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People | 07.08.2019

Vereint durch die Musik

Petra Frey und Tom Marks haben zueinander gefunden – auf musikalischer Ebene. Ein Gespräch über den perfekten Partner sowie die Höhen und Tiefen einer Beziehung.

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Tom Marks und Petra Frey strahlen um die Wette. (Foto: Birgit Pichler)

Nach 28 Jahren Solokarriere hat Petra Frey ihren jahrelangen Wunsch nach einem Duett in Tat und Note umgesetzt. Dafür hat der Schlagerstar den Sänger und Songwriter Tom Marks an seine Seite und vor Mikrofon und Kamera geholt. Für das Duett „Ich geb’ uns nicht auf“ wurde der dänische Eurovision-Song-Contest-Titel „In a moment like this“ aus dem Jahr 2010 umgeschrieben und eingedeutscht. Im Interview mit der TIROLERIN erzählen sie von Peinlichkeiten und Pannen beim Videodreh, über die Doppelrolle Mutter und Musiker sowie über Trubel und Termine.


TIROLERIN: Warum habt ihr euch für eine deutsche Version des dänischen Eurovision-Song-Contest-Titels entschieden?

Petra Frey: Als ich damals diesen Song gehört habe, war ich sofort Feuer und Flamme und dachte mir, dass das ein tolles Lied zum Covern wäre. Leider hat es sich seither nie ergeben, eine Coverversion umzusetzen, das Lied und die Idee habe ich aber immer im Hinterkopf behalten. Tom kenne ich schon seit einigen Jahren durch die Musikbranche. Je öfter wir telefoniert haben, desto sicherer wurde ich mir, dass er der perfekte Partner für ein Cover im Duett wäre. Die Nummer ist für einen Mann sehr schwer zu singen, weil es einen großen Stimmumfang verlangt und dem nicht jeder gerecht werden kann – aber Tom als sehr talentierter und toller Sänger würde das schaffen, war ich mir sicher!

Tom, wie haben Sie reagiert, als Petra Sie gefragt hat?

Tom Marks: Mich hat es wahnsinnig gefreut, dass Petra bei der Wahl eines Duettpartners an mich gedacht hat. Ich bin ein Riesenfan von Petra und ihrer Musik, und als ich das Angebot erhielt, mit ihr zusammenzuarbeiten, war ich sofort begeistert und antwortete ihr: „Egal, was du möchtest – ob ich singen oder tanzen soll –, ich bin dabei!“

 

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Foto: Birgit Pichler

 

Welche Botschaft soll das Lied den Hörern übermitteln?

Petra Frey: Irgendwann, früher oder später, schleicht sich der Alltag in eine Beziehung. Die Anfangsgefühle und intensiven Emotionen flauen ab, und man ist sich nicht mehr sicher, ob man nochmal Kraft und Energie in die Beziehung investieren oder diese beenden soll. Und genau darum geht es: dass man sich zusammenrauft und sich nicht aufgibt.

Tom Marks: Wir leben in einer Zeit von Social Media mit zahlreichen Plattformen, auf denen man schnell neue Leute und potenzielle Partner kennenlernen kann. Damit man sich auf das Gute und Wahre konzentriert, sollte man an bestehenden Beziehungen arbeiten und nicht bei jeder kleinen Schwierigkeit den Partner wie ein Paar Socken austauschen und gleich das nächste nehmen. 

Habt ihr euch privat jeweils schon einmal in solch einer Situation befunden?

Petra Frey: Ich glaube, dass jeder, der in einer langen Beziehung ist oder war, diesen Moment schon einmal erlebt und diese Überlegung gehabt hat. Oftmals ist man vielmehr von Eigenproblemen genervt, die man auf den Partner projiziert und die dann zum Streit führen. Ich finde, dass ein gesunder Streit zu einer Beziehung dazugehört und dass eine gute Beziehung es auch aushält, wenn einmal die Fetzen fliegen. Gleichzeitig ist die Online-Scheinwelt, wie Tom richtig sagt, eine große Verlockung. Wenn man sich aber darauf besinnt, was den Kern einer Beziehung ausmacht, dann wird ein jeder, der vernünftig ist, die 
Beziehung auch nicht verlassen.

Tom Marks: In langjährigen Beziehungen gibt es nun mal Höhen und Tiefen: Man hat wunderschöne Zeiten miteinander, und es gibt Zeiten, in denen man sich gegenseitig nicht anschauen kann und es auch einmal kracht. Ich denke, jeder kann und sollte an einer Beziehung arbeiten, denn es läuft nie perfekt.

 

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Die gemeinsame Single „Ich geb’ uns nicht auf“ wurde im Juni veröffentlicht.

 

Im Video wirkt ihr sehr vertraut, aber – um allen Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen – ihr seid nur musikalisch ein Paar.

Petra Frey: Genau, musikalisch sind wir ein Paar, aber privat sind wir „nur“ Freunde. Für mich war die Grundvoraussetzung für ein solches Liebesduett, dass eine Freundschaft zwischen mir und meinem Musikpartner besteht, dass man sich versteht, miteinander lachen kann und musikalisch harmoniert. Und zwischen uns beiden passt das einfach alles. Tom und ich, wir sind beide „grade Michl“, wie man hier bei uns in Tirol sagt. Wir können jemandem, den wir nicht mögen, keine Gefühle vorspielen. Generell finde ich, dass man in unserem Job Emotionen schwer leugnen kann, da die Leute Fake-Feelings spüren.

Wie war dann der gemeinsame Videodreh?

Petra Frey: Sehr lustig. Aber Tom, das erzählst besser du.

Tom Marks: Petra hat mir beim Storyboard für das Video freie Hand gelassen. Als Produzent ist es für mich eine tolle Herausforderung, mir die Story für ein Musikvideo zu überlegen. Erst hatte ich vor, nach Schottland zu fliegen, aber da die Zeit nicht gereicht hat, habe ich beschlossen, das Video bei mir in der Heimat zu drehen und habe dann dafür alles organisiert. Ich wollte Petra unbedingt zeigen, dass, wenn ich was mache, ich es auch richtig und gut mache. Das hat dann leider weniger gut geklappt. 
/Beide lachen/

Tom Marks: Bei den ersten Einstellungen, für die ich eine Corvette organisiert habe, sind wir auch prompt von der Polizei aufgehalten worden. Unser Kameramann wäre fast aus dem Auto gefallen, und die Polizei war ein wenig misstrauisch, ob wir nicht den Wagen gestohlen hätten, weil bei uns im Dorf normalerweise niemand mit so einem Auto fährt.

Petra Frey: Und noch dazu auf so versteckten Straßen, wo wir gefilmt haben.

Tom Marks: Aber zum Glück hat sich die Situation schnell klären lassen, und wir durften weiterfahren. Ich habe ebenfalls eine wunderschöne Harley-Davidson organisiert, aber zum Glück ist mir damit kein gröberes Missgeschick passiert. Sehr emotional wurde es dann, als wir die Szenen in der Stadthalle in Hannover am Flügel gedreht haben. Da waren nämlich nur Petra und ich, und wir performten unseren gemeinsamen Titel.

 

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Foto: Birgit Pichler

 

Ihr feiert beide seit Jahren im Musikbusiness viele Erfolge. Welchen Erfolg erwartet ihr euch jetzt mit diesem Duett?

Tom Marks: Also eigentlich den Grammy. /lacht/

Petra Frey: Wir sind generell eher minimalistische Typen, aber wir wünschen und erhoffen uns natürlich alles, was geht. Geschmäcker sind allerdings verschieden und nur weil das Lied uns begeistert und berührt, heißt es nicht, dass es den Rest von Österreich auch berührt. Wir haben aber schon einmal einen guten Einstieg gehabt: Am ersten Tag der Veröffentlichung auf iTunes sind wir bei den Schlagern von null auf eins geschossen, und die Videopremiere in den Social-Media-Netzwerken war auch sehr erfolgreich. Das ist ein gutes Zeichen.

Ist eine weitere gemeinsame Single geplant?

Petra Frey: Wir haben jetzt auf der Promotiontour, bei der wir so viel Zeit zusammen im Auto verbracht haben, immer wieder gesagt: „Was machen wir denn jetzt? Sollen wir eine weitere Single schreiben? Sollen wir ein Album machen?“ Tom ist immer offen für alles, und wir haben schon im Sinn, dass wir uns noch einmal in eine kreative Phase hineinstürzen. Meine Vorstellung wäre eine Schreibsession in einer Almhütte zu machen. Aber jetzt warten wir das Ende der Tour einmal ab.

Tom Marks: Also geplant habe ich natürlich schon die nächsten 20 Alben, sodass wir quasi einen weichen Übergang in die Rente haben. /lacht/

Petra, Sie sind seit mittlerweile 28 Jahren im Musikbusiness tätig. Was macht den Reiz dieses Jobs aus?

Petra Frey: Wenn man mit Liebe zur Musik geboren wird, dann kann man die Leidenschaft auch nicht einfach so ablegen. Egal, wo man ist, daheim beim Putzen oder unterwegs im Auto, das Hirn arbeitet die ganze Zeit und die Musik ist dein ständiger Begleiter. Natürlich ist es wie in jedem anderen Job, es gibt Vor- und Nachteile. Am Ende des Tages ist es aber so, dass ich ohne Musik nicht existieren kann. 28 Jahre von der Musik leben zu können, ist heute für einen Newcomer undenkbar. Darum bin ich sehr dankbar, dass ich diesen Beruf so lange machen kann und hoffe, dass es noch ein paar Jahre so gut funktioniert.

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Foto: Birgit Pichler

2016 kam Ihre Tochter zu Welt. Somit haben Sie sozusagen einen zweiten Job als Mutter. Wie lassen sich beide Jobs miteinander vereinbaren?

Petra Frey: Jede Frau, die Mutter ist, weiß, dass da immer zwei Herzen in der Brust schlagen. Auf der einen Seite möchte man Vollzeitmama und daheim beim Kind sein. Auf der anderen Seite hat man auch noch sein eigenes Leben und seinen Beruf. Deswegen ist man immer zu einem gewissen Grad mit sich selbst im Konflikt. Aber es ist ganz klar, und das finde ich auch richtig, dass die Kinder immer an erster Stelle stehen. Meine Arbeit als Musikerin habe ich deutlich minimiert, so arbeite ich beispielsweise nur mehr am Wochenende.

Wie ist für Sie die Mutterrolle?

Petra Frey: Mutter-Sein ist das Schönste, das es gibt. Gleichzeitig ist es natürlich auch sehr anstrengend. Meine Tochter ist jetzt drei Jahre alt und total eine Wilde. Ich bin jeden Tag dankbar, weil es nicht selbstverständlich ist, Mutter werden zu können. Ich bin relativ spät Mutter geworden, und ich habe es in dem Sinne nie so geplant, sondern es dem Schicksal überlassen – und ich bin von Herzen dankbar, dass es sich so gefügt hat.

Würden Sie sich für Ihre Tochter einen Werdegang in der Öffentlichkeit wünschen?

Petra Frey: Wenn meine Tochter Talent und den Willen beweist, dann wird sie von mir auch Unterstützung bekommen, aber das überlasse ich ganz ihr, in welche Richtung sie gehen will. Gleich wie mein Vater damals zu Beginn meiner Karriere eine Beschützerrolle übernommen hat, würde ich bei meiner Tochter immer ein Auge auf ihr Tun haben.

Was möchten Sie Ihrem Kind auf ihren Lebensweg mitgeben?

Petra Frey: Mein größter Wunsch für meine Tochter ist, dass sie ihr Leben genießen und ihr Potenzial leben kann. Ich glaube, das ist das Wichtigste, weil Kinder durch das ganze System, durch das sie marschieren müssen, gebremst werden und ihre Talente, die in ihnen sind, nicht ausleben können.

 

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Foto: Birgit Pichler

Tom, Sie sind ausgebildeter Pianist, Sänger, Komponist und Produzent. Mit Vintage Vegas stehen Sie zu dritt auf der Bühne. Das heißt, Sie haben schon Bühnenerfahrung mit Musikpartnern. Wie ist es, gemeinsam mit Petra auf der Bühne und vor der Kamera zu stehen?

Tom Marks: Ich glaube, alles macht mehr Spaß, wenn man es nicht alleine machen muss. Ich habe natürlich auch Soloerfahrungen, aber ich finde es immer schöner, mit ein oder zwei Personen auf der Bühne zu sein, weil man Momente teilen kann. Mit Vintage Vegas stehe ich mit zwei Jungs auf der Bühne, und bei uns Männern ist das ein kleiner Kampf, wer der Coolste ist und wer am meisten Gas gibt. Mit Petra ist die gemeinsame Performance etwas anderes. Mit ihr ist er Auftritt viel emotionaler.

Petra, wie war es für Sie, gemeinsam vor der Kamera oder auf der Bühne zu stehen und Interviewtermine gemeinsam zu machen?

Petra Frey: In dem Fall war alles super, weil Tom und ich uns super verstehen. Wir haben sehr viel Spaß miteinander, und da vergeht der Tag auch wie im Flug.

Tom, Ende Jänner erschien die von Ihnen komponierte und produzierte Single für Vanessa Neigert im Sound der 1960er. Für den kommenden Herbst ist ein Album geplant. Welche Projekte haben Sie sonst noch in Arbeit?

Tom Marks: Mit Vintage Vegas habe ich gerade eine Auszeit – es gibt uns immer noch, und wir treten auch weiterhin gemeinsam auf, aber so wie Giovanni (Giovanni Zarrella, Partner bei Vintage Vegas, Anm. d. Red.) in seinem Sabbat-Jahr nun sein Soloalbum macht, nehme ich mir in diesem Jahr die Zeit, um wieder mehr für andere zu schreiben und zu produzieren. Für den letzten Til-Schweiger-Film beispielsweise habe ich die Filmmusik komponieren und produzieren dürfen. Das Resultat der gemeinsamen Arbeit mit Vanessa sind fröhliche, poppige Songs im Schlager-Bereich und im Sound der 1960er-Jahre, die gute Laune machen.

Werbewahnsinn oder genießen Sie den Trubel?

Petra Frey: Also ich genieße ihn.

Tom Marks: Ich bin in Österreich, da kann ich nur genießen.

Wie schauen die nächsten Tage für euch aus?

Tom Marks: In den nächsten Tagen mischen wir Österreich ein bisschen auf und hoffen, dass unseren Hörern und Zusehern unser Song gefällt, und wir uns daraufhin ans Schreiben des nächsten Songs machen können.

Petra Frey: Genau, wir machen jetzt die Zeitungs- und Radiofunk-Touren – bis wir genug voneinander haben.

Tom Marks: Genau.

Petra Frey: Mit 70.
/Beide lachen/