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People | 24.06.2019

Vom Rampenlicht angezogen

Jeden Monat besuchen wir Menschen aus Tirol, die schon viel erlebt haben, und schreiben ihre schönsten Geschichten von damals auf.

Erste Schritte

Für den Innsbrucker Walter Patreider (79) ist das Theater schon seit jungen Jahren wahrlich die Bretter, die die Welt bedeuten. Der Innsbrucker wurde 1939 geboren, verbrachte aber einen Teil seiner Kindheit aufgrund des Krieges in Flirsch am Arlberg. 1947 kehrten er und seine vier Geschwister zurück nach Wilten, wo er die Schule besuchte und später eine Tischlerlehre begann, die er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Schon früh faszinierte ihn das Theater, und mit 17 war für ihn klar, dass er auf der Bühne stehen wollte. Sein erster Auftritt folgte 1957: Am Domplatz spielte er bei Jedermann. Es folgten Rollen am Tiroler Landestheater, bei den Ritterspielen oder Tiroler Volksschauspielen.  

Wien, nur du allein

„Auch wenn es nicht immer einfach ist, fasziniert es mich, in andere Rolle zu schlüpfen“, schwärmt der Tiroler. Unvergessen bleiben für ihn Auftritte als Amtsrat auf der damaligen Blaas-Bühne in Innsbruck oder als Pfarrer in Telfs. Auch wenn er sich auf den Bühnen des Landes daheim fühlte, ging es sich nie aus, eine Schauspielschule zu besuchen: „Ich habe früh geheiratet, hatte vier Kinder – da musste ich arbeiten und die Familie finanziell erhalten.“ Erst in der Pension konnte Patreider so richtig loslegen. So erzählt er stolz von seinem Auftritt als Vater beim Stück Jekyll & Hyde am Tiroler Landestheater: „Es war eine sehr tragische Rolle – ich starb auf der Bühne.“ Lange war Patreider auch in Wien, wo er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Garderober arbeitete. Später war er in der Kostümabteilung tätig und sammelte für verschiedene Häuser Stoffe, Knöpfe oder Kleider in ganz Wien ein.

Film ab

Doch nicht nur im Theater fühlt sich Patreider wohl, auch vor der Kamera gefällt es dem Innsbrucker. Gern erinnert er sich an seinen Auftritt beim Kultfilm „Piefke-Saga“: „Eigentlich war ein richtiger Arzt für meine Rolle vorgesehen, doch dieser wollte für den Film nicht Anabolika spritzen, da er Angst um seinen Ruf hatte, und so kam ich zum Zug“, erinnert sich der 79-Jährige. 2010 flog er zum ersten Mal: Das Ziel war Wales, wo er eine Dokumentation zum Ökonomen Leopold Kohr drehte. Heute steht der begeisterte Schauspieler regelmäßig für Serien wie der Bergdoktor oder Soko Kitzbühel vor der Kamera. Und auch seine Freizeit füllt er mit Kreativem: „Gerade fertige ich eine Skulptur aus Holz – eine Figur, die ich so noch nie auf einer Ausstellung gesehen habe“, erzählt Patreider. Für die Zukunft wünscht er sich noch etliche gesunde Jahre, eine Rolle am Burgtheater oder einen Auftritt in einem Western.