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People | 19.04.2018

In die Sterne geschaut

Warum Gerda Rogers für sich selbst kein Horoskop erstellt und wer die Glückskinder des Jahres sind, verriet uns die Star-Astrologin im Interview.

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Fotos: Birgit Pichler

Diese Stimme kennt ganz Österreich: In den Ö3-Sternstunden berät Gerda Rogers seit über 26 Jahren jeden Sonntag zahlreiche Hörer und das  ganze Land ist mit dabei, wenn die vitale Astro-Expertin Beziehungstipps gibt oder Karriereratschläge austeilt. Was Rogers so beliebt macht, ist neben ihren Prognosen ihr feiner Sinn für Humor und ihre große Lebenserfahrung. Gemeinsam mit Clemens Trischler hat die wohl bekannteste Astrologin Österreichs nun ein Buch über ihr bewegtes Leben geschrieben. Der It-Boy ist seines Zeichens nicht nur Co-Autor und Ideengeber der Biografie von Gerda Rogers, die beiden verbindet auch privat ein enges Band: Trischler bewundert die Gelassenheit der Astrologin und  lässt sich selbst gerne bei wichtigen Gelegenheiten in die Sterne schauen. Rogers selbst nennt ihn liebevoll ihr Kind, bügelt seine Hemden und steht ihm nicht nur in Liebesdingen mit Rat und Tat zur Seite. Wir trafen Gerda Rogers  und Clemens Trischler im Hotel Central in Innsbruck.

TIROLERIN: In Ihrem Buch erwähnen Sie, dass Sie die Jugend von heute ein bisschen bemitleiden, weil sie die alten Zeiten nicht miterleben konnte. Was fehlt heute?
Gerda Rogers: Begegnungen und Zweisamkeit – damals ist man noch viel romantischer an diese Themen herangegangen – und auch langsamer. Man hat sich öfter getroffen, ist tanzen gegangen. Auf Plattformen wie Facebook lernt man heute zwar viele Menschen kennen, aber es bleibt immer auf einer sehr oberflächlichen Ebene. Man wird angeschrieben und chattet ein bisschen. Aber jeder denkt sich stets: „Vielleicht gibt’s noch was Besseres?“ Ich erlebe das ja selbst. Die meisten Frauen, die in jungen Jahren zu mir kommen, fragen: „Lerne ich jetzt endlich wen kennen, der mir bleibt?“ Heute ist stets die Suche nach etwas Besserem im Zentrum. Die Jugend hat Angst, etwas zu versäumen, und im Internet kann man sich ganz leicht nach etwas Neuem, Besserem umschauen, wenn es in der Beziehung langweilig wird. Aber: Wer auf’s Eis tanzen geht, rutscht aus. Ich erlebe das häufig in meinen Beratungen. Da bringen Männer lange Listen von Frauen mit, die sie im Internet kennengelernt haben, und wollen jede einzeln ausgewertet haben. Wer könnte die Bessere sein, oder soll ich vielleicht noch warten, kommt noch was anderes nach? Das kann’s doch nicht sein.

Gibt es auch etwas, um das Sie die Jugend von heute beneiden?
Heute ist es sicher einfacher, viele  Menschen kennenzulernen, in die Welt hinauszugehen. Frauen haben bedeutend bessere Ausbildungsmöglichkeiten und sind emanzipierter. Heutzutage kann man alles auskosten und ausprobieren.
Ehemänner sind mit einer Frau verheiratet, haben zwei Kinder und einen Lover nebenbei. Das sind Auswüchse der modernen Welt. Dennoch bleiben Frauen, insbesondere auch alleinerziehende Mütter, immer noch häufig auf der Strecke, auch wenn es besser ist als zu meiner Zeit.

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Sie waren zweimal verheiratet und hatten ein sehr bewegtes Leben. Würden Sie rückblickend alles genauso machen?
Ja! Auch meine Männer – ich weiß heute, das hatte seinen Zweck und ich habe so viel gelernt und erlebt. Irgendwann kam dann aber der Moment, an dem ich erwachsen wurde und alleine gehen durfte. Ich war für mich selbst verantwortllich. Trotzdem möchte ich diese Zeit nicht missen, denn ich sehe das oft: Menschen, die nie verheiratet waren, egal, ob Mann oder Frau, fehlt später etwas. Sie fragen mich dann immer: „Sehen Sie noch eine Ehe bei mir?“ Auch wenn ich nicht dieser Meinung bin, ist es für viele oft so, als ob man ein Außenseiter wäre, wenn man das nicht gelebt hat. Deshalb ist es besser, man kann sagen „Ich bin dreimal geschieden“ als „Ich war nie verheiratet“. Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die toll alleine leben können, und ich finde sowieso, man ist erst beziehungsfähig, wenn man alleine sein kann und alles alleine managen kann: Job, Freunde, Entscheidungen. Oft werden Alleinstehende trotzdem von anderen bedauert, wie arm sie doch sind, dass sie niemanden finden. Das ist doch irre. Auf der anderen Seite gibt es nämlich auch Verheiratete, die sich fragen, wann das Drama endlich vorbei ist.

In den Ö3-Sternstunden werden Sie von den Anrufern auch oft mit schwierigen Themen wie etwa Scheidung, Affären, Berufswechsel konfrontiert. Wie findet man hier die richtigen Worte?
Auch eine Affäre gehört zum Leben, und wenn sie wieder vorbeigeht, muss man sich deswegen nicht scheiden lassen. Ich habe sogar schon erlebt, dass Affären totgesagte Ehen wieder belebt haben und man vielleicht dann, wenn die Affäre vorbei ist, wieder glücklich ist, einen so stabilen Partner zu haben. Man soll Affären nicht verurteilen, wenn sie nicht zu einem Dauerzustand werden und der andere daran nicht seelisch zugrunde geht. Es gibt aber auch Beziehungen, in denen pausenlos fremdgegangen wird, etwas, das ich am meisten verurteile, denn solche Menschen wollen ja beides: daheim die Sicherheit und die Stabilität und draußen den Spaß. Generell kann ich den Anrufern aber nur einen Weg zeigen, entscheiden müssen sie selbst. Man kann auch alles sagen, es kommt nur darauf an, wie man es formuliert. Bei sensiblen Menschen muss man andere Worte finden. Manche wollen es klar und nüchtern hören und anderen erkläre ich es eben langsamer. Wichtig ist immer, einen Lichtblick zu geben. Das Schicksalsrad dreht sich und in einem Jahr ist alles anders. Natürlich habe ich nicht immer recht, aber ich verfüge mittlerweile auch über Menschenkenntnisse und Lebenserfahrung, und in schwierigen Situationen Positives  zu sehen, hat mich weitergebracht im Leben.

Schauen Sie auch für sich selbst ab und zu in die Sterne?
Das weiß ich eigentlich auswendig. Ich schaue mir höchstens mal den Tagesmond an oder wie der Mars steht. Unter Mars-Konstellationen ist man angriffslustig und wartet nur darauf,  seine Energien zu entladen. Deshalb schaue ich mir das oft an und denke mir: Heute reißt du dich zusammen. Aber in einem gewissen Alter darf man das rauslassen.

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Gerda Rogers mit dem Autor ihrer Biographie Clemens Trischler

Wie oft werden Sie auf der Straße gebeten, in die Sterne zu schauen? Nervt das auch  manchmal?
Meistens sprechen mich die Menschen an der Kasse an, wenn ich einkaufen gehe, und sagen dann oft: „Ich bin Krebs, wie geht es mir heuer?“  Man kennt mich und auch meine Stimme. Ich bin seit 26 Jahren auf Ö3, irgendwann hört mich jeder einmal. Das stört aber nicht, ich mag Menschen und frage selbst oft nach ihrem Sternzeichen. Für mich ist das ein Vertrauensbeweis, wenn Menschen sich mir öffnen und viel preisgeben. Das sehe ich gar nicht negativ.

Warum wollen die Leute unbedingt in die Zukunft schauen?
Niemand darf sich mehr einen Fehler erlauben. Manager, Menschen aus der Wirtschaft kommen zu mir und wollen meinen Rat. Heutzutage ist man stark  vom Erfolg geprägt. Gerade in den großen Städten herrscht ein extremer Existenzkampf. Du kannst wie auf Knopfdruck jederzeit von zehn anderen ersetzt werden. Ich kenne viele Geschäftsführer und Chefs, die zu mir kommen – sehr kluge und fähige Menschen –, die mich fragen, wo sie aufpassen sollen, ob es etwas gibt, das ihnen nicht bewusst ist, oder wie sie sich gegenüber Kollegen verhalten sollen, die ihnen gegenüber nicht gut gestimmt sind. Auch die Zusammenstellung von Teams soll oft astrologisch beleuchtet werden. Wenn im Team ein Störfaktor ist, ein Rädchen, das dagegen arbeitet, läuft es nicht, die Energie ist dann ganz anders. Viele Firmenbosse kommen bei einer ausgeschriebenen Position mit den Geburtsdaten der potenziellen Kandidaten zu mir und lassen auswerten, wer laut Horoskop am besten passt.     

Gibt es Themen, bei denen Sie keine Vorhersage machen?
Gesundheitsthemen. Natürlich kann man bei einem Termin für eine Knie-OP schauen, ob das ein günstiger Tag ist, aber alles andere soll der Arzt entscheiden. Auch zum Thema Tod sage ich nichts. Natürlich, im Familienkreis schaut man das genauer an. Es gibt auch immer wieder Fälle, bei denen ich nicht weiterhelfen kann, da rate ich dazu, einen Therapeuten oder Psychologen zu konsultieren.

Wer sind denn die Glückskinder des Jahres?
Das sind ganz klar die Skorpione, aber auch die Fische, Schützen und die Jungfrauen. Große Aufbruchstimmung herrscht bei Steinböcken, Widdern, Krebsen und Waagen, da regt sich in diesem Jahr sehr viel.

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Gerda Rogers – Ein Leben mit den Sternen, Gerda Rogers mit Clemens Trischler, Goldegg Verlag (€ 20,60), ISBN: 9783990600627