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People | 11.06.2019

Check-in mit Erfolg

Die Zeit vergeht wie im Flug. Marco Pernetta, seit mehr als fünf Jahren Direktor des Innsbrucker Flughafens, zieht im Interview mit der TIROLERIN Bilanz – und macht deutlich, dass er noch viel vorhat.

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Foto: Martin Vandory

Erst Mitte vergangenen Jahres wurde Marco Pernetta als Direktor des Innsbrucker Flughafens wiederbestellt. Im Gespräch mit der TIROLERIN erzählt Pernetta, warum die neu errichtete Vielfliegerlounge nicht nur optisch überzeugt, sondern auch wirtschaftlich ein voller Erfolg ist, und mit welchen Strategien er die Herausforderungen der nächsten Jahre meistern will.

TIROLERIN: Wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten fünf Jahren als Direktor des Innsbrucker Flughafens aus? Decken sich Ihre Erfahrungen mit Ihren Erwartungen?
Marco Pernetta: Es waren fünf sehr spannende Jahre, in denen wir am Flughafen viel bewegen konnten und viel Neues geschaffen haben. Auch diverse Bauprojekte wurden umgesetzt. Was den Verkehr betrifft, ist die Entwicklung ebenfalls positiv. Es hat mir auf jeden Fall viel Spaß gemacht.

Was haben Sie in den vergangenen fünf Jahren bewegt? Was sind für Sie die Highlights?
Der gesamte Check-in-Bereich wurde umgebaut. Die Vielfliegerlounge und die VIP-Lounge sind ebenfalls äußerst gelungene Projekte. Wir sind sehr stolz darauf, dass diese Lounges nicht nur sehr schön geworden sind, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden. Darauf haben wir zwar gehofft, aber wir waren zunächst nicht ganz sicher, ob das Publikum dafür in Innsbruck auch wirklich da ist. Wir haben einen stark touristisch geprägten Verkehr. Wir sind überwältigt vom Erfolg. Wir haben im Winter an Spitzentagen mehr als 500 Leute in der Vielfliegerlounge und müssen zum Teil wegen Überfüllung sperren. Die Menschen haben erkannt, wie toll es ist, diesen fantastischen Ausblick auf die Berge vor dem Abflug genießen zu können. Das Feedback der Gäste ist extrem positiv. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Lob wir bekommen haben. Wir haben auch viele einheimische Kunden, die dieses Angebot mehrmals die Woche nützen und bei uns zu Gast sind.

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Foto: Shutterstock

Wie sieht die Zukunft von Regionalflughäfen generell aus? Mit welchen Strategien kann man die Herausforderungen meistern?
Man kann hier nicht von einer generellen Zukunft sprechen. Regionalflughäfen sind, was den Verkehr und die Geschäftsfelder betrifft, extrem unterschiedlich. Natürlich sind wir in Tirol auch deshalb sehr erfolgreich, weil wir den Winter haben. Wir machen 50 Prozent des Jahresumsatzes im Winter. 50 Prozent unserer Passagiere werden in den ersten drei Monaten abgefertigt und steigen ein und aus. Das ist natürlich eine Bank. Dieses sehr starke erste Quartal haben viele andere Flughäfen nicht, weshalb sie Probleme haben. Wenn das Wetter dann noch halbwegs mitspielt, dann ist für uns der Grundstein für ein erfolgreiches Jahr gelegt. Darauf aufbauend schauen wir natürlich, dass wir die wichtigsten Märkte auch ganzjährig mehr bedienen können. Deshalb sind wir auch froh über die ganzjährige Berlin-Anbindung. Auch im Sommer wird Berlin drei Mal pro Woche angeflogen. Das wird sehr gut angenommen. Wir wollen Schritt für Schritt derartig starke Märkte ganzjährig bedienen – nicht nur im Winter.

Wie weit sind die Vorbereitungen für den Umbau des alten Terminals? 
Seit wir die Lounge und den Neubau fertig haben, ist uns natürlich noch mehr bewusst geworden, wie unattraktiv der Altbau ist. Er hat unglaublich viel geleistet. Er ist 1962/63 errichtet worden. Damals hatte man 200.000 Passagiere, heute haben wir 1,1 Millionen, die wir in dieser Struktur abfertigen. Das alte Terminal ist einfach am Ende – auch optisch. Wir müssen es komplett abreißen und neu bauen, daran führt kein Weg vorbei. Das ist allerdings sehr komplex, weil wir den Flughafen weiter betreiben müssen. Wir bauen keinen neuen Flughafen irgendwo auf der Wiese, sondern müssen im laufenden Betrieb alles neu bauen. Wir müssen uns also genau überlegen, wie wir zwei Jahre mit Baustelle überleben. Daher haben wir auch so viel Zeit in die Vorarbeiten investiert. Wir haben jetzt eine Machbarkeitsstudie fertig und brauchen noch die Zustimmung unserer Gremien. Dann wollen wir eigentlich in der zweiten Jahreshälfte den internationalen Architekturwettbewerb starten, der uns ein Ergebnis liefert. Erst zu diesem Zeitpunkt werden wir wissen, wie der neue Flughafen Innsbruck ausschauen wird.

 

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Foto: Martin Vandory

Menschen verreisen immer öfter und kürzer – welche Auswirkungen hat dieser Trend auf die Planung von Destinationen und Frequenzen?
Das ist ein spannender Trend, der uns in die Karten spielt. Wenn ich nur für drei oder vier Tage weiter weg fliegen möchte, ist die kurze An- und Rückreise sehr wichtig. Das merken wir auch. Etwa bei diesen Mid-Week-Flügen, also den Flügen unter der Woche von Idealtours, die letztes Jahr zum ersten Mal durchgeführt wurden. Sie werden extrem gut nachgefragt. Die Leute wollen nicht mehr ein, zwei oder drei Wochen Urlaub machen, sondern auch mal drei, vier oder zehn Tage. Sie wollen flexibel sein, da braucht man natürlich ein entsprechendes Angebot. Auch bei den Linienflügen – siehe easyJet mit drei Mal pro Woche nach Berlin oder Amsterdam und London, wo man auch für zwei oder drei Tage mal hinfliegen kann. Diese Angebote sind für Geschäftsreisende und Städtereisende interessant. Umgekehrt kommen die Menschen aus diesen Märkten auch mal für ein paar Tage nach Innsbruck.


Was sind die Highlights für das restliche Jahr 2019? 
Derzeit ist unser Highlight die Berlin-Strecke. Planungen gibt es auch für Hamburg, Düsseldorf und Köln – interessante Märkte, für die wir durchaus Nachfrage hätten. Das Programm für Sommer 2019 steht. Antalya in der Türkei ist nach zwei Jahren Pause wieder dabei. Die Destination scheint aufgrund der Preissituation sehr gut gebucht. Wir sind insgesamt zuversichtlich, dass wir auf ein erneut hervorragendes Jahresergebnis zusteuern.