auch realistisch denken und sich darauf einstellen, dass das auch weiterhin immer wieder vorkommen wird, da das Leben nun mal so ist: mal geht es leichter, mal schwerer. Das Entscheidende ist mit welcher Einstellung man an die Dinge herangeht - ich versuche stets dankbar und optimistisch zu bleiben. Rückblickend haben mich v.a. die schwierigen Situationen – und das größtmögliche Vertrauen an einen guten Ausgang - im Leben stärker gemacht und wachsen lassen.