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People | 17.10.2019

Auf den Skiern daheim

Wir haben den Nachwuchsskistar Franziska Gritsch bei sich zuhause im Ötztal getroffen, um mit der 22-Jährigen über ihre Rolle beim bevorstehenden Weltcup zu sprechen.

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(Foto: Stefanie Fiegl)

Sie ist gerade einmal 22 und gilt schon jetzt als absoluter Rohdiamant der österreichischen Skiszene: Trotz ihres jungen Alters hat es Franziska Gritsch als
A-Kader-Fahrerin in den diesjährigen Weltcup geschafft. Dabei musste das Tiroler Nachwuchstalent früh lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Vor knapp vier Jahren wäre ihr Traum vom Profiskisport beinahe geplatzt, als sich die Söldnerin mehrfache Bänderrisse und einen Bruch des Schienbeinkopfes zuzog. Mit uns hat die Rennläuferin über ihre Leidenschaft für die Piste und die Herausforderungen ihres Berufs gesprochen.

TIROLERIN: Wie sind Sie zum Skisport gekommen? 
Franziska Gritsch: Da ich meine Kindheit in Sölden verbrachte, bin ich praktisch neben dem Gletscher aufgewachsen. Mit knapp zweieinhalb Jahren haben mir meine Eltern das Skifahren beigebracht. Als ich sechs wurde, durfte ich schließlich dem Skiclub Sölden beitreten. Danach lebte ich eigentlich nur mehr zwischen Schule und Piste. Der Rest hat sich dann von selbst ergeben. Ich fuhr Rennen um Rennen, bewies mein Talent im Bezirks- und Landescup und hatte unglaublich viel Spaß dabei, mich auf den Skiern mit anderen zu messen.

Was waren Ihre bisher größten Erfolge? 
Einer der schönsten Momente, den ich in meiner bisherigen Karriere erleben durfte, war mein Comeback, nachdem ich mir 2015 eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Nachdem ich mehr als eine ganze Saison aussetzen musste, schaffte ich im darauffolgenden Europacup gleich fünf Top-Ten-Resultate. Dazu kamen dann noch die Siege, die ich bei der Junioren-Weltmeisterschaft erzielen konnte, und meine Teilnahme an der WM in Åre 2019. Für mich war das eine enorme Bestätigung. Ich habe gemerkt, warum ich das alles mache und dass es sich lohnt, für Ziele zu arbeiten – selbst wenn nicht immer alles glattläuft.

Bild Y Franziska Gritsch WC Sölden 2018 Foto Lorenzi.jpg
(Foto: Ernst Lorenzi)

Wie gestaltete sich der Kampf zurück auf die Piste nach Ihren Verletzungen?
Natürlich war das damals ein harter Schlag für mich, und ohne den Rückhalt meines Umfeldes hätte ich es wahrscheinlich nie wieder so weit geschafft. Meine Familie und Freunde haben mich damals sehr bestärkt, mir viel Druck von den Schultern genommen und mich eingebremst, wenn ich dem Heilungsprozess zu ungeduldig gegenüberstand. Step by step schaffte ich es schließlich, mich wieder an den Schnee heranzutasten und neues Vertrauen in mich selbst zu fassen. 

Wie haben Sie sich auf die bevorstehende Saison vorbereitet?
Unterm Strich würde ich sagen, genau so wie auf die vorhergehenden. Für mich ist der Weg das Ziel. Seitdem ich vom B-Kader in den A-Kader gewechselt bin, hat sich für mich vorbereitungstechnisch nicht viel geändert. Ich will zu den Besten zählen. Deswegen arbeite ich gleich motiviert und gleich hart wie davor. Der einzige Unterschied ist, dass ich seit meinem Aufstieg in den A-Kader zum Technik-Team gewechselt bin. Sprich, ich konzentriere mich auf Slalom und Riesenslalom. Ich war immer schon eine Allrounderin und habe früher auch an Disziplinen wie Abfahrt oder Super-G teilgenommen. Auf Dauer geht das aber nicht, weil einem als Sportler sonst die Regenerationszeit fehlt und andere Trainingseinheiten zu kurz kommen. Bis ich mich im Slalom und Riesenslalom fest etabliert habe, sind diese Disziplinen meine Priorität. Aber wenn es das Programm zulässt, werde ich auch in der Alpinen Kombination am Start sein.

Wie sieht Ihr Trainingsalltag im Nationalteam aus?
Viele glauben, wir würden mit dem Training erst kurz vor den ersten Rennen starten. Tatsächlich ist nach der Saison aber vor der Saison! Sprich, ab April bereiten wir uns schon wieder auf den nächsten Winter vor. Im Sommer arbeiten wir dann primär an Kondition, Kraft, Schnelligkeit und Koordination – unser Programm ist also sehr vielseitig. 

Bild Franzi_Gletscher_Training_SteFiegl-90.jpg
(Foto: Stefanie Fiegl)

Kommt das eigene Privatleben da manchmal zu kurz? 
Meiner Empfindung nach nicht. Ich liebe, was ich tue. Natürlich muss ich für meinen Beruf manchmal Kompromisse eingehen, aber in stressigen Zeiten zurückzustecken fällt leicht, wenn man eine gewisse Leidenschaft für eine Sache hat. Skifahren kommt für mich keiner Arbeit gleich. Es ist mehr ein Hobby, das ich bis zur Spitze perfektionieren möchte. 

Am 25. Oktober findet das Weltcup-Opening in Sölden statt. Was erwarten Sie sich? 
Auf jeden Fall, dass ich mein Können unter Beweis stellen kann. Ich will zeigen, was ich drauf habe, vor allem, weil der Auftakt in meinem Fall ein Heimspiel ist und noch mehr Augen als sonst auf mich gerichtet sein werden. Andererseits versuche ich, mir deswegen nicht zu viele Gedanken zu machen. Sölden ist nur der Startschuss, danach ist der Rest der Saison noch völlig offen. Mein Fokus liegt also mehr auf dem gesamten Winter als auf diesem einen Rennen. 

Also sehen Sie die Sache eher gelassen?
Ich versuche es zumindest. Wenn mir jemand Druck macht, dann bin ich das selbst. Daran arbeite ich aber. Meine Schwester ist Mentaltrainerin, betreut mich in allen wichtigen Bereichen und hilft mir dabei, mein Mindset positiv zu steuern. 

Das heißt, Sie sehen sich auch noch in ein paar Jahren auf der Piste?
Auf jeden Fall! Ich will mich im Weltcup fest etablieren. Mein Ziel ist es, meine persönlichen wie sportlichen Grenzen immer weiter auszudehnen und zu sehen, was alles möglich ist.

 


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Go, Franzi! Mehr Infos über den Tiroler Ski-Nachwuchsstar gefällig? Auf ihrer Website veröffentlicht Franziska regelmäßig die aktuellsten News zu ihren Rennen und Siegen sowie persönliche Eindrücke. 
Mehr unter: www.franziskagritsch.at