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People | 21.06.2022

Rampensau

Schauspieler Philipp Dornauer im Gespräch

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Foto: Daniel Schaler

Der gebürtige Tiroler Philipp Dornauer ist Schauspieler mit Leib und Seele. Bekannt ist der 29-Jährige unter anderem durch Rollen in Theater- und Fernsehproduktionen wie „Verkaufte Heimat“ oder „Walking on Sunshine“. Zuletzt durften ihn die Zuschauer:innen als „Hank Haberer“ in der Kinderbuchverfilmung von Christine Nöstlingers „Geschichten vom Franz“ auf der Leinwand sehen. Uns hat er von seinen ersten Bühnenerfahrungen, verschiedenen Schauspieltypen sowie der Notwendigkeit, auch mal die „innere Rampensau“ herauszulassen, erzählt.

TIROLERIN: In „Geschichten vom Franz“ spielen Sie den Fitness-Influencer Hank Haberer, der dem kleinen schüchternen Franz dabei hilft, ein „echter Mann“ zu werden. Was ist Hank Haberer für eine Figur?

Philipp Dornauer: Franz entdeckt auf dem Computerbildschirm seines Bruders ganz zufällig ein Video von Hank, in dem er 20 Regeln aufstellt, um ein „richtiger Mann“ zu werden. Ab dem Zeitpunkt gibt Hank dem Franz Tipps, wie man durchs Leben geht, und taucht auch in seiner Fantasie auf, so als ob er wirklich da wäre – ein bisschen wie der Dschinni bei Aladdin. Dabei begleitet Hank ihn durch die Geschichte und wird so etwas wie Franz’ Fantasiefreund. Hank ist eher betont „maskulin“ und gibt Franz Tipps, die etwas stereotypisch sind: „Man muss trainiert sein, weniger lieb, sein Ding durchziehen, und schon ist man ein echter Mann.“

 

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Foto: Daniel Schaler

Wie viel Ihrer Persönlichkeit steckt in Hank Haberer?

Wie jeder Mensch sind wir Schau-spieler:innen in gewissen Aspekten unseres Selbsts gefangen. Und diese Aspekte muss man für eine Rolle entweder benutzen oder aber sie irgendwie verstärken oder gegebenenfalls abwerfen. Zusätzlich muss man aber natürlich auch immer neues Leben in sich aufnehmen. Das ist jedes Mal ein wahnsinnig schwieriger Kampf, und ich würde keine Rolle annehmen, die es nicht wert ist, diesen Kampf zu kämpfen. Ich denke also schon, dass einiges meiner Persönlichkeit in Hank Haberer steckt. Ich bin sehr motiviert und glaube, dass ich zu einem gewissen Teil auch sehr selbstbewusst sein kann. Gemeinsam haben wir letztendlich aber auch diese grundsätzliche Unsicherheit, ob alles immer richtig ist, was man macht – was der Hank dem Franz auch ganz direkt sagt.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor?

Für mich gibt es zwei Schauspieltypen. Einmal die, die kurz vorher den Text durchgehen, und alles andere kommt einfach ganz natürlich aus dem Bauch heraus. Und dann gibt es Schauspieler:innen, die tausend Mal den Text durchgehen und dann ganz konkret bei jedem Wort, jedem Schritt und jeder Gestik wissen, was sie tun müssen. Ich glaube, ich bin eine Mischung aus beiden Typen. Ich brauche eine gewisse Vorbereitung und weiß nach mehrmaligem Lesen meines Textes, was ich glaube, dieser Rolle geben zu können. Und wenn ich dann auf der Bühne oder auf dem Set stehe, passiert es mir, dass ich meine Vorbereitung vergesse, und dann kommt so etwas Eingefleischtes aus dem Bauch heraus. Wie eine kleine Rampensau – ich fühle mich dann super wohl und weiß, dass ich diesem Natürlichen trauen kann.

 

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Foto: Sabine Hauswirth

Also muss man als Schauspieler:in auch zu einem gewissen Teil eine „Rampensau“ sein?

Ich glaube schon, dass es einen gewissen Wahnsinn oder eine gewisse Extrovertiertheit braucht, damit man vor 2.000 Leuten auf die Bühne geht oder will, dass einen drei Millionen Menschen auf der Kinoleinwand sehen. Natürlich gibt es auch Schauspieler:innen, die schüchtern sind und bei denen das trotzdem klappt. Von mir weiß ich jedoch, dass ich eine gewisse Rampensau bin. Wobei ich auch genauso schüchtern sein kann. Ich brauche beide Seiten: die extrovertierte und die introvertierte. Ich muss auch mal alleine sein, und genauso gerne stehe ich als Hauptdarsteller vor tausenden Menschen im Mittelpunkt.

Sie konnten bereits sehr viel Bühnenerfahrung im Theater und auch in Fernsehproduktionen sammeln. Welche Unterschiede gibt es bei Film- und Theaterproduktionen?

Im Film kann man vieles wiederholen. Das Theater hingegen ist viel technischer. Momentan ist für mich die Kamera interessanter, aber ich könnte ohne beides nicht leben. Wenn ich viel vor der Kamera gestanden bin, freue ich mich auf Theaterauftritte, darauf, die sofortigen Reaktionen der Zuschauer:innen zu spüren und mich ins Leben der Rolle hineinzuversetzen. Im Theater kann man sich durch die ganze Geschichte einer Figur spielen, im Film spielt man Szene für Szene, Take für Take – also oft nicht in der Reihenfolge der Ereignisse.

 

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Foto: Daniel Schaler

Vor fünf Jahren sicherten Sie sich einen von zehn Studienplätzen an der begehrten MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Woran erinnern Sie sich am liebsten zurück?

Die Schauspielunis sind immer so ein bisschen wie Hogwarts bei Harry Potter (lacht). Es ist eine ganz andere Welt als die Realität, eine kleine Blase nur aus Schauspieler:innen, in der man sich wohlfühlt. An die ersten Tage erinnere ich mich am liebsten zurück – einfach weil man sich sehr besonders fühlt.

Ihr Großvater, Vater und Bruder sind Politiker. Auch Sie haben anfangs in Innsbruck ein Wirtschaftsstudium begonnen. Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie dann den Berufsweg als Schauspieler gewählt haben?

Meine erste Bühnenerfahrung war eine Hauptrolle im Sommertheater in Ich scharre wie ein Stier, wenn ich weiß, dass ich auf die Bühne darf. Philipp Dornauer Niederösterreich. Dort hat mich meine Familie das erste Mal auf der Bühne gesehen, und seit diesem Zeitpunkt hat meine Mama immer gesagt: „Diesen Weg musst du weitergehen.“ Meine Mama ist meine größte Kritikerin und mein größter Fan. Meine Familie stand bis zum heutigen Tag immer hinter mir und tut es von Tag zu Tag mehr.

 

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Foto: Lalo Jodlbauer

Wie haben Sie sich damals bei Ihrem ersten Auftritt gefühlt, waren Sie nervös?

Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum ich damals gewusst habe, dass die Schauspielerei meine Traumberufung ist. Ich war kurz davor nicht aufgeregt und auch bei meinen ersten Schritten auf der Bühne nicht. In manchen Situationen braucht es schon mal etwas Nervosität, um dadurch Energie zu bekommen, aber ich habe das Gegenteil empfunden – bei mir kommt die Energie eher aus der Vorfreude. Ich scharre wie ein Stier, wenn ich weiß, dass ich auf die Bühne darf, und das war vom ersten Moment an so.

Auf welche zukünftigen Projekte dürfen sich die Zuschauer:innen freuen?

Ich habe momentan ein recht großes Projekt vor mir, darauf freue ich mich sehr. Ich bin wieder wie der Stier, der in den Startlöchern steht – mehr darf ich jedoch leider noch nicht sagen.

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Foto: Daniel Schaler