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People | 10.05.2018

„Gute Musik braucht gute Ideen.“

Von Tirol in die Welt: Manu Delago spielt nicht nur an der Seite internationaler Musikgrößen, er tourt auch mit seiner eigenen Band durch alle Kontinente. Wir trafen den Tiroler zum Interview.

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Das Hang, ein Klangkörper, der aussieht wie zwei aufeinandergelegte Wok-Schalen, machte Manu Delago weltberühmt. (Foto: Maria Kirchner)

Sein Youtube-Video „Mono Desire“ wurde  millionenfach angeklickt und in 50 Ländern der Welt stand er bereits auf der Bühne. Er arbeitete zusammen mit Weltstars wie Björk oder Anoushka Shankar und das Hang, ein außergewöhnliches und selbstklingendes Schlaginstrument, beherrscht er wie kaum ein anderer: Mit 33 Jahren kann Manu Delago bereits auf große Erfolge zurückblicken. Kurz vor dem Start seiner US-Tour erzählt uns der Tiroler, was ihn inspiriert und warum das Leben als Musiker für ihn definitiv ein Traumberuf ist.

TIROLERIN: War Ihnen schon immer klar, dass Sie Ihr Leben der Musik widmen möchten?
Manu Delago: Eigentlich wollte ich Fußballer werden, aber meine Motivation bei Kopfballduellen reichte meist nicht aus. Und über diverse Bands bin ich dann als Teenager sehr natürlich ins Musikerleben hineingewachsen, welches ich seither nie wieder hinterfragt habe.

Ihr Vater ist in Tirol mit seiner Musik sehr bekannt. In Interviews haben Sie erzählt, dass Sie schon sehr früh am Schlagzeug gesessen sind – Sie sind also quasi mit Musik aufgewachsen. Wie ausschlaggebend war das für Ihren heutigen Erfolg?
Es war natürlich sehr förderlich, dass ich schon in frühem Alter von viel Musik und Musikern umgeben war. Mir standen alle Türen offen und ich wurde immer unterstützt.


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Foto: Lukas Lorenz

Das Hang ist ja mittlerweile schon fast zu Ihrem Markenzeichen geworden. Wie kamen Sie zu dem doch recht außergewöhnlichen Instrument?
Mein Vater hat mir im Jahr 2003 vom Hang erzählt, nachdem er es bei einem Festival gesehen hat. Im Internet fanden wir Fotos und Tonbeispiele, aber noch keine Videos. Daraufhin bestellten wir uns eines gemeinsam und irgendwie war ich dann derjenige, der hauptsächlich darauf spielte.

Wer oder was inspiriert Sie beziehungsweise was braucht es überhaupt, damit gute Musik entstehen kann?
Um ehrlich zu sein, ist meine Hauptinspiration die Musik selbst. Ich höre möglichst viel verschiedene Musik, lasse mich davon inspirieren und versuche dabei, nichts zu kopieren. Für gute Musik braucht man vor allem gute Ideen und ein bisschen Werkzeug, um diese umzusetzen.

Sie sind in Innsbruck geboren und leben seit zehn Jahren in London. Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Mittlerweile sind es schon fast elf Jahre in London und ich lebe sehr gerne dort. Es ist sicherlich mein Lebensmittelpunkt, aber Tirol wird immer meine Heimat bleiben.

Warum haben Sie sich gerade für London als Ihren Wohnort entschieden?
Ich wollte in einer Musikmetropole wohnen, in der ich international arbeiten kann. Gleichzeitig wollte ich keine Sprachbarriere und nicht zu viele bürokratische Komplikationen. Da blieben nicht so viele Städte übrig.

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Mirko De Nicolo

Sie haben bereits mit vielen verschiedenen Künstlern, wie Björk oder Anoushka Shankar, zusammengearbeitet, sind aber auch immer wieder mit Ihrer eigenen Band unterwegs. Was macht mehr Spaß?
Hinter der eigenen Band steckt mehr Arbeit und mehr Verantwortung, allerdings bekommt man dafür dann auch die Lorbeeren. Ich genieße die Abwechslung, beides macht viel Spaß.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Björk entstanden?
Björk hat vor acht Jahren ein Youtube-Video von mir gesehen und mich daraufhin kontaktiert und gefragt, ob ich auf ihrem Album „Biophilia“ mitwirken möchte. Daraufhin entstanden zuerst Studioaufnahmen, danach sämtliche Welttourneen.

Im Mai steht bei Ihnen eine Tour durch die USA an. Wie darf man sich das Leben auf Tour vorstellen?
Ich bin nicht unbedingt für einen Rock-’n’-Roll-Lifestyle bekannt. Ich versuche eher, möglichst genug Schlaf zu bekommen, gesund zu leben und etwas Sport zu betreiben. Sonst würde ich ein Jahr wie 2018 nicht überstehen können. Man verbringt viel Zeit an Flughäfen sowie in Autos und Vans. Man schläft fast jede Nacht in einem anderen Bett und muss nicht selten sehr früh aufstehen. Klingt nicht nach einem Traumberuf, ist es aber.

Sie haben bereits in 50 Ländern gespielt. Gibt es einen Auftritt, den Sie besonders im Gedächtnis behalten haben?
Gerade erst habe ich das 50. Länder-Jubiläum in Südkorea gefeiert. Es gibt viele Konzerte, die in spezieller Erinnerung bleiben. Spontan fällt mir jetzt ein Konzert mit Anoushka Shankar in Darmstadt ein, währenddessen FC Arsenal den FA-Cup gewonnen hat.

Ihr Youtube-Video „Mono Desire“ wurde millionenfach angeklickt und unter die „Top 30 best-rated music videos“ gewählt. Auch viele Ihrer anderen Videos auf der Plattform haben zigtausend Klicks. Ist es heute durch die sozialen Medien leichter, als Künstler auf sich aufmerksam zu machen?
Im Fall Youtube war es vor allem zwischen 2006 und 2010 ein Vorteil, weil die großen Plattenfirmen noch nicht mitgespielt haben. Ich war da zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Natürlich ist es heute einfacher, sich international auszubreiten, als vor dem Internetzeitalter, allerdings ist die Dichte sehr groß und man muss sich immer etwas Spezielles einfallen lassen.

Was hören Sie privat?
Bravo Hits Best of 94, Rage Against the Machine, Daughter und manchmal auch anderes.