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People | 31.01.2020

Mode im Spatziergang

Der Tiroler Designer Markus Spatzier im Interview über seine eigene Welt des Modeschaffens.

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(Foto: Stefan J. Wolf)

Seit Jahren gilt der Tiroler Designer Markus Spatzier als eines der vielversprechendsten Talente der regionalen Modeszene. Mit seinem Label Herzblut steht der gebürtige Vomper für extravagante Mode, die alles andere als stangentauglich ist. Genau darin liegt allerdings Spatziers Erfolg: Mit mutigen Streetwear-Pieces und edlen Couture-Teilen eroberte der Modeschaffer schnell die lokale Fashionszene und schaffte es auf die Catwalks großer Modenschauen. Mittlerweile lebt der Tiroler in Wien, wo er sich von Kunst, Kultur und Leuten neue Inspiration für seine Designs erhofft. Im Gespräch mit der TIROLERIN erzählt Spatzier von der Liebe zu Mode, neuen Perspektiven und hart verdienten Erfolgen.

TIROLERIN: Sie machen mittlerweile seit mehreren Jahren Mode. Wie kam es dazu?
Markus Spatzier: Mode hat mich schon immer fasziniert. Mir war früh klar, dass ich in diesem Bereich arbeiten möchte. Mit 15 Jahren stand für mich fest, dass es mein Ziel ist, ein eigenes Geschäft zu haben. Einen Ort, wo ich meine eigenen Designs präsentieren und verkaufen kann. Heute bin ich an genau diesem Punkt angelangt und habe das Privileg, meinen Traum leben zu dürfen.

 

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(Foto: Stefan J. Wolf)

Darf man den Namen Ihres Labels Herzblut im direkten Sinn verstehen? 
Für mich bedeutet dieser Name die drei Säulen meines Designs. Dabei geht es um die Essenz der eigenen Ideen und der damit verbundenen Schöpfung. Um den Hauch des Morbiden und romantisch Verspielten und um die Wurzeln zu Kultur, Brauchtum und Geschichte.

Ihre Designs sind alles andere als Mainstream. Welche Philosophie steht hinter Ihrer Kleidung und was sagt sie über den Träger aus? 
Meine Kundinnen wollen nicht mit der Masse schwimmen oder dem ständigen Alltagstrott frönen. Im Gegenteil! Ich entwerfe und nähe für selbstbewusste Menschen, die im Leben stehen und auch gerne die Aufmerksamkeit spüren. Frauen, die mein Label tragen, wissen, was sie wollen.

Gibt es Ikonen der Modewelt, an denen Sie sich orientieren? 
Orientieren würde ich nicht behaupten. Allerdings bin ich ein großer Fan der Arbeiten von Alexander McQueen, Karl Lagerfeld und John Galliano. Diese Koryphäen der Modewelt sind für mich schon allein aufgrund ihrer Wiedererkennung sehr interessant. Im Grunde beziehe ich meine Inspiration aber nicht aus den Designs anderer – ich finde sie in mir selbst und in den Menschen und Dingen, die mich umgeben.

 

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(Foto: Stefan J. Wolf)

Ihre Kleidung wirkt oft sehr düster, edgy und gleichzeitig mondän. Was steckt dahinter? 
Ich liebe es, mit Schwarz zu arbeiten, und kombiniere gerne verschiedenste Materialien und Strukturen miteinander. Schwarz ist zeitlos, elegant und passt zu fast jedem Anlass. Ich verwende aber auch Farben wie Anthrazit und Grau.

Was bedeutet Haute Couture für einen Designer? 
In erster Linie sehr viel Arbeit! In Haute-Couture-Kreationen stecken unglaublich viel Handarbeit und Herzblut. Es ist eine Art des Modeschaffens, die sehr viel vom Designer fordert. Geduld, Genauigkeit, Zeit – dieser Einsatz wird leider viel zu selten richtig honoriert.

Bis zum Jahr 2018 haben Sie Ihr Label primär in Tirol vertrieben – mittlerweile leben und arbeiten Sie in Wien. Warum der Wechsel? 
Für mich war dieser Schritt persönlich wichtig, da ich die österreichische Architektur und Kulturgeschichte sehr liebe. Wenn man so viel Zeit mit seiner Leidenschaft verbringt, will man sich abseits der Arbeit mit anderen schönen und interessanten Dingen umgeben.

 

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(Foto: Stefan J. Wolf)

Also würden Sie Ihren Umzug als Bereicherung sehen?
Auf jeden Fall! Erst durch die örtliche Distanz zu Tirol habe ich erkannt, welche Menschen wirklich wichtig in meinem Leben sind. Ich musste begreifen, dass viele meiner Freundschaften auf Oberflächlichkeit und Schein basierten. Eine der größten Hürden im Modebusiness ist, sich mit den falschen Menschen einzulassen. Viele wollen was von dir, manche umsonst, einige für fragwürdige Gegenleistungen. Sich für andere zu verbiegen, macht auf lange Zeit nicht glücklich. Mittlerweile kann ich mit dieser Erkenntnis umgehen – die Dinge sind gut, so wie sie sind, solange man sich selbst und seinem Schaffen treu bleibt.

Im September waren Sie auf der Vienna Fashion Week vertreten. Würden Sie Ihre Show als Erfolg bezeichnen? 
Mit meiner Show war ich sehr zufrieden, und laut Fotografen war es die beste Darbietung der Woche. Das möchte ich gerne so glauben. Es kann sich jeder selbst ein Bild machen – auf YouTube gibt es ein Video der Modenschau.

Was darf man sich in Zukunft von Herzblut erwarten? 
Die Manufaktur Herzblut wird auch in Zukunft Tirol in der Wiener Modewelt vertreten. Für 2020 steht sogar eine Show in der Heimat an – gemeinsam mit meiner Seefelder Partner-Boutique plane ich eine Modenschau in Innsbruck. Hierfür möchte ich wieder eine spezielle Folklore-Kollektion mit unzähligen Swarovski-Kristallen entwerfen.