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People | 23.12.2019

TIROLERIN Männerdomäne – Kaminkehrerin

Gabriele Schiestl ist Gesicht und Leiterin der Firma Zillertalkamin. Davor war sie jahrelang selbst zwischen den Kaminen unterwegs.

Schon als kleines Mädchen war Gabriele Schiestl von den rußig-schwarzen Gestalten fasziniert, die im Elternhaus ein und aus gingen. Ihr Vater führte einen Rauchfangkehrerbetrieb im Zillertal. Für Schiestl selbst war immer klar, dass der Beruf auch genau das Richtige für sie sei: „Ich wollte arbeiten und mit Leuten zu tun haben.“

Sichere Wahl. Im Anschluss an die Hauptschule stieg die älteste von drei Geschwistern als Auszubildende im elterlichen Betrieb ein. Nach drei Jahren Lehre stand die Gesellenprüfung an, dann arbeitete sie sich weiter zum Meisterabschluss. Zwar war Schiestl bis dahin immer die einzige Frau in einer Männergruppe, dies sei aber nie ein Problem gewesen. „Ich habe mich nie in der Unterzahl gefühlt. Der Ruß gibt einem ein Gefühl von Sicherheit. Damit sieht man auch nicht, wenn man rot wird. Außerdem war der Beruf einfach meins.“ Ein typischer Arbeitstag beginnt heute noch früh am Morgen. Nach der Teambesprechung um 6 Uhr Früh geht es für die Rauchfangkehrer von Haus zu Haus. Bis zum Feierabend am Nachmittag arbeitet jeder Mitarbeiter etwa zehn Haushalte ab.

 

Verantwortung. Die Abwechslung und die Begegnung mit vielen verschiedenen Menschen schätzt die heutige Unternehmensleiterin sehr am Beruf des Rauchfangkehrers. Daneben nehmen Kaminkehrer mehr und mehr die Rolle der Umweltschützer ein. „Mit unserer Arbeit helfen wir, die Umwelt zu schützen und die Geldtasche zu schonen.“ So umfasst der Beruf heute nicht allein das Fegen der Schornsteine, sondern ebenso Beratung, Messmaßnahmen und Brandschutz. Daraus ergebe sich allerdings auch eine weniger angenehme Seite der Tätigkeit, findet Schiestl: „Unsere Aufgabe ist es, manchmal auch zu bemängeln und Auflagen zu stellen, was natürlich immer mit Kosten für den Kunden verbunden ist, und das sehen manche als Schikane.“

Abwechslung. Ein aufgeschlossener Charakter und Freude am Kontakt mit Menschen zählen zu den wichtigsten Eigenschaften, die man als Rauchfangkehrer mitbringen sollte. „Man muss Freude am Kontakt mit Menschen haben. Ganz wichtig ist es zudem, schwindelfrei zu sein“, weiß die Rauchfangkehrerin. „Ohne das geht es gar nicht, sonst braucht man den Beruf gar nicht anzufangen.“ Daneben sei vor allem ein gewisses Interesse an Technik gefragt, denn der Beruf werde zunehmend technischer. Dafür hat die körperliche Belastung im Vergleich zu früher abgenommen, sodass dieser Aspekt heute weniger zu den Herausforderungen der Branche zählt. Insgesamt ist sich Schiestl sicher: „Der Beruf Kaminkehrer ist für Frauen absolut geeignet.“


Infos zur Ausbildung

Franz Jirka Innungsmeister

Als Rauchfangkehrer sollte man sowohl handwerkliches Geschick als auch Freude am Umgang mit Menschen mitbringen. Die Kernaufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass Abgase und Rauch aus dem Haus ungehindert ins Freie abgeführt und die Brandschutzanforderungen eingehalten und somit Brände verhindert werden. Daneben werden Rauchfangkehrer immer öfter in ihrer Rolle als Umweltschützer gesehen. Die Berufsschulfächer umfassen Brandschutz, Heizungs- und Feuerungstechnik. Daneben bilden spezielle Fachkunde wie auch Labor- und Technikpraktika einen Grundbaustein der fachlichen Ausbildung. Viele Fachkräfte arbeiten sehr eigenständig, während der vielfältige Kundenkontakt Abwechslung bedeutet und die Arbeit auf den Dächern oft mit sensationellen Ausblicken belohnt wird. Ein sicheres Auftreten, Orientierungssinn und Schwindelfreiheit gelten daher als unabdingbare Eigenschaften. Daneben zeichnen Verständnis für technische und physikalische Abläufe sowie körperliche Fitness angehende Lehrlinge aus.

Dauer der Lehre: 3 Jahre


In der nächsten Ausgabe:

Seilbahntechnikerin