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People | 04.02.2019

Das Glück hat vier Pfoten

Inge Welzig als Fürsprecherin der Tiere – fast 30 Jahre lang hat sich die gebürtige Innsbruckerin für den Tierschutz eingesetzt. Ihre Erlebnisse sowie zahlreiche Erinnerungen aus Kindheit und Jugend hat sie nun in einer Biografie niedergeschrieben.

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Inge Welzig feiert im Februar ihren 75. Geburtstag. (Foto: Martin Vandory)

Wenn es um Tierschutz geht, gibt es in Tirol einen Namen, der in diesem Zusammenhang nicht mehr wegzudenken ist: Inge Welzig. Seit 1989 setzt sich die gebürtige Salzburgerin für das Wohl der Vierbeiner ein und kämpft, wenn es sein muss, wie ein Löwe für das Recht der Tiere. Ihre Geschichte hat die engagierte Frau nun niedergeschrieben und als Biografie im Tyrolia-Verlag veröffentlicht.

Aller Anfang. Inge Welzig, die im Februar ihren 75. Geburtstag feiert, hatte keinen leichten Start ins Leben. Ihr Vater fiel im Krieg, und so musste die Mutter sie und ihren Bruder alleine großziehen. „Wir hatten kaum Geld. Zu Weihnachten bekamen wir immer dieselben Geschenke, die am 6. Jänner wieder auf den Dachboden wanderten. Meine Lieblingsspeise war ein Butterbrot mit Maggi. Trotzdem habe ich als Kind nie etwas vermisst, unsere Armut wurde mir erst viel später bewusst“, erinnert sich Welzig. Ihr starkes Gerechtigkeitsempfinden sei ihr übrigens schon in die Wiege gelegt worden, erzählt Welzig weiter und lacht: „Mein Bruder und ich haben als Kinder oft am Friedhof die Blumen auf den Gräbern getauscht, weil wir es unfair fanden, dass manch einer ein so schönes Grab hatte und andere so ein hässliches. Im Dorf haben sich deshalb viele über uns Kinder aufgeregt.“ Als junge Frau arbeitete sie als Skilehrerin und unterrichtete Segeln – auch heute noch ihre große Leidenschaft: „Am liebsten segle ich mit Anfängern – so erlebe ich den ersten Zauber durch meine Schüler immer wieder neu.“ Durch den Sport lernte sie ihren Mann kennen, einen Tiroler, den sie am Faschingsdienstag 1972 heiratete und zu ihm nach Rum zog.

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In ihrer Jugend arbeitete Welzig als Skilehrerin.

Richtige Entscheidungen. In den 1970ern kam die Neo-Tirolerin auch mit ihrem ersten Igel in Kontakt. Ihr Mann fand ein totes Tier im Garten, und Welzig begann, sich näher mit Igeln zu befassen – gar nicht so leicht, wie sie rasch feststellte: „Es gab damals so viele falsche Informationen, die im Umlauf waren, niemand hatte eine Ahnung.“ Bald darauf päppelte sie vier junge Igel auf, nahm sich dafür sogar Urlaub von ihrem Job – der Startschuss für die Rettung von tausenden Igeln, die im Laufe der Jahre durch die Hände der 74-Jährigen gingen. So entstand auch ein erster Kontakt zum Tierschutzverein. Als sie im Jahr 1989 vor der Wahl stand, gegen gutes Geld die Filialleitung einer Parfümerie zu übernehmen oder sich für das Wohl der Tiere zu engagieren, fiel ihr die Entscheidung nicht schwer – und auch bis heute habe sie es nie bereut, die Tiere gewählt zu haben.

Ein Herz für Stubentiger. Auch wenn sich Welzig in den vielen Jahren im Amt für unterschiedlichste Tierarten einsetzte, waren es stets die Katzen, die ihr ganz besonders am Herzen lagen. „Wir hatten zuhause schon immer eine Katze. Als ich schwanger war, gab es damals viele Warnungen: Die Katze würde sich auf das Kind legen und es ersticken. Doch Sili blieb im Haus und erklärte meine Tochter sogar zu ihrem Kind. Sobald das Baby weinte, legte sie sich daneben und wollte es säugen. Das Kind hat sich auch beruhigt durch die Katze.“ Auch heute teilt Inge Welzig ihre Wohnung mit ihrem Kater Bomber, der stolze elf Kilo auf die Waage bringt. Der Streuner wurde ursprünglich von der Tierschützerin draußen gefüttert, bevor er sich eines Tages durch die Katzenklappe in die Wohnung von Welzig schlich.
Viel bewegt. Um Katzen drehte sich auch das erste große Tierschutzprojekt von Welzig: die Kastration dieser Tiere. „Die Situation damals war nicht einfach: Es gab unglaublich viele streunende Katzen – Krankheiten wie die Katzenseuche breiteten sich rasend schnell aus, und kaum jemand war bereit, etwas dagegen zu tun. Selbst wenn die Kastrationen mit keinen Kosten verbunden gewesen wären, für die Bauern kam das nicht infrage – sie bräuchten die Katzen. Bei einer Sitzung im Gemeindeamt mit Bürgermeister, Amtstierarzt und Bauern wurde sogar öffentlich gesagt, dass man das Problem löse, indem man die jungen Katzen einfach töte. Wir haben dann eine Plakataktion gestartet und konnten viel bewegen.“

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Ihre Katze Bomber ist Welzig zugelaufen.

Gegenwind. Eingesetzt hat sich Inge Welzig auch gegen die Widderkämpfe im Rahmen des Gauder Festes im Zillertal – eine Aktion, für die sie nicht nur Lob, sondern auch Hass erntete: Bis 1999 wurde in Zell am Ziller das traditionelle Widderstoßen ausgetragen. Die Widder wurden eigens dafür gezüchtet und trugen beim Wettkampf schwerste Verletzungen davon. Für Welzig ein Brauch, der sie zu Tränen rührte: „Ich wollte mir das persönlich ansehen und war so schockiert von der brutalen Heran-
gehensweise, aber auch vom begeisterten Brüllen der Zuseher, dass ich weinte.“ Im Amt der Tiroler Landesregierung erwirkte sie gemeinsam mit der zuständigen Abteilung eine Änderung des Tierschutzgesetzes – dem Fest wurde die Genehmigung für die Austragung verweigert. Eine Entwicklung, die gerade im Zillertal für großen Unmut und Wut sorgte. „Ich habe mich lange nicht mehr ins Zillertal getraut und schriftlich und mündlich Morddrohungen erhalten. Das hat mich natürlich nachdenklich gemacht – aber aufhören kam für mich trotzdem nie infrage!

Affentheater. Eine andere Geschichte, die die Innsbruckerin noch heute stark bewegt, dreht sich um exotische Tiere – Welzig rettete zwei Affen aus einem privaten Zirkus in Hall. „Ich hörte von den Affen, und die Tiere taten mir entsetzlich leid, da sie armselig in einem Zirkuswagen untergebracht waren. Deshalb fasste ich mir ein Herz und klopfte bei den Menschen vom Zirkus. Die Inhaber hörten mir zu und verrieten mir, ‚Sie sind der erste Mensch, der höflich mit uns spricht‘, und zeigten sich bereit, mir die Affen zu überlassen, wenn ich eine bessere Unterkunft fände.“ Gemeinsam mit dem Amtstierarzt telefonierte Welzig mit Zoos in ganz Europa, doch niemand konnte sie in eine Gruppe integrieren. Zur selben Zeit wurde das Tierheim in Wien neu gebaut und 14 Tage vor der Eröffnung wurden der Tierschützerin zwei helle Räume angeboten. „Die Artisten waren sehr traurig, als ich die Affen wegbrachte, doch der Zirkus war froh, dass es ihnen besser gehen sollte“, erzählt uns die rüstige  Pensionistin.

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Inge Welzig mit Ihrem Bruder Rupert

Mit gutem Beispiel voran. Welzig lebt Tierschutz auch privat. Sie ist Vegetarierin und glaubt, dass  Tierschutz ein immer wichtigeres Thema wird: „Es hat sich in den letzten Jahrzehnten so viel getan. Als ich begann, war das Wort Tierschützer ein Schimpfwort, und mein Bruder hat sich für mich geschämt. Aber heute denken die Menschen ganz anders und das ist gut so.“ Trotzdem mahnt Welzig zur Toleranz: „Gerade, wenn es um die Entscheidung geht, Fleisch zu essen, muss man jeden seinen eigenen Weg gehen lassen. Ich wurde auch nicht als Vegetarier geboren.“


Späte Privilegien. Heute ist Welzig froh, endlich Zeit zum Lesen zu haben, und kümmert sich mit viel Herzblut um alte Menschen. „Ich spiele gern im Altersheim Mundharmonika und suche noch die Begleitung von einer Sängerin. Die Leute hören diese alten Lieder sehr gern.“ Aber auch die Vierbeiner haben immer noch einen Platz in ihrem Leben: Sie vermittelt noch Tiere und genießt vor allem eins: „in der Früh zu trödeln – ein kostbares Privileg im Alter“.

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Inge Welzig an ihrem dritten Geburtstag mit ihrem Bruder Rupert und ihrer Mutter.

Zum Weiterlesen:

Inge Welzig blickt auf ihr bewegtes Leben zurück, von der Nachkriegskindheit in Salzburg über ihren Umzug nach Tirol bis zu ihrer jahrelangen Arbeit im Dienste der Tiere. Mit dem ihr eigenen Humor und Optimismus geht sie auf schwierige Lebensphasen ebenso ein wie auf heitere Ereignisse in ihrem Privat- und Berufsleben. Natürlich darf die eine oder andere Anekdote über gerettete Tiere nicht fehlen. Das Buch von und mit der bekannten und geschätzten Tiroler Tierschützerin.
Inge Welzig, Meine sieben Leben, erschienen bei Tyrolia
(€ 19,95), ISBN: 978-3-7022-3736-3