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People | 28.11.2019 Entgeltliche Einschaltung

Auf Augenhöhe

Wie förderbedürftige Jugendliche in der Berufswelt durchstarten.

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Auch alltagspraktische Grundkenntnisse werden vermittelt. (© Aufbauwerk)

Unternehmen für junge Menschen“ lautet der Slogan des AufBauWerks – genauso gut könnte man sagen: „Junge Menschen für Unternehmen“, denn der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, förderbedürftigen Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Wie das gelingt, hat die TIROLERIN vor Ort herausgefunden.

Seltenheit im Wandel. Insgesamt unterstützt das AufBauWerk momentan an fünf Standorten etwa 140 Jugendliche, 38 davon in Innsbruck, und ist damit tirolweit die größte und beinahe einzige Einrichtung dieser Art. Gegründet wurde sie bereits 1953 am Rennweg in Innsbruck. Der Standort besteht bis heute, ansonsten hat sich das AufBauWerk aber sowohl räumlich als auch konzeptionell und pädagogisch weiterentwickelt.

Bereit fürs Leben. Heute unterstützt das AufBauWerk junge Menschen mit Lernschwierigkeiten, emotionaler oder sozialer Beeinträchtigung sowie Jugendliche aus Sonderschul- oder Integrationsklassen. Sie alle sollen in einem Zeitraum von maximal fünf Jahren fit für die Arbeitswelt gemacht werden. Dabei geht es nicht allein um den Beruf, sondern zusätzlich auch um lebenspraktische Fähigkeiten und Netzwerke, denn gerade über diese Erfahrungen und Kontakte kommen junge Menschen mitten im Leben an.

 

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Bewerbungstrainings sowie EDV- und Web-Kurse bereiten die Jugendlichen auf das Berufsleben vor. (© Aufbauwerk)

Gut verteilt. Innsbruck, Telfs, Volders, Bad Häring, Nikolsdorf – an diesen fünf Standorten in Tirol bietet das AufBauWerk sowohl praktische und schulische Bildungseinheiten als auch ein Berufstraining an. Die Häuser sind dabei zum Teil auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert. So wird zum Beispiel in Telfs die Möbelbörse geführt, in Volders wird der Lachhof mit biologischer Viehwirtschaft und Gartenbau betrieben und in Innsbruck gibt es eine eigene Tischlerei. Das Haus in Bad Häring sowie der Lachhof in Volders und Schloss Lengberg in Nikolsdorf sind als Internat organisiert.

Individuell ausprobieren. In den Praxismodulen kann eine Vielzahl an Tätigkeiten ausgetestet werden. Schon allein bei einem Rundgang durchs Haus am Rennweg in Innsbruck zeigt sich: Hier wird sowohl gewaschen, gebügelt und genäht als auch gekocht, geschreinert und geschliffen, während andere Jugendliche am Computer Dias archivieren und man auch im Shop für Kundschaft bereitsteht. Die Schulungsmodule widmen sich dagegen verschiedensten Themen, angefangen von schulischer Bildung über Bewerbungstrainings bis hin zu lebenspraktischen Kenntnissen und Empowerment. Das „Training on the Job“ bietet die Möglichkeit, im Rahmen eines Praktikums in einen Beruf hineinzuschnuppern. Mit welchen Modulen sich die Jugendlichen beschäftigen, steht ihnen frei zur Wahl, sodass ganz nach individuellen Interessen und Stärken ausprobiert und gefördert werden kann.

 

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Nach einem Betriebspraktikum bekam Reinhard eine feste Anstellung bei der Firma Dengg – Krapfen und Knödelmanufaktur. (© Aufbauwerk)

Auf Augenhöhe. „Unsere Hauptaufgabe besteht in der Berufsvorbereitung der Jugendlichen“, betont Geschäftsführer Philipp Pilgram. Oft entstehe jedoch der Eindruck, das AufBauWerk sei eine Behindertenwerkstätte oder biete den Jugendlichen einen netten Zeitvertreib mit Basteln und Malen. Dabei werde insgesamt großer Wert auf eine Ausbildung auf Augenhöhe gelegt. Dies betrifft die Förderung der Jugendlichen entsprechend ihrer eigenen Fähigkeiten und Vorstellungen wie auch die Zusammenarbeit mit den Unternehmen. „Arbeitsmarktnähe ist ein enorm wichtiger Aspekt in unserem Konzept.“ Jährlich vermittelt das AufBauWerk weit über 100 Praktikumsplätze. Aus diesen wiederum ergeben sich regelmäßig um die 20 festen Arbeitsverhältnisse pro Jahr. Uns ist es sehr wichtig, dass die Jugendlichen echte Erfahrungen in einem Beruf sammeln können, und gleichzeitig soll es später ja auch von Seiten des Betriebs passen, sodass man sagt: ‚Genau den will ich in meinem Team.‘“ Entsprechend diesem Ansatz stehen Pilgram und seine Kollegen den Firmen auch beratend, etwa in Bezug auf Fördergelder, zur Seite. „Allgemein habe ich den Eindruck, dass die Wirtschaft der ganzen Thematik sehr offen gegenübersteht“, so Pilgram. Der Geschäftsführer freut sich über jede neue Zusammenarbeit mit Betrieben, die sich ergibt.

Vorbeischauen. Wer sich selbst einen Eindruck von der Arbeit des AufBauWerks verschaffen möchte, kann dies beim jährlich stattfindenden Adventsmarkt in Innsbruck und Bad Häring tun. Die Veranstaltung ist fester Teil des AufBauWerk-Konzepts, indem er den Jugendlichen als Jobtraining-Einheit dient. Gleichzeitig werden allerlei Produkte angeboten, die das ganze Jahr über an den verschiedenen Standorten produziert wurden. In diesem Jahr findet der Adventsmarkt am 29. und 30. November in Innsbruck von 8 bis 19 Uhr und von 10 bis 18 Uhr sowie in Bad Häring von 13 bis 18 Uhr und von 10 bis 17 Uhr statt.