Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 16.05.2022

Judith Butler

Alles, was es über die amerikanische Philosophin zu wissen gilt.

Bild shutterstock_2018999957.jpg
Prominente Rednerin: Die Philosophin und Gender-Expertin Judith Butler bei einer Lesung im Jahr 2015 in Buenos Aires, Argentinien. Foto: Shutterstock

QUEER THEORY.
Die amerikanische Philosophin Judith Butler ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Denkerinnen unserer Zeit. Im deutschsprachigen Raum wird sie Anfang der 90er-Jahre bekannt als sie als eine der ersten mit ihrem Werk „Das Unbehagen der Gechlechter“ einige Diskussionen darüber anstößt, dass die Geschlechterkategorien „weiblich“ und „männlich“ nicht naturgegeben, sondern soziokulturell konstruiert sind. Als Pionierin auf dem Gebiet der feministischen Queer-Theorie darf die Amerikanerin in unserer Artikelreihe nicht fehlen.

FRÜHE LEIDENSCHAFT.
Judith Pamela Butler wird am 24. Februar 1956 in Cleveland, Amerika geboren. Ihre Mutter, eine Wissenschaftlerin ungarischer Herkunft sowie auch ihr Vater, ein Zahnarzt aus Russland, sind jüdischen Glaubens, weswegen Butler als junges Mädchen eine jüdische Schule besucht. Dort nimmt sie Unterricht in jüdischer Ethik und erlernt außerdem die hebräische Sprache. Sie entwickelt so ein großes Interesse an philosophischen Themen und beginnt bereits mit 14 Jahren, philosophische und theologische Schriften zu lesen.

 

 

Bild Männliche und weibliche Rollen sind nicht biologisch festgelegt, sondern sozial konstruiert..png
Foto: Canva

BESTEHENDES INFRAGE STELLEN.
Als Teenagerin wird der Theoretikerin die Aufnahme in die ortsansässige Baseballmannschaft verwehrt, mit der Begründung, dass sie kein Junge ist. Dass für sie die gängige Definition von Geschlechtern zu einem Hindernis wird, macht ihr zu schaffen: „Es wäre etwas anderes gewesen, wenn der Trainer gesagt hätte, dass meine Muskeln nicht ausreichend entwickelt seien“, sagt Butler später.

WERDEGANG.
Fortan interessiert sich Butler dafür, Bestehendes infrage zu stellen. Ihre unermüdlichen Auseinandersetzungen führen sie 1974 an die angesehene Yale-Universität, an der sie Kontinentalphilosophie studiert. Von 1978 bis 1979 absolviert sie außerdem ein akademisches Jahr an der Universität Heidelberg in Deutschland. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Yale-Universität und promoviert dort 1984.

FEMINISTISCHES ENGAGEMENT.
1990 erscheint Butlers Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“, welches international eine breite Debatte auslöst und sie weltberühmt macht. Ihre Idee, dass Geschlechter ein kulturelles Konstrukt sind und nicht durch die Anatomie definiert werden, löst alles auf, was bis dahin als Norm bekannt ist. Butler geht davon aus, dass Geschlechter auch andere Formen annehmen können und nicht immer nur rein „männlich“ oder „weiblich“ sein müssen.

WICHTIGES DENKEN.
Butlers Theorie beeinflusst die Geschlechterforschung auch in der aktuellen Zeit noch enorm. Die Denkerin, die mittlerweile als Professorin an der kalifornischen Prokeley-Universität sowie als Gastprofessorin an er Columbia-Universität in New York arbeitet, wurde im Laufe ihres Lebens mit mehreren Ehrendoktorwürden sowie verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Heute lebt sie gemeinsam mit der US-amerikanischen Politologin Wendy Brown und ihrem 1995 gebohrenen Sohn in Kalifornien.