Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 24.11.2017

Gemeinsam einzigartig

Warum Nina Proll manchmal gern alles egal wäre und wieso Gregor Bloéb der nächste Landeshauptmann sein will, haben uns die beiden im Interview verraten.

Bild DSC_1711.jpg
Fotos: Martin Vandory

Im neuen Film „Anna Fucking Molnar“, in dem Nina Proll nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch das Drehbuch schrieb, geht für die Schauspielerin Anna Molnar alles schief: Ihr Freund, gespielt von Prolls Ehemann Gregor Bloéb,  trennt sich von ihr. Sie bricht auf der Bühne zusammen, verliert ihr Engagement und steht vor einem Berg Schulden. Im echten Leben ist bei Nina Proll und Gregor Bloéb keine Spur von Krisen: Bloéb steht in Hamburg und Wien auf der Bühne und Proll schreibt bereits an ihrem nächsten Drehbuch. Und außerdem gibt’s ja noch Haus, Hof und Kinder, wie uns das Tiroler Vorzeigepaar, das sich in Pfaffenhofen ein Zuhause geschaffen hat, im entspannten Interview erzählt.

TIROLERIN: Wie kam es zu der Idee, ein Drehbuch zu schreiben?
Nina Proll: Das war ein schleichender Prozess. 2004, ich war damals für ein Jahr am Raimund Theater, ist diese erste Grundidee entstanden, die mich nicht mehr losgelassen hat. 2011 habe ich mir dann Hilfe von Ursula Wolschlager geholt und das Drehbuch weiterentwickelt, ohne zu wissen, ob das jemals etwas wird. Und jetzt ist es wirklich Realität geworden. Da hat sich fast folgender Spruch bewahrheitet: Sei vorsichtig, was du dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen. (lacht) Für mich hat sich die ganze Arbeit auf jeden Fall schon gelohnt: Dass ich den Film überhaupt drehen durfte, war ein großes Erfolgserlebnis. Es hat mich sehr bestätigt in meiner Sturheit und auch in meiner Geduld.


Kommt die Idee auch daher, dass man manchmal bei Produktionen denkt, das könnte ich jetzt aber besser erzählen?
Nina Proll: Sicher, da kommt vieles zusammen. Wenn man von dem Job als Schauspieler lebt, kommt man immer wieder in Situationen, in denen man etwas spielen muss, von dem man sich vielleicht denkt: „Oh mein Gott.“ Sicherlich herrscht auch eine gewisse Unzufriedenheit mit den vorhandenen Angeboten. So habe ich den Ehrgeiz entwickelt zu überlegen, was ich denn gerne spielen, auf der Kinoleinwand sehen möchte. Was sind das für Frauen, die mich faszinieren, aber auch, was habe ich denn zu erzählen und was ist in meinem Beruf, in meiner Welt so interessant, dass es auch andere interessieren könnte?

Bild DSC_1687.jpg

Sie spielen im Film ein Paar, das sich trennt. War das eine bewusste Entscheidung?
Gregor Bloéb: Wir haben vor der Kamera probiert, das glückliche Pärchen zu spielen. Aber es wirkte nie frei.
Nina Proll: Man hat uns auch gesagt, es war überhaupt nicht lustig. Ich glaube, es ist so die spannendere Variante. Außerdem möchte ich nicht, dass die Leute glauben, das ist unsere Geschichte, und ich wollte keinen Raum für Spekulationen geben.


Herr Bloéb, wie viel Nina Proll steckt in der Hauptfigur Anna Molnar?
Gregor Bloéb: Nina hat das schon mal sehr treffend gesagt: Es steckt viel drin, wie Nina sein möchte und was Nina sein möchte.
Nina Proll: Natürlich hat Anna Eigenschaften, Probleme und Sichtweisen, die ich mit ihr teile, zum Beispiel das Vater-Tochter-Verhältnis ist sehr autobiografisch. Aber was ihren Umgang mit Alkohol betrifft, bin ich das komplette Gegenteil. Dass sie sich am Premierenabend betrinkt, könnte mir niemals passieren, aber mich faszinieren Frauen, denen es egal ist, was sie anderen antun. Dass Anna im Film auf der Bühne bewusstlos wird, hat übrigens einen wahren Kern: Ich habe mit einer Kollegin gedreht, die am ersten Tag in ihrer Garderobe gelegen und nicht mehr aufgewacht ist. Die Rettung wurde gerufen, der Film abgebrochen und es gab einen Versicherungsschaden. Ich bekam die gesamte Gage, ohne jemals etwas zu tun, weil diese Frau Burnout hatte. Ein Jahr später wollte man den Film erneut angehen, wieder mit dieser Schauspielerin, aber ich wollte nicht mehr dabei sein.

Bild DSC_1730.jpg

Sie sind beide Schauspieler. Wie wichtig ist die Meinung des anderen?
Nina Proll: Wir sind beide mit Leidenschaft in unserem Beruf. Gregor spielt große Rollen am Theater, während ich mehr Film und Fernsehen mache. Wir beraten uns ständig und freuen uns, wenn der andere etwas Tolles macht.
Gregor Bloéb: Unser Beruf hat einen großen Stellenwert in unserem Leben, und ich liebe es, gute Schauspieler zu sehen. Das trifft auch bei Nina zu: Wenn sie auftritt, stehe ich einfach da und bin begeistert, was sie für eine tolle Frau ist. Bei jedem Konzert ihrer Vorstadtlieder bin ich neu verliebt, obwohl wir das gemeinsam geschrieben haben. Ich bin einfach hin und weg von ihr.

 

Bild DSC_1679.jpg

Welche Berufswahl hätten Sie getroffen, wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte?
Nina Proll: Je älter, desto weniger kann ich mir etwas Anderes vorstellen. Früher dachte ich noch, Psychologie oder Yogalehrerin, wenn’s wirklich vollkommen in die Hose geht. Vielleicht mache ich das, wenn der Film floppt. (lacht)
Gregor Bloéb: Ich konnte mir immer gut vorstellen, Volksschuldirektor zu sein. Ich mochte Kinder immer gern. Mittlerweile allerdings eher Landeshauptmann. (lacht) Der Wahlkampf hat uns hier auf den Geschmack gebracht.
Nina Proll: Wir Künstler leben auf einer Insel der Seligen. Für uns ist es nach wie vor fast cool, wenn wir beispielsweise betrunken in einem Lokal gesehen werden.
Gregor Bloéb: Es ist bei uns auch vollkommen egal, wenn sie mich betrunken fotografieren, da kriege ich doch keinen Job weniger, für den Politiker ist die Karriere vorbei.
Nina Proll: Künstler, ganz egal ob Popstars, Sänger, Maler, haben einfach mehr Narrenfreiheit. Wenn Robbie Williams sagt, er war drogensüchtig, verkauft er noch mehr Platten. Bei Politikern schaut das ganz anders aus, die sind schon arm dran.

Bild DSC_1700.jpg

Was steht für die Zukunft an?
Nina Proll: Ich schreibe wieder an einem Drehbuch – es geht passenderweise um Politik. Aber jetzt möchte ich erstmal den Kinofilm gut rausbringen und am 17. November moderiere ich die Präsentation des Feuerwehrkalenders. Meine Tour mit den Vorstadtliedern gibt es ja auch noch.
Gregor Bloéb: Ich drehe gerade für ARD eine Reihe und danach noch eine Produktion im Burgtheater. Es ist momentan sehr viel los. Ich trete in Hamburg auf und in Wien – das ist auch genug. Ich habe ja auch noch Hof, Kinder und Frau.