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People | 01.12.2019

Hommage an den Ursprung

In der Tiroler Musikszene ist keine Band so bekannt für kompromisslosen Rock ’n‘ Roll wie Mother’s Cake. Wir haben Schlagzeuger Jan Haußels zum Interview getroffen und mit ihm auf eine Dekade Bühnengeschichte zurückgeblickt.

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(Foto: Bruno Pontes)

Tobende Zuschauermengen, zügellose Riffs, mitreißende Beats: Das Tiroler Musiktrio Mother’s Cake ist bekannt für seine energiegeladenen Live-Performances und steht seit mittlerweile knapp zehn Jahren für authentische Sounds. Yves Krismer, Benedikt Trenkwalder und Jan Haußels, die kreativen Köpfe hinter der Fresh-Progressive-Rockband, haben es geschafft, ihrer Musik eine beispielhafte Handschrift zu verleihen – ein Grund, warum Mother’s Cake schon längst als erfolgreicher österreichischer Musikexport gefeiert wird. Nach Tour-Locations wie Paris, London und Australien kam das Trio mit seinem aktuellen Album „Live am Bergisel“ im Oktober zurück nach Tirol. Wir haben Drummer Jan Haußels getroffen und mit ihm über Musik und die Verbundenheit zu Innsbruck gesprochen.

TIROLERIN: Mother’s Cake steht mittlerweile seit knapp einer Dekade auf der Bühne. Gibt es überhaupt noch Momente, die Sie überraschen?
Jan Haußels: Auf jeden Fall! Mich überrascht am meisten die Dauer unserer Beziehung. Dass wir es nach zehn Jahren schaffen würden, immer noch gemeinsam Musik zu machen, hätte sich am Anfang wohl keiner gedacht. In einer Band sein ist nicht immer leicht. Wir sind alle in die Musik verliebt. Und auch davon abhängig. Das ist wahrscheinlich der Grund, dass wir immer noch gemeinsam auf der Bühne stehen. Aber auch die Konzerte sind nach wie vor immer wieder aufs Neue spannend. Wir sind bekannt dafür, dass uns das Chaos folgt – egal, wohin wir gehen. Wenn wir auf der Bühne stehen, werden Dinge am laufenden Band kaputt. Mal ein Verstärker, dann wieder ein Kabel – man weiß bei uns nie so genau, was als Nächstes kommt.

 

 

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(Foto: Bruno Pontes)

Sie sind immer öfter auf internationalen Bühnen zu sehen. Soll das auch in Zukunft so bleiben?
Auf jeden Fall. Gerade bei Rock kommt man gar nicht daran vorbei, auch international aufzutreten. Der heimische Markt ist einfach nicht groß genug, wenn man von der Musik leben will. Obwohl der Fokus unserer Tourneen auf Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt, freuen wir uns jedes Mal, wenn wir außerhalb des deutschsprachigen Raums spielen können. Unser Traum wäre ein Konzert in Südamerika. Wir werden sehen, ob dieser Wunsch irgendwann in Erfüllung geht.

Ist ein Auftritt in Innsbruck trotzdem noch etwas Besonderes für Sie? 
Auf jeden Fall. Konzerte in Innsbruck bedeuten immer ein Heimspiel. Hier liegen unsere Anfänge. Hier leben die Menschen, die uns von Beginn an begleitet haben. Außerdem kann man das Publikum hier mit keinem anderen vergleichen – unsere Fans aus Tirol sind einzigartig!

 

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(Foto: Bruno Pontes)

In Innsbruck brechen immer mehr Venues weg. Wie stehen Sie als Musiker zu dieser Entwicklung? 
Ehrlich gesagt, sehe ich darin eine katastrophale Tendenz, die man leider nicht nur in Innsbruck beobachten kann. Kultureinrichtungen brechen mittlerweile überall weg. Leider, denn sie sind von ungemeinem Wert für ein Stadtbild. Kultur ist so wichtig – je mehr davon an einem Ort vorherrscht, desto besser. Es ist zum Beispiel sehr schade, dass eine Institution wie das Haus der Musik keine populären Bands einplant. Für die Location wäre es eine Riesenchance, Gruppen wie Bilderbuch in die Stadt zu holen. Ich bin trotzdem guter Dinge. Die Künstlerwelt hat oft genug bewiesen, dass in den dunkelsten Stunden wieder neue Möglichkeiten entstehen. Mit der PMK und dem Treibhaus gibt es in Innsbruck immerhin zwei Institutionen, die wirklich großartige Arbeit machen und von unfassbarem Wert sind.

 

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(Foto: Florian Hechenberger)

Mit der Performance am Bergisel hat Mother’s Cake eine Hommage an die Stadt geliefert. Woher kam die Idee, so ein imposantes Live-Album zu schaffen? 
Prinzipiell wollten wir einfach wieder mal ein Live-Album aufnehmen. „Off the Beaten Track“ war für uns als Band eine einzige Bereicherung. Live schwingt immer eine besondere Stimmung mit – als Musiker transportiert man ein vollkommen anderes Gefühl. Allerdings war „Off the Beaten Track“ eine Studio-Session. Weil wir das Szenario etwas spezieller machen wollten, kam es zur Idee, vom Studio ins Stadion zu wandern.

Und wie kam es zur Entscheidung, zwar live, aber ohne Publikum zu spielen?
Es war schon eine riesige Challenge, die Location überhaupt als Aufnahmeort zu nutzen. Wenn ich mir überlege, was da alles schiefgehen hätte können ... Dann gleich ein Konzert draus zu machen? Das wäre organisatorisch unmöglich gewesen. Ehrlich – wir sind unglaublich froh, dass alles so funktioniert hat, wie wir uns das vorgestellt hatten – und dass das Ergebnis so viel positives Feedback geerntet hat.

 

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(Foto: Bruno Pontes)

Die Aktion war jedenfalls alles andere als „commercial“. Kann man euch generell als alternative Band im Business bezeichnen?
Ja. Wir sind mit unserer Musik bestimmt nicht immer mit dem Zeitgeist gegangen. Eigentlich haben wir immer unser eigenes Ding gemacht. Wir integrieren zwar moderne und elektronische Einflüsse, aber letzten Endes bleibt es unsere Übersetzung und die passt nicht in die Charts. Allerdings entwickelt man sich als Künstler auch in dieser Hinsicht weiter. Wir wachsen, werden älter. Im Moment arbeiten wir an einigen Songs, die, wie wir glauben, ein breiteres Feld ansprechen. Ob das tatsächlich so ist, wird sich dann weisen.

Also dürfen Fans demnächst mit einem neuen Album rechnen? 
Demnächst ist immer relativ. Aber ja, da kommt auf jeden Fall noch einiges. So viel darf ich schon jetzt verraten.