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People | 19.08.2019

[email protected]ännerdomane – Tischlerin

Im ersten Teil unserer neuen Serie sprechen wir mit Tamara, die als Tischlereitechnik-Lehrling sogar schon bundesweit für Furore sorgte.

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Foto: Birgit Pichler

Großes technisches Interesse zeigt Tamara Deuschle schon während der Schulzeit. Sie schreibt hervorragende Noten in Mathematik oder Physik und in der Werkstatt des Großvaters werkeln Opa und Enkelin häufig gemeinsam. Nach der Schule überlegt sich die gebürtige Deutsche, eine technische Lehre zu ergreifen, wählt dann aber doch das Sportstudium in Konstanz. Dieses schließt die junge Frau zwar mit dem Bachelor ab, der Wunsch, in einem handfesten Job zu arbeiten, bleibt aber.

 

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Foto: Birgit Pichler

Mit Köpfchen. Mit 25 Jahren zieht es Tamara nach Tirol, wo sie sich als Tischlereitechnik-Lehrling bewirbt. Hermann Schweigl aus Stams lädt sie in seinen Tischlereibetrieb zum Schnuppern ein und stellt sie schließlich an. Dass Tamara eine der ganz wenigen weiblichen Lehrlinge ist, stellt für ihn kein Problem dar: „Am wichtigsten ist für mich, dass jemand wirklich will.“ Schweigl, der den Betrieb vor über 35 Jahren von seinem Vater übernommen hat, erklärt auch, dass sich die Anforderungen an einen Tischler oder eine Tischlerin im Vergleich zur Vergangenheit geändert haben: „Wir arbeiten heute viel mit computergestützten Maschinen, und mit den Tischlereitechnikern ist ein komplett neues Berufsbild entstanden, bei dem es viel auch um Planung geht. Unsere Lehrlinge müssen heute nicht mehr nur stark sein, 
sie müssen auch Grips haben und selbstverständlich kreativ sein. Frauen können das genauso gut wie Männer.“

 

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Hermann Schweigl bildete Tamara aus. (Foto: Birgit Pichler)

Neue Seiten. Eine Frau in der Werkstatt sei aber trotzdem noch immer für viele ein ungewöhnliches Bild, wie Tamara erzählt: „Manchmal fallen unnötige Kommentare, oder es werden eher die Männer gefragt, aber in solchen Fällen muss man sich einfach behaupten.“ Dem stimmt auch Junior-Chef Thomas Schweigl zu: „Eine Frau in einem Männerberuf muss definitiv mehr wegstecken, und auch auf der Baustelle kann es schon mal rau zugehen. Aber seit Tamara bei uns ist, hat sich unser Umgangston auf jeden Fall auch zum Positiven geändert.“

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Foto: Birgit Pichler

Karriere mit Lehre. Dass die Lehre zur Tischlerei-Technikerin für Tamara die richtige Entscheidung war, beweist sie auch beim Lehrlingswettbewerb. Die passionierte Kletterin springt im Frühjahr dieses Jahres für einen anderen Kollegen ein und wird als Österreichs bester Lehrling im vierten Lehrjahr im Bereich Planung ausgezeichnet – und das, obwohl sie sich nur zwei Tage vorbereiten konnte. Ende Juli absolvierte die 28-Jährige ihre Lehrabschlussprüfung und ist zurecht auf ihr Gesellenstück stolz – ein Tisch aus Rüster, der bereits bei ihr zuhause einen Ehrenplatz einnimmt.


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Foto: Privat

Infos zur Ausbildung

HELMUTH HEHENBERGER 
Lehrlingswart

Die Kernaufgabe einer Tischlerin ist die Produktion von Möbeln und Inneneinrichtung sowie die Montage vor Ort. Neben räumlichem Vorstellungsvermögen und handwerklichem Geschick sollte ein Lehrling technisches Verständnis mitbringen, auch da heutzutage in modernen Tischlereien viel mit computergestützten Maschinen gearbeitet wird. Um die richtige Ausbildung und den richtigen Ausbildungsbetrieb zu finden, eignen sich eine Schnupperlehre oder ein Praktikum.
In der Berufsschule erwarten die Lehrlinge neben den allgemein bildenden Fächern auch fachspezifische Unterrichtsinhalte wie Fachkunde, Fachzeichnen, praktische Arbeit oder Materialkunde. Sehr gute Schüler haben die Möglichkeit, ihre Lehre in Kombination mit der Matura zu absolvieren.
Auch nach Abschluss der Lehre gibt es für Tischlerinnen ein großes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich Treppenbau, Bauphysik oder Zeichnen. Die Meisterprüfung ist der krönende Abschluss der Ausbildung zum Facharbeiter.

Dauer der Lehre:
3 Jahre (Tischlereitechnik: 4 Jahre)

Einstiegsgehalt lAUT KV:
€ 1.550,– € bis 1.980,–
Lehrlingsentschädigung im 1. Lj.: € 651,–
Lehrlingsentschädigung im 2. Lj.: € 812,–
Lehrlingsentschädigung im 3. Lj.: € 952,–