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People | 08.10.2021

Einfach mal Abschalten

Durch Smartphone, Laptop und Tablet sind wir jederzeit erreichbar und ständig informiert. Hier eine Push-Benachrichtigung, da eine E-Mail, dort eine WhatsApp-Nachricht – schnell entsteht Druck, immer up-to-date zu sein oder antworten zu müssen. Der Trend Digital Detox soll genau diesen Stress reduzieren. Warum es wichtig ist, auch abseits der Online-Welten zu leben, und wie man digitale Auszeiten in den Alltag integrieren kann.

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(c) Shutterstock

Zurück ins Hier und Jetzt. Digital Detox, zu Deutsch digitale Entgiftung, steht für eine Auszeit vom Gebrauch digitaler Medien. Dabei geht es jedoch nicht darum, dass man über mehrere Wochen oder Monate komplett auf Laptop, Smartphone und soziale Medien verzichtet. Das Ziel: wieder einen gesunden und bewussten Umgang mit digitalen Medien erlernen. Denn laut Untersuchungen der Universität Bonn greifen wir durchschnittlich alle zwölf Minuten zu unserem Smartphone und entsperren es rund 80 Mal am Tag. Studien weisen sogar darauf hin, dass der ständige Griff zum Handy Stress auslöst, unzufrieden macht und im schlimmsten Fall zu psychischen Erkrankungen führen kann. Das sind keine schönen Aussichten, also höchste Zeit, eine kleine Auszeit zu nehmen.

Schritt für Schritt. Bevor wir Laptop, Handy und Co in die Auszeit schicken, sollten wir unseren eigenen Konsum ganz genau unter die Lupe nehmen. In welchen Situationen greifen wir  unbewusst zum Handy? Welche App ist der größte Zeitfresser? Schauen wir neben dem Essen unsere Lieblingssoap? Die Beantwortung dieser Fragen lassen sich – paradoxerweise – oft im eigenen Smartphone finden. IPhone-Userinnen und -User können dafür die iOS-Funktion „Bildschirmzeit“ verwenden, während die Funktion bei Android-Userinnen und -Usern unter „Digital Wellbeing“ zu finden ist. So kann sowohl die Dauer als auch die Anzahl der Aktivierungen gemessen werden. Wer es ganz Oldschool mag, kann natürlich auch einfach ein Notizbuch verwenden und ein persönliches Medientagebuch führen.

 

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Timeout. Dabei ist es wichtig, sich zu überlegen, wie lange man auf die  technischen Geräte verzichten kann. Schließlich kann es sich nicht jede oder jeder erlauben, einfach mal eine Zeit lang nicht mehr erreichbar zu sein. Die echte Herausforderung ist es deswegen, Digital-Detox-Phasen in den Alltag zu integrieren. Das kann beispielsweise ab 20 Uhr sein, um zur Ruhe zu kommen, am Nachmittag beim Essen mit der Familie oder morgens vor der Arbeit, um frisch in den Tag zu starten. Wichtig hierbei ist es, sich an die eigene Abmachung zu halten. Wem das ganz schwerfällt, versteckt am besten zu diesen Zeiten Smartphone, Laptop und Co in einem anderen Raum. Ganz nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Wer abnehmen will, setzt sich schließlich auch nicht direkt vor den Kühlschrank.

Das Umfeld einbeziehen. Eine Studie der Ludwig-Maximilian-Universität München hat herausgefunden, dass ganze 57 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer eine direkte Antwort auf Nachrichten erwarten. Das kann viel Druck erzeugen, anderen antworten zu müssen. Um diesen Stressfaktor zu minimieren, sollten wir Familie, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen sowie Freundinnen und Freunde über die digitale Auszeit informieren. Wichtig ist dabei auch, standhaft zu bleiben und erst zu antworten, wenn wir wirklich Zeit haben. Wenn alle Stricke reißen, ist es ratsam, die Geräte einige Zeit abzuschalten und Abwesenheitsnotizen einzurichten. So bricht man nicht ständig bei gewissen Tönen in Schweißausbrüche aus. Und vielleicht hat ja auch die eine oder andere Freundin oder ein Familienmitglied Lust, gemeinsam medienfreie Phasen einzulegen. Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

 

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Auf Bewährtes zurückgreifen. Auf das Smartphone zu verzichten, stellt viele von uns vor die größte Herausforderung. Schließlich dient vor allem unser Handy oft für alles rund um Kommunikation und Ablenkung: Es ist Wecker, Kalender, Nachschlagewerk, Übersetzungshilfe und Ratgeber in einem. Teilweise werden wir dabei zu richtigen Smartphone-Zombies, die nur noch auf das kleine Display starren – auch Smombies genannt. All die aufgezählten Aufgaben haben die Menschen jedoch in vordigitalen Zeiten auch ohne gemeistert. Hier gibt es also unzählige Möglichkeiten für
Alternativen. Anstelle uns am Morgen vom Handywecker aus dem Schlaf holen zu lassen, können wir analoge Wecker benutzen. Maps wird durch eine Landkarte ersetzt und die Übersetzungshilfe mit einem Wörterbuch. Sicher haben wir im Bücherregal noch welche versteckt.

Neues ausprobieren. Es gibt viele Dinge, die wir schon immer einmal ausprobieren wollten, es aber nie geschafft haben  wer von uns kennt es nicht? Dann ist die digitale Auszeit perfekt, um entweder genau diesen Beschäftigungen nachzugehen oder sich ein sogar ganz neues Hobby zu suchen. Durch die eingesparte Zeit können wir uns all den Freizeitaktivitäten zuwenden, die wir gerne machen – beispielsweise ein gutes Buch lesen, das  Lieblingsessen  kochen, künstlerisch aktiv werden oder ein Gesellschaftsspiel mit der Familie spielen. Das macht nicht nur Spaß, sondern hilft auch, den ständigen Drang zu bekämpfen, digitale Geräte zu checken. Unser Tipp: Eine Liste mit all den Dingen zusammenstellen, die man schon immer einmal machen wollte. Sobald wir den Drang verspüren, zum Handy oder zum Tablet zu greifen, lieber die Liste zur Hand nehmen und etwas davon unternehmen. Denn etwas Neues auszuprobieren, entschleunigt das Leben und beschert uns gleichzeitig Glücksgefühle.

Hin zum echten Leben. So hilfreich unsere digitalen Geräte manchmal auch sein mögen, umso mehr Vorteile hat es, sich bewusst eine Auszeit zu gönnen. Durch die Reduzierung der Informationsflut fühlen wir uns besser und haben auch mehr Energie. Außerdem können wir uns deutlich besser konzentrieren, wenn wir nicht während unserer Arbeit mit Handy und Laptop versuchen, einen neuen Multi-Tasking-Rekord aufzustellen. Denn oft liegt genau hier das größte Problem: Vermeintlich wichtige Dinge, wie kurz die E-Mails checken oder eben einer Freundin antworten, können oft viel Zeit in Anspruch nehmen. Aus fünf Minuten wird dann schnell einmal eine halbe Stunde – nur weil wir wissen wollen, ob unser jüngster Post neue Likes bekommen hat. Mit der Ruhe kommt auch die Kreativität zurück – denn wenn wir uns weniger von äußeren Einflüssen ablenken lassen, nehmen wir die Welt viel bewusster wahr. Sei es bei einem Essen, beim Nachdenken oder bei Gesprächen – die Qualität unserer Tätigkeiten steigert sich immens, und wir können dem Alltag mit mehr Achtsamkeit begegnen.