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People | 12.05.2019

Heldinnen des Alltags

Vom Muttersein, Kinderjonglieren und dem Wachsen an der Herausforderung. Drei Tiroler Mütter im Portrait.

Egal, ob wir Job und Kinder managen oder uns in Vollzeit der Familie widmen, ob wir uns um eine ganze Kinderschar kümmern oder einem Einzelkind unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zukommt: Das Muttersein hat viele Gesichter und viele Seiten.

Rechtzeitig zum Muttertag haben wir drei Tiroler Mamas getroffen, die jeden Tag Großes leisten und als Power-Frauen für sich und ihre Familie einstehen: wie die Hallerin Katharina Egger, die während ihrer Studienzeit ihr erstes Kind bekam und heute mit 38 insgesamt sechs Kinder hat. Viel Verantwortung zeigt auch Mona Lechner aus Vomp, die als alleinerziehende Mutter den Spagat zwischen Kind und Karriere schafft.  Großes leistet Barbara Mair, die nach ihrem sechsten Kind noch ein siebtes Kind mit Beeinträchtigung aufgenommen hat und heute buchstäblich 24 Stunden täglich für ihre Kinder da ist. 

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Katharina Egger mit ihrem Mann Joseph Egger und ihren Kindern Maryam, Fares, Sara, Elijah, Luisa und Linus. (Foto: Klaus Maislinger)

Katharina Egger, 38

Hall, verheiratet, sechs Kinder

 

Die Situation, jung Mutter zu werden, kennt Katharina Egger aus Hall sehr gut. Mit 21 Jahren brachte sie mitten im Jurastudium ihre erste Tochter Maryam zur Welt. Damit war auf einmal viel Neues da.

Neuland. Dem ohnehin großen Organisationsaufwand im Studium stand plötzlich eine unbekannte Gefühlswelt gegenüber. Neue Erfahrungen trafen auf zuvor geformte Vorstellungen. Einerseits eine davor nie dagewesene Mutterliebe, andererseits aber auch Verantwortung für das frische und verletzliche Leben. „Ich sage immer, dass ich mit der Geburt jedes Kindes eine neue Verletzlichkeit, quasi einen neuen verwundbaren Punkt erhalten habe, da wieder ein Mensch in mein Leben getreten ist, dessen Verlust oder Leid mir größte Schmerzen verursachen würde.“

Lernen und Wachsen. In ihre Mutterrolle und die damit einhergehende Verantwortung hineinzuwachsen war für die jetzt 38-Jährige sowohl ein Gewöhnungs- als auch ein Lernprozess. Die praktischen Dinge des Alltags mit dem Nachwuchs zu bewältigen und zeitgleich ihrem Wunsch nachzukommen, jedem ihrer inzwischen sechs Kinder die nötige Fürsorge und Unterstützung zukommen zu lassen, stellte eine große Herausforderung dar.

Auszeit. Die Zeiteinteilung und ab und an auch einige Momente Abstand zu gewinnen waren wichtig. „Die gibt es immer wieder und es ist mir wichtig, mir diese Auszeiten auch mal nehmen zu können.“ Gerade Zeit für sich selbst zu finden war nicht einfach, Ehemann Joseph stand ihr dabei aber stets helfend zur Seite. „Wir sind ein gutes Team und auch ein schöner Abend mit ihm zu zweit ist eine Auszeit vom Muttersein und eine wichtige Zeit für uns beide als Paar. Das schenkt mir neue Energie für die Kinder.“ Was den Umgang mit Großfamilien angeht, stellt Katharina Egger einen merkbaren Unterschied zwischen verschiedenen Ländern fest. „In Italien ist mir mehr Entspanntheit im Umgang mit Großfamilien aufgefallen, da fühlt man sich dann schon oft willkommener.“

Mutterfreuden. Die schönen Seiten des Mutterseins machen aber alles wett. „Manchmal schaue ich meinen Kindern dabei zu, wie sie spielen, im Garten herumtoben oder singen und wie die Großen mit den Kleineren Späße machen, und ich denke mir einfach, dass ich wirklich reich gesegnet und beschenkt bin.“

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Barbara Mair mit Sarah, Samuel, Emanuel, Nathanael, Domenica, Benjamin, Jeremias und dem Vater Emanuel. (Foto: Privat)

Barbara Mair, 49

Wattenberg, Verheiratet, 7 Kinder, 2 davon mit Beeinträchtigung

 

Mit sieben Kindern kennt Barbara Mair den Alltag einer Großfamilie. Die 49-Jährige hat sechs leibliche Kinder, Benjamin, der Jüngste, wurde als Pflegekind angenommen. Fünf der sieben Kinder sind gesund, die zwei jüngsten leben seit ihrer Geburt mit Beeinträchtigungen.

Volles Haus. Das erste Kind, Sarah, bekam die Wattenbergerin schon bald nach ihrer Hochzeit mit Emanuel Mair im Alter von 22. Ein Einzelkind großziehen wollte die Familie nie, deshalb folgte schon bald die zweite Tochter Domenica. Vier Jahre später kam Samuel und zwei Jahre danach Nathanael zur Welt – ein großes Geschenk für den Vater, der sich schon immer einen Sohn wünschte. Die junge Familie baute ein Eigenheim, wo dann die Kinder Nummer fünf, Emanuel, und Nummer sechs, Jeremias, geboren wurden.

Schwere Nachrichten. Emanuel kam mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt. „Im ersten Moment erschrickt man, aber Emanuel ist gesund und das ist die Hauptsache“, erzählt die Mutter. Bei ihrer sechsten und letzten Schwangerschaft entdeckte die Frauenärztin bei einem Ultraschall Komplikationen. Das Baby litt an einem vierfachen Herzfehler und einem Darmverschluss. Weitere Untersuchungen folgten, Trisomie 21, das sogenannte Down-Syndrom, wurde diagnostiziert. Für die Familie brach eine Welt zusammen. „Niemand wünscht sich so etwas und ich habe damals viel geweint, aber eine Abtreibung kam für uns nie in Frage“, erinnert sich die siebenfache Mutter.

Zuwachs. „Wir haben rasch gemerkt, wie schön das Leben mit Jeremias ist, und uns entschlossen, ein weiteres Kind mit Down-Syndrom aufzunehmen“, erzählt die 49-Jährige. Eine Entscheidung, die nicht alle in der Familie verstanden, doch Emanuel und Barbara Mair blieben dabei. Sie wünschten sich auch jemanden für ihr sechstes Kind, damit die beiden später, sollten sie in ein betreutes Wohnen müssen, nicht alleine sind. Die Entscheidung fiel auf Benjamin. Der vier Monate alte Bub wurde in der Klinik in Innsbruck mit einer Mehrfach-Beeinträchtigung geboren. Weltweit gibt es nur rund 20 bekannte Fälle, doch die Ärzte waren zuversichtlich, dass Benjamin später laufen lernen wird. Das war der Familie wichtig.

24 Stunden. Mittlerweile ist Benjamin zehn. Er kann weder gehen noch sitzen, er ist nonverbal und wird über einen Button ernährt. Eine Störung im Gehirn verursacht dauernden Brech- und Würgereiz. Der Junge kann tagsüber und nachts nicht alleine gelassen werden und braucht 24 Stunden Betreuung. Für Barbara Mair ist das eine Aufgabe, die nicht immer leicht fällt. Bis vor einem Jahr schlief sie bei ihrem Sohn im Zimmer und achtete darauf, dass Benni, wie die Familie ihn liebevoll nennt, im Schlaf nicht erstickt. Mittlerweile ist er videoüberwacht, doch die ständige Wachsamkeit der Mutter bleibt.

Fulltime-Job. Den Jungen, wenn auch nur untertags, in ein Heim zu geben, kam dennoch nie in Frage. „Ich kann nicht ein Kind aufnehmen und es dann wieder abschieben. Solange ich es schaffe, bin ich für Benjamin da“, erzählt Mair. Dass sie dadurch viel zurückstecken muss, ist der aufopfernden Mutter durchaus bewusst: „Manchmal fühlt es sich schon so an, als hätte ich den Stempel lebenslänglich bekommen. Ich wollte schon lange einen Computerkurs machen, aber erst jetzt, da er am Vormittag stattfindet, kann ich daran teilnehmen – zumindest, wenn es Benni an dem Tag gutgeht.“

Worauf es wirklich ankommt. Trotz der schweren Aufgabe schafft es Barbara Mair, das Gute zu sehen: „Die gesunden Kinder müssen heute in der Gesellschaft standhalten und so viel leisten. Was Jeremias lernt, ist gut, und was er nicht lernt, ist für ihn nicht wichtig. Bei Benjamin, dem Kleinsten, geht es sogar schlicht und ergreifend nur darum, dass er einen guten Tag hat, denn schlechte Tage gibt es zur Genüge. Im Leben dreht sich nicht alles um höher, schneller, weiter.“ Auch wenn das Familienleben nicht immer einfach sei, ein Leben ohne Kinder könne sie sich nicht vorstellen, erzählt die aufopfernde Mutter: „Ein leichterer Weg heißt nicht automatisch, dass es der schönere ist.“

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Mona Lechner mit ihrer Tochter Luna (Foto: freudelachenliebe)

Mona Lechner, 36

Vomp, alleinerziehend, eine Tochter

 

Vor sieben Jahren kam Luna zur Welt – die Tochter von Mona Lechner. Für die junge Mutter und ihren damaligen Ehemann war das Baby ein absolutes Wunschkind. „Man weiß am Anfang nicht, was einen erwartet, und wir sahen definitiv alles durch die rosarote Brille“, erinnert sich Lechner. Die größte Veränderung waren für die junge Mutter der wenige Schlaf und die wenige Zeit für sich selbst. Mona Lechner hatte sich bereits vor der Schwangerschaft mit FreudeLachenLiebe als Fotografin selbstständig gemacht und arbeitete auch nach der Geburt weiter, oft nachts, wenn das Kind schlief. „Ich wollte Aufträge immer zeitgerecht fertigstellen, diesen Anspruch habe ich an mich selbst. Ein Kind soll keine Ausrede sein“, erklärt sie motiviert.

Immer was los. Vor zwei Jahren kam der Bruch mit ihrem Mann und das Paar trennte sich. Auch wenn Mona Lechner offen zugibt, dass sie sich die Situation für ihr Kind anders gewünscht hätte, könne ihre Tochter sehr gut damit umgehen: „Wenn jemand Luna nach ihrem Papa fragt, erklärt sie stets, dass er jetzt nicht mehr bei uns wohne, aber dass sie ihn jedes zweite Wochenende sehe.“ Alles unter einen Hut bringen ist für die Fotografin trotzdem nicht immer leicht. Ganz allein kümmert sie sich um Haus und Haushalt sowie um ihren Job und selbstverständlich soll auch die Freizeit mit der siebenjährigen Luna nicht zu kurz kommen. „Gott sei Dank kann sich meine Tochter mittlerweile auch mal alleine beschäftigen und außerdem finde ich Trubel gar nicht schlecht. Ich mag es nicht, wenn es langweilig wird“, lacht die 36-Jährige.

Vereinbarkeit. Ihr Beruf als selbstständige Fotografin habe sich bis jetzt sehr gut mit dem Familienleben vereinbaren lassen, erzählt Lechner und auch Auftraggeber zeigen sich verständnisvoll. Gerade im Sommer, wenn Luna in den Ferien ist, ist bei Mona Lechner, die auf vielen Hochzeiten fotografiert, Hochsaison. Trotzdem will sie nicht, dass ihr Kind den ganzen Sommer im Hort verbringt. „Ich finde, jedes Kind hat Ferien verdient. Und auch, wenn es im Hort sehr nett ist – ich hatte immer Ferien und es tut mir leid, wenn Kindern die Auszeit nicht ermöglicht werden kann.“

Dreamteam. Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, versteht Mona Lechner durchaus, aber für sie wäre das nie in Frage gekommen. „Mit Luna gibt es jemanden, der immer für mich da ist und für den ich immer da sein werde“, erzählt die alleinerziehende Mutter und gibt zu: „Gerade weil meine Tochter kein Geschwisterchen hat, muss ich für Streitereien oft herhalten, und dann fliegen auch mal die Fetzen. Aber egal, denn bis zum Abend ist immer wieder alles gut.“ Wichtig sei bei der Erziehung, konsequent zu bleiben und dem Kind Grenzen aufzuzeigen, auch wenn man selbst eigentlich nachgeben möchte, so die Mutter.