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People | 19.07.2022

„Gemeinsam können wir viel bewirken“

Dass man zusammen mehr erreichen kann als allein, weiß Milchziegenbäuerin Monika Gschleiner genau. Im Interview spricht unser Covermodel über Familienbande, Alltagsroutinen und die Rolle der Landwirtinnen in Tirol.

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© Birgit Pichler

Sympathisch & authentisch

Als wir ankommen, hören wir schon von Weitem ein aufgeregtes „Määäh“. Für unser heutiges Shooting sind wir an einem ganz besonderen Ort: dem Milchziegenhof von Monika und Andreas Gschleiner in Fritzens, wo sie gemeinsam mit ihren drei Kindern Maximilian, Mona und Sebastian leben und arbeiten. Wie 75 andere Landwirt:innen ist auch Monika unserem Covermodel-Aufruf gefolgt, den wir im April mit der Agrarmarketing und den Tiroler Bäuerinnen gestartet haben. Prompt schaffte es die 38-Jährige unter die Top 10 und sicherte sich im Online-Voting einen der drei Plätze im Finale. Beim großen Testshooting konnte sich Monika mit ihrer natürlichen und sympathischen Ausstrahlung gegen die anderen Kandidat:innen durchsetzen – und lächelt nun vom Cover dieser Ausgabe. Im Interview verrät die sympathische Tirolerin, was sie an ihrem Beruf besonders liebt und wie es war, einen Tag lang vor der Kamera zu stehen.

 

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© Ricarda Stengg

Witziger Zufall

TIROLERIN: Warum haben Sie sich für unsere Covermodel-Suche beworben?

Monika Gschleiner: Ich habe den Aufruf zufällig in der Sonderausgabe der Bauernzeitung entdeckt und mir sofort gedacht: Das ist eine super Aktion. Mir hat die Botschaft gefallen, und dass es ein totales Kontrastprogramm zu meinem Alltag wäre. Ein paar Tage lang habe ich hin- und herüberlegt, aber irgendwann habe ich mir gedacht: „Ein bisschen Spaß muss sein – jetzt bewirbst du dich mal, und dann siehst du ja, was passiert.“

Wie war es, einen Tag lang im Rampenlicht zu stehen?

Es war eine wahnsinnig coole Erfahrung. Der Tag ist viel zu schnell vergangen. Am Anfang war es gar nicht so einfach, in die Rolle zu finden und meine Mimik unter Kontrolle zu bringen, weil ich das ja überhaupt nicht gewöhnt bin. Aber durch das wunderschöne Make-up und das fesche Outfit habe ich mich unheimlich hübsch gefühlt. Das Shooting hat wirklich Spaß gemacht und definitiv all meine Erwartungen übertroffen.

Wie sind Sie zur Landwirtschaft gekommen?

Die Landwirtschaft ist mir quasi in die Wiege gelegt worden, meine Eltern und mittlerweile auch mein Bruder bewirtschaften einen Bauernhof in St. Johann in Tirol, zu dem auch ein Campingplatz gehört. Ich bin also mit der Landwirtschaft aufgewachsen – als Kinder haben wir jeden Sommer auf der Alm verbracht, die Teil des Betriebes ist. Die Arbeit mit den Tieren und in der Natur hat mir schon immer viel Spaß gemacht. Ich war bei den Jungbauern und habe in Kematen eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. In dieser Zeit habe ich meinen Mann kennengelernt. Wir haben den Hof von seinen Eltern, damals noch mit Milchkühen, übernommen. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir den Betrieb im Vollerwerb erhalten könnten. Die Ziegen haben uns sofort gefallen und so haben wir den Betrieb zu dem weiterentwickelt, was er heute ist.

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© Ricarda Stengg

„Abwechslungsreiche Herausforderung“

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Ich stehe um halb fünf auf und starte den Tag mit meinen täglichen Arbeiten im Stall. Anschließend sind die Kinder an der Reihe, die in die Schule beziehungsweise in den Kindergarten müssen. Danach gibt es ein gemeinsames Frühstück mit meinem Mann, wo wir besprechen, welche Arbeiten an dem Tag anfallen. Das variiert jeden Tag – manchmal ist es Feldarbeit, manchmal Ausmisten, manchmal ist Haushalt angesagt oder Büro. Um halb fünf geht es dann wieder an die Stallarbeit.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Beruf?

Die Arbeit mit den Tieren mag ich sehr, aber ich schätze auch die Abwechslung und die Herausforderung. Man kommt schon oft an seine Grenzen, zum Beispiel wenn die Kitze kommen oder wenn es Problemgeburten gibt. Da darf man nicht zimperlich sein. Aber die Freude, wenn alles klappt, ist dann natürlich umso größer.

Sind Ihre drei Kinder auch schon in die täglichen Abläufe am Hof integriert?

Dadurch, dass wir ein Familienbetrieb sind, sind sie in irgendeiner Art und Weise immer ins Hofleben eingebunden. Sie haben zwar keine täglichen Arbeiten, müssen sich aber natürlich schon um ihre eigenen Tiere, die Hasen, kümmern. Unser Ältester, Max, hilft schon täglich bei der Stallarbeit, wenn er Zeit hat. Aber grundsätzlich funktioniert so ein Betrieb nur, wenn alle mitmachen und zusammenhelfen – vor allem in den Arbeitsspitzenzeiten wie bei der Heuernte. Da hilft dann jeder von uns auf dem Feld. Wenn es für uns mit der Stallarbeit später wird, kümmert sich Mona um ihren kleinen Bruder Sebastian. Wir greifen uns alle gegenseitig unter die Arme. Ich bin wirklich froh und dankbar, dass jeder so selbstverständlich mithilft und dass sich die Kinder so gut verstehen.

Wie gelingt es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Ich glaube gar nicht, dass mir das gelingt (lacht). Ein gewisses Chaos bleibt, hin und wieder muss ich Abstriche machen. Manchmal ist es nicht so sauber, wie ich es gerne hätte, manchmal habe ich weniger Zeit für die Kinder oder lasse den Stall etwas hinten nach. Ich glaube, am wichtigsten ist, dass man gelassen bleibt und nicht zu streng mit sich selbst ist. Und ich denke, dass es in der Landwirtschaft sogar leichter ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, als in anderen „klassischen“ Berufen. Dadurch, dass mein Mann Andreas und ich immer da sind, haben wir ja zum Glück viele Berührungspunkte und gemeinsame Erlebnisse. Auch wenn wir mal nicht so viel Zeit für gemeinsame Aktivitäten haben, sind wir zumindest immer greifbar.

 

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© Ricarda Stengg

Unverzichtbar für Gesellschaft & Tourismus

Wie sehen Sie die Rolle der Bäuerinnen in Tirol?

Die Landwirtschaft ist in unserer Gesellschaft unverzichtbar – nicht zuletzt um im eigenen Land eine grundlegende Versorgungssicherheit bieten zu können. Abgesehen von der Direktvermarktung bekommen wir diese Wertschätzung selbst leider nicht allzu oft zu spüren, weil wir ja ganz am Anfang der Produktionskette stehen. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir im Zuge der Covermodel-Suche die Möglichkeit bekommen, ein positives Bild von uns Bäuerinnen zu zeichnen. Wir Frauen halten die Stricke zusammen, schauen, dass alles funktioniert, und haben die Möglichkeit, unsere „weiblichen“ Fähigkeiten am Hof voll und ganz einzubringen. Es gibt ja auch viele tolle Aktionen von Bäuerinnen, zum Beispiel an Schulen, wo sie die Kinder darüber aufklären, wo ihr Essen herkommt. Ich würde mir wünschen, dass unsere Arbeit noch ein bisschen mehr wertgeschätzt wird – auch, was Almen oder die Wegenetze betrifft, welche ohne eine lebendige Landwirtschaft ja gar nicht bestehen würden, aber von der gesamten Gesellschaft und auch vom Tourismus gerne genutzt werden.

Wo setzen Sie in der Landwirtschaft auf digitale Lösungen – und wo bewährt sich das „Handwerk“?

Da wir am Hof keine Mitarbeiter:innen haben, gibt es bei uns wenige Bereiche, wo wir die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht nutzen. Von der automatischen Lichtsteuerung über den Mischwagen und die Kraftfutterausgabe bis hin zur Milchmessung und der digitalen Erfassung der Geburten gibt es ja mittlerweile viele tolle Lösungen. Beispielsweise können die Abstammung und die Milchleistung von jeder einzelnen Ziege elektronisch erfasst werden. Das Heuen muss heute von viel weniger Personen gestemmt werden, darum erleichtern uns am steilen Bichl der Heubläser und – statt der Sense – der Handmotormäher die Arbeit. Trotzdem sind wir froh, wenn wir von Andreas’ Schwester und ihrem Mann mit dem Rechen unterstützt werden. Mir persönlich ist das die liebste Arbeit, weil man sich in der Natur körperlich betätigt und direkt etwas bewirken kann.

 

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© Birgit Pichler

Zusammenhalt & gegenseitige Unterstützung

Gibt es etwas, das Sie unseren Leser: innen gerne mit auf den Weg geben möchten?

Zuallererst möchte ich mich bei allen Leser:innen bedanken, die bei der Aktion mitgemacht haben und so großes Interesse gezeigt haben. Das freut mich wirklich wahnsinnig. Wenn wir Frauen – egal ob in der Landwirtschaft oder sonst wo – unsere tollen Eigenschaften und Fähigkeiten nach außen tragen, können wir das Leben so viel liebevoller gestalten. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns unserer Stärken bewusst werden, noch viel mehr „zammhalt’n“ und uns gegenseitig unterstützen. Gemeinsam können wir Frauen nämlich noch viel bewirken.

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Hinter den Kulissen
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