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People | 15.07.2019

Gefragt, getan

Es gibt Klischees und Klischees, die eigentlich doch ganz schön sind. Eines der besten Beispiele ist das Gleichnis von Topf und Deckel. Ganz passend unterlandlerisch: Kli-SCHEE.

Für Marie-Luise (in Folge Malu genannt) und Stefan war dieser Kochgeschirr-Moment schneller da, als viele andere Paare es vielleicht bei sich selbst erwarten würden. Aber eben genau das zeichnet das Aufeinandertreffen von Topf auf Deckel aus – es passt einfach.

Raum und Zeit. In den 80er Jahren lernten die beiden sich kennen. Zwar nicht in dem tatsächlichen Jahrzehnt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber zumindest 2016 auf der Motto-Geburtstagsfeier von Claudia, einer Arbeitskollegin von Malu und Stefans Cousine. Gut so, denn auch wenn sich die regelbrechende Kraft des Topf-Deckel-Prinzips sehr stark dehnen lässt, ein Kennenlernen mit baldiger Hochzeit wäre für zwei junge Menschen im Kindergartenalter dann doch zu viel. Das Motto „Eighties“ fungierte jedenfalls letztendlich als Katalysator für ihr zukünftiges Glück.

 

Pinke Leggings. Es war nämlich das auffallend grelle und formbetonte Beinkleid an Stefans strammen Wadeln, das Malus Aufmerksamkeit und vielleicht auch ein kleines bisschen Häme erweckte. Solch eine Respektlosigkeit kann ein gestandener Aerobic-Profi natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so wurde, gemäß uralter Duelltraditionen Genugtuung gefordert. Zwar nicht im tödlichen Fechtkampf, wie es die Altvorderen noch taten, aber zumindest in Form einer Bierschuld. Glücklicherweise konnte diese aber an diesem Abend nicht mehr eingetrieben werden. Glücklich deshalb, weil so tatsächlich noch eine der angesprochenen Altvorderen ins Spiel kommen konnte.

 

Bierschuld. Stefans Mama war es nämlich, die ihm mit der Weisheit der Ahnen und einem besonderen Feingefühl für Telekommunikation zur Seite stand. „Schreib ihr doch, dass du gestern vergessen hast, sie zu küssen!“, war ihm dann aber doch ein wenig zu forsch, also entschied er sich, sich wieder auf die Eintreibung seiner Schuld zu berufen. Gesagt, getan – und es entwickelte sich ein reger SMS-Verkehr, bei dem sogar die Korrespondenz deutscher Dichter untereinander erblassen würde.

 

Gefunden und geblieben. Das erste Date war schnell ausgemacht und wie nicht anders zu erwarten, wenn Topf auf Deckel trifft: Es passte einfach. So dauerte es auch nicht lange, bis sich eine harmonische Beziehung entwickelte, die kaum eineinhalb Jahre später in ihre nächste Phase überging. Trotz seinem Faible für grelle Neonleggings und einem ausgeprägten Ehrgefühl in Duellsituationen hat Stefan eine ganz große Schwäche: Geheimnisse für sich zu behalten, fällt ihm sehr schwer, was ihm oftmals einen Strich durch seine eigenen Pläne macht. Pläne, wie zum Beispiel seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Ursprünglich wollte Stefan noch auf den gemeinsamen Herbsturlaub warten, um die Frage aller Fragen zu stellen. Nachdem der Ring aber schon besorgt war, brach es eines Abends, kurz vor dem Schlafengehen einfach aus ihm heraus.

Gefragt, getan. Die Hochzeit wurde im pittoresken Malerwinkel in Rattenberg im kleinen Rahmen festlich gefeiert. In Begleitung von Freunden und Familie wurde nichts ausgelassen, was eine ordentliche Heiratsfeier ausmacht. Reden wurden geschwungen, es wurde Spalier gestanden, Brautleute wurden gestohlen und Hochzeitszeitungen herausgegeben, bevor das glückliche Paar ihren ersten gemeinsamen Abend als Kochgeschirr und Kochgeschirrin verbringen konnte.