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People | 04.05.2019

Alles Theater

Von Wien nach Uderns: Bernadette Abendstein ging von der Hauptstadt zurück nach Tirol und leitet dort seit neun Jahren das Theaterfestival Steudltenn. Wir haben die Zillertalerin zum Interview getroffen.

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Abendstein stand fünf Jahre auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt in Wien. (Foto: Moritz Schell)

Als fixe „Institution“ im Zillertal findet das Theaterfestival Steudltenn heuer zum neunten Mal statt. Hinter dem Event steht die Zillertalerin Bernadette Abendstein, die von der großen Bühne zu ihrem Ursprung zurückgekehrt ist. Uns verrät sie, dass zuhause nur über das Theater gesprochen wird und warum der Steudltenn schon immer ein magischer Ort war.

TIROLERIN: Wie sind Sie zum Theater gekommen?
Bernadette Abendstein: Ich habe immer gerne Leute unterhalten. Als Kind habe ich nachgesungen, was ich im Radio gehört hatte, oder vorgetragen, was ich in der Schule gelernt hatte. Trotzdem war mir nie bewusst, dass Schauspielerin als Beruf eine Option sein könnte.

Wann änderte sich das?
Während des Studiums erfuhr ich, dass ein Bekannter von mir zur Schauspielschule in Innsbruck ging. Da wurde mir so richtig bewusst, dass das für mich eine Möglichkeit sein könnte. Ich bewarb mich gleich an der Schauspielschule am Landestheater und wurde dort aufgenommen. Leider verstarb nach einem Jahr der Leiter ganz plötzlich und die Schule wurde geschlossen. Doch dieses Jahr reichte für mich vollkommen aus, um nicht mehr von der Schauspielerei wegzukommen. Meine Ausbildung abschließen konnte ich dann nach einem Zwischenstopp in Graz am Konservatorium in Wien. Dort aufgenommen zu werden war der Wahnsinn. Stefano Bernadin oder Hilde Dalik waren unter anderem meine Klassenkameraden.

 

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Foto: Moritz Schell

Wann hast du das erste Mal nach der Ausbildung auf der Bühne gestanden?
Nach zwei Jahren hat mich Elfriede Ott, die Leiterin des Konservatoriums, an die Josefstadt empfohlen. Es hat nicht lange gedauert und ich habe in den Wiener Kammerspielen gespielt. Das waren damals 30 Auftritte im Monat. Insgesamt war ich fünf Jahre Teil des Ensembles der Josefstadt.

Ihr Mann Hakon Hirzenberger ist auch Schauspieler. 
Das stimmt, allerdings konzentriert sich Hakon mehr auf die Regie und schreibt. Wir reden den ganzen Tag nur vom Theater und ich finde es gut, wenn man jemanden hat, der das alles nachvollziehen kann.

 

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Foto: Moritz Schell

Was ist Ihnen lieber: Fernsehen oder Theater? 
Mir ist Theater viel lieber. Diese Erfahrung, jeden Abend auf die Bühne zu gehen, ist sehr aufregend. Den ganzen Tag ist es, als würde eine Gewitterwolke über einem hängen, und danach ist man nur glücklich. Das Publikum ist eine wichtige Komponente des Theaters, und Darstellungen verändern sich je nachdem, wer im Publikum sitzt. Manche lachen mit, reagieren viel, andere eher weniger. Außerdem mag ich es sehr, dass man sich sechs Wochen vor der Aufführung intensiv mit dem Stück beschäftigt und sich gemeinsam vorbereitet. Beim Film hat man dafür keine Zeit, man muss beim Dreh sofort einwandfrei funktionieren. Wenn man den Text nicht kann, kostet das allen Zeit oder sogar Geld. Der Druck ist viel höher.

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Foto: Moritz Schell

Sie haben drei Kinder. Würden Sie sich Ihren Berufsweg auch für Ihre Kinder wünschen?
Ich freue mich, dass sie sich für Theater interessieren, weil man durch die Geschichten viel erfahren, viel sehen kann, aber sie sollen später tun, was ihnen Freude bereitet.

Was zeichnet Steudltenn aus?
Steudltenn ist ein Konglomerat: Der Schwerpunkt liegt zwar auf Theater, aber bildende Kunst und Musik finden hier Platz. Besonders ist es auch die Location, von der eine bestimmte Energie ausgeht. Früher waren hier ein Lebensmittelladen und ein Bauernhof, schon seit jeher treffen sich die Leute hier. Auch unser Publikum zeigt sich sehr hungrig, freudig und vor allem jung: 45 Prozent sind Kinder und Jugendliche.

 

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Foto: Moritz Schell

Was ist Ihr persönliches Highlight für 2019?
Ich freue mich sehr auf die zwei Mitterer-Stücke: „Der Panther“ und „Krach im Hause Gott“. Aber auch die Kinderstücke oder „Die Stillen Nächte des Ludwig Rainer“ von Hakon Hirzenberger sollte man sich nicht entgehen lassen.

Ist es Ihnen wichtig, dass Stücke von Tirolern gezeigt werden?
Wir möchten auf jeden Fall Stücke oder Themen zeigen, die nach Tirol passen. Zwangsläufig kommt man dann auf Stücke von Felix Mitterer, da er viel von hier verarbeitet hat.

Tirol hat sich ja mit zahlreichen Sport-WMs einen sehr guten Ruf erarbeitet. Wie sieht es hier im Bereich Kultur aus? 
Kultur kann nicht groß genug geschrieben werden. Es ist unschätzbar für das Zusammenleben, für ein friedliches Miteinander. Die letzten Jahre ist bereits viel in diese Richtung passiert und ich hoffe, dass es auch so weitergeht.