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People | 14.03.2020

TIROLERIN Männerdomäne - Malerin

Ganz in Weiß und zwischen Abdeckplane, Pinseln, Farbkübeln und pinkem Klebeband erwarten uns Malermeisterin Tanja Wolk und ihre Auszubildende Vanessa in einer Wohnung in Innsbruck, die für heute ihr Arbeitsplatz ist.

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(c) Birgit Pichler

Früher und heute. Vanessa befindet sich im dritten Lehrjahr zur Malerin. „Der Beruf hat mich immer interessiert. Dann durfte ich hier im Betrieb schnuppern. Von da an wusste ich, dass ich den Job machen will, und auch mit der Lehrstelle hat es gleich geklappt“, erzählt die 18-Jährige. Wolk selbst hat 1984 mit ihrer Lehre ihre Berufung gefunden. „Wenn bei uns zuhause der Maler kam, hat mir das einfach gefallen. Dann habe ich daheim angefangen zu tapezieren und schließlich beschlossen: Ich werde Maler.“ So schnell geklappt wie bei Vanessa hat es allerdings nicht mit der Lehrstelle. „Damals war das sehr schwierig. Ich war im Juli mit der Schule fertig, habe aber erst im Juni darauf eine Lehrstelle gefunden. Ein junger Meister aus Thaur meinte, wir probieren es, hat mich eingestellt und war voll zufrieden.“ Mit 21 Jahren war Wolk jüngste Malermeisterin Tirols und hat sich direkt selbstständig gemacht. „Am 1. März 1994 habe ich meinen Betrieb eröffnet. Mittlerweile  bin ich auch Lehrabschlussprüferin.“

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(c) Birgit Pichler

Bunte Mischung. Dafür, dass Frauen im Malerberuf erfolgreich sein können, sind Vanessa und Tanja das beste Beispiel. Ihrer Meinung nach braucht es ein offenes Auftreten, Kraft und Freude an der Sache selbst, um seine Arbeit gut zu machen. Daneben müsse man immer wieder Schwindelfreiheit beweisen. Auch der Materialkunde komme zunehmend große Bedeutung zu. Insgesamt schätzen die Meisterin und die angehende Malerin an ihrem Beruf vor allem die Vielseitigkeit. So hat man täglich nicht nur mit neuen Kundinnen und Kunden zu tun. Neben dem klassisch weißen Anstrich kommen dekorative Arbeiten hinzu, in denen Kreativität genauso gefragt ist wie die handwerkliche Expertise.

Männerdomäne? Neben Vanessa hat Wolk mittlerweile etwa 16 Lehrlinge ausgebildet – darunter circa zehn Frauen. Zwischenzeitlich war Wolks Betrieb sogar eine reine Frauendomäne. „Vier Jahre lang bestand unser Team nur aus Frauen“, erzählt sie. Dass der Beruf heute nicht mehr so sehr von Männern dominiert wird wie früher, merkt auch Vanessa. In der Berufsschule sitzt sie mit mehr weiblichen als männlichen Lehrlingen. Trotz allem muss man sich als Malerin oft beweisen. „Oft sind wir auf der Baustelle die einzigen Frauen. Um sich gegen alle anderen durchzusetzen muss, man wirklich seinen Mann stehen“, meint Wolk.