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People | 07.06.2018

„Die Welt ist so nah“

Die TIROLERIN wird 30. Zum Geburtstag schenken wir uns ein Hilfsprojekt. Gemeinsam mit Bruder und Schwester in Not unterstützen wir mit Ihrer Hilfe ein Frauenprojekt im ostafrikanischen Uganda.

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Foto: Bruder und Schwester in Not

Darauf vorbereitet war sie nicht. Es war ihre erste Reise nach Afrika. Armut und Elend so unvermittelt zu erleben, hat sie tief berührt. Und sie in ihrem Willen, Dinge zu verändern, bestärkt. „Es war eine beeindruckende Erfahrung mit teilweise Tränen in den Augen“, erzählt Ursula Scheiber. Seit 2014 leitet sie die Stiftung Bruder und Schwester in Not der Diözese Innsbruck. Unterstützt werden Projekte in El Salvador, Bolivien, Kenia, Tansania und Uganda. Scheiber ist die Förderung und Ermächtigung von Frauen ein besonderes Anliegen.

Ungleichgewicht. Weltweit sind 70 Prozent aller Menschen, die in Armut leben, weiblich. „Die Beseitigung von Armut und soziale Gerechtigkeit können nur erreicht werden, wenn Frauen in gleicher Weise Zugang zu Land, Wasser, Bildung, Gesundheitsversorgung und Menschenrechten haben“, betont die 35-Jährige. Die TIROLERIN wird daher mit Ihrer Hilfe jährlich in Zusammenarbeit mit den Hilfswerken der Diözese Innsbruck ein Projekt unterstützen, das vor allem Frauen stärkt und fördert. Das erste Projekt führt uns nach Norduganda an der Grenze zum Südsudan. Wir machen uns im Juni gemeinsam mit Bruder und Schwester in Not vor Ort selbst ein Bild und sehen, wo Hilfe so dringend benötigt wird.


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Foto: Bruder und Schwester in Not

Das Projekt. Im Nordosten von Uganda beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 48 Jahre, mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, es herrscht die höchste Kindersterblichkeitsrate im Land. Die Analphabetenrate liegt bei rund 80 Prozent.
In der Pfarre Loyoro, die von uns unterstützt wird, finden Frauen die Möglichkeit, gemeinsam an der Verbesserung ihrer Situation zu arbeiten. Bereits im Jahr 2000 machte sich der Kartitscher Missionar Leonhard Wiedemayr nach Norduganda auf, um zu helfen. „Zu der Zeit gab es Bürgerkrieg und bewaffnete Konflikte. Er war ein mutiger Vorreiter“, erzählt Scheiber.  53 Jahre war der Missionar in Uganda tätig, zuletzt im entlegenen Nordosten des Landes. Inzwischen ist Andrew Mitema vor Ort, um die Menschen zu unterstützen. Frauen werden stark unterdrückt. Gleichzeitig liegt eine große Last auf ihren Schultern. „Sie erziehen die Kinder, kümmern sich um Nahrung und schauen, dass ein wenig Geld reinkommt“, sagt die Leiterin der Stiftung.  „In der Pfarre können sie  
sich treffen und austauschen. Sie erhalten Schulungen in Ackerbau, Bienenzucht, Hygiene und Gesundheitsvorsorge. Viele Ideen kommen dabei von den Frauen selbst“, sagt die 35-Jährige. Auch junge Mädchen wollten nähen lernen und verkauften die von ihnen hergestellten Schuluniformen. Hübsche Arm- und Halsketten in verschiedenen Farben werden von den Mädchen und Frauen ebenfalls selbst hergestellt. „Jede Perle ist handgemacht“, lächelt Scheiber.

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Foto: Martin Vandory

Alkohol und Gewalt. Insgesamt ist die Situation vor Ort schwierig. „Da die ehemaligen Semi-Nomaden jetzt oft keine Herde mehr besitzen, sind viele Männer in ein Loch gefallen. Alkoholismus und Gewalt stehen an der Tagesordnung“, weiß Scheiber. „Die Verhältnisse sind für uns unvorstellbar. Großfamilien leben in umzäunten Lehmhütten gemeinsam mit ihren Tieren. In einem Korb wird die Getreideernte von dem jeweiligen Jahr gelagert. Wenn der Mais etwa durch Ungeziefer verunreinigt wird, haben sie nichts mehr zu essen. Die Region wird immer wieder vom World Food Programme unterstützt“, berichtet Scheiber, die regelmäßig in die Projektgebiete reist.

Eigenmacht. Mit der Zeit, sagt Scheiber, baue man einen Schutz auf, um die Dinge nicht zu nahe an sich heranzulassen: „Man lässt sich berühren, macht aber doch irgendwie ein wenig zu.“ Es sei eine Mischung aus Ohnmacht und Eigenmacht, die sie bei den Projekten begleite. „Natürlich kommt ein Gefühl von Ohnmacht auf, was das große Ganze betrifft. Wir können den Klimawandel und politische Strukturen nicht verändern. Aber es gibt auch die Eigenmacht, weil man einzelne Menschen unterstützen und sie stärken kann.“ Die Ungerechtigkeit mache ihr dennoch immer wieder zu schaffen, ergänzt die junge Frau: „Man taucht kurz in die Lebensrealität dieser Menschen ein, ist betroffen und landet dann wieder am Flughafen München, wo alles perfekt ist.“
Vor allem die Situation der Frauen mache sie teilweise wütend. Scheiber hat sich bereits während ihres Politikwissenschaftsstudiums mit feministischer Theorie beschäftigt. „Wenn man dann aber in der Realität sieht, wie Frauen unterdrückt und schlechter gestellt werden als Männer, kommt man schon mit einem gewissen Zorn zurück.“ Zorn, den die Stiftungsleiterin in positive Energie umwandelt. „Bei all dem Elend und der Armut ist es doch auch schön, etwas verändern zu können.“  

Seit 1961. Welche Projekte von Bruder und Schwester in Not unterstützt werden, ist zum Teil historisch gewachsen. „Uns gibt es seit 1961. Angefangen hat es mit Missionaren aus Tirol, die in Briefen um Hilfe angesucht haben. Aus dieser Zeit sind viele Projektorte hängen geblieben“, erklärt Scheiber. Man beschränke sich auf bestimmte Regionen und sei dort länger tätig: „Wir wollen die langfristige Entwicklung sehen.“ Regelmäßig würden Projektanfragen an Bruder und Schwester in Not geschickt, in denen um Unterstützung angesucht wird. „Ein externes Projektkomitee stimmt darüber ab, wo wir tätig werden“, sagt Scheiber.

Weltenbürger. Dass es nach wie vor oder mehr denn je wichtig ist zu spenden, steht für Ursula Scheiber außer Frage. „Wenn man sich als Weltenbürgerin sieht – und in unserer globalisierten Welt sind wir das alle, die Welt ist so nah –, ist der Auftrag an jeden Einzelnen, solidarisch zu sein. Das kann auf verschiedene Art und Weise passieren. Auch indem ich eine Flüchtlingsfamilie betreue.“ Es sei so wichtig, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich dafür zu interessieren, wie es anderen Menschen gehe. „Spenden kann eine Form sein, diesen Beitrag abzugeben. Sich nicht selbst darum kümmern zu müssen, sondern das Geld einer Organisation anzuvertrauen, die das Beste daraus macht“, sagt Scheiber. „Und auch, wenn es abgedroschen ist: Es geht auch darum, dass wir großes Glück hatten, auf einer Insel der Seligen zur Welt gekommen zu sein, wo es uns um so vieles besser geht als dem Großteil der Menschen. Gerade da ist es schön und wichtig, ein Stück des guten Lebens zu teilen und an andere abzugeben.“

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Foto: Bruder und Schwester in Not

TIROLERIN hilft. Gemeinsam mit Bruder und Schwester in Not unterstützt die TIROLERIN ein Frauenprojekt im Nordosten von Uganda. Im Juni machen wir uns vor Ort ein Bild, sehen, wo unsere Hilfe so dringend benötigt wird, und berichten darüber.

Helfen Sie mit. Wir freuen uns, wenn Sie uns bei dem Projekt unterstützen und dazu beitragen, dass die Lebensbedingungen der Menschen in Uganda verbessert werden. Spendenkonto: RLB Tirol, IBAN:
AT59 3600 0000 0066 8400, Kennwort
„Tirolerin hilft“. Infos: www.bsin.at

Armbänder. Die von den Frauen in Uganda selbst hergestellten Armbänder können Sie bei Bruder und Schwester in Not für eine Spende von zehn Euro erwerben.
Tel.: 05127 / 7270 61 oder [email protected]