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People | 04.04.2022

Katherine Johnson – wissenschaftliche Ikone

Women for Women widmet sich Pionier:innen, die sich für Frauenrechte stark gemacht haben. Dank der NASA-Mathematikerin, konnte der zweite bemannte Flug der Raumfahrt verwirklicht werden.

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Foto: Canva

BEGABUNG FÜR ZAHLEN.
I
m Jahr 1962 umkreiste John Glenn als erster Amerikaner die Erde und schrieb damit Geschichte. Dass die Weltraummission ohne drei wichtige Frauen jedoch gar nicht erfolgreich hätte gestartet werden können, wusste lange Zeit kaum jemand. Mitverantwortlich für den Erfolg war die NASA-Mathematikerin Katherine Johnson, die schon in jungen Jahren eine Begabung für Zahlen zeigte. Im Rahmen unserer Artikelreihe werfen wir einen genaueren Blick auf das Leben der wissenschaftlichen Ikone.

FRÜHES TALENT.
Katherine Johnson erblickt am 26. August 1918 als jüngstes Kind von Joylette und Joshua Coleman das Licht der Welt. Ihre Mutter ist Lehrerin und ihr Vater Farmer, der auch als Hausmeister arbeitet, um seinen vier Kindern das bestmögliche Leben bieten zu können. Schon früh zeigt sich Johnsons Begeisterung für Mathematik. Das junge Mädchen zählt alles, was sie kann, und sagte später in einem Interview einmal: „Ich zählte einfach alles, was man nur zählen konnte. Selbst die Sterne am Himmel versuchte ich zu zählen.“ Als sie eines Tages ihrem Bruder in die Schule folgt, stellten die Lehrer:innen erstaunt fest, dass Johnson bereits lesen kann, und lassen sie am Unterricht teilnehmen. Als sie dann mit sechs Jahren selbst eingeschult wird, schickt man sie direkt in die zweite Klasse.

ZAHLENLIEBE.
In ihrem Heimatort ist Schwarzen der High-School-Besuch verboten, also zieht die Familie um – 200 Kilometer entfernt, damit die Kinder auf eine weiterführende Schule gehen können. Dort belegt Johnson Kurse für höhere Mathematik und beginnt, sich für Astronomie zu interessieren. Aufgrund ihrer Begabung darf sie bereits mit 15 Jahren zur Uni gehen und hat mit 18 einen Einser-Bachelor in der Tasche. Anfang der 1950er-Jahre arbeitet sie dann als eine der wenigen Lehrerinnen für Mathematik.

MUT UND EHRGEIZ.
Im Jahr 1953 kommt Johnson schließlich zur NASA und arbeitet dort als „Computer im Rock“, wie die Mathematikerinnen dort genannt werden. Ihre Arbeit besteht darin, Daten aus Windkanalexperimenten mithilfe von mathematischen Formeln zu berechnen. Durch ihre Kenntnisse in analytischer Geometrie wird sie schnell zu einem unentbehrlichen Teil des Teams. Sie schafft den Sprung von den „Computern“ in eine andere Abteilung, die bisher nur Männern vorbehalten ist. Außerdem beginnt sie, Bücher zu schreiben, und kann mit einem Kollegen eine wissenschaftliche Abhandlung veröffentlichen – in dieser wird sie als erste Frau der Abteilung offiziell als Mitautorin genannt.

WICHTIGE BEITRÄGE.
Die Abhandlung dient der NASA als maßgebliche Grundlage für Weltraumfahrten, Johnsons Berechnungen ermöglichen den zweiten be- mannten Flug der Raumfahrt. Ein Jahr später bittet der Astronaut John Glenn sie, die inzwischen von einem Computer berechnete Umlaufbahn seines Flugs zu überprüfen, da er ihren Fähigkeiten mehr vertraut. Gegen Ende der 1960er-Jahre berechnet Johnson außerdem die korrekte Umlaufbahn für die Apollo-11-Raumfahrtmission und trägt dabei entscheidend zum Erfolg der ersten Mondlandung bei.

LEBENSWERK.
Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1986 wirkt die Amerikanerin bei der NASA mit und nimmt an Schulveranstaltungen teil, in denen sie Schüler:innen ermutigt, Naturwissenschaften zu studieren. 2015 ehrt Barack Obama sie mit der Presidental Medal of Freedom, zwei Jahre später wird ihre Geschichte und die ihrer Kolleginnen im Film „Hidden Figures“ verfilmt. Im Februar 2020 stirbt die erfolgreiche Wissenschaftlerin, ihre Leistungen bleiben unvergessen.

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Foto: Shutterstock