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People | 10.12.2018

Girlpower auf zwei Rädern

Warum sie sich vor nichts fürchtet und was die Tiroler Profibikerin von ganz normalen Jugendlichen unterscheidet – wir haben bei Laura Stigger nachgefragt.

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Foto: Mirja Geh / Red Bull

Laura Stigger hat Power: Bei der heimischen Rad-WM im September hat die 18-Jährige scheinbar mühelos alle ihre Konkurrenten abgehängt und den Weltmeistertitel geholt, obwohl sie überhaupt erst zum zweiten Mal an einem Straßenrennen teilnahm. Ein unglaublicher Erfolg für die junge Haimingerin – aber längst nicht ihr erster Sieg im Radsport: Stigger hat auf dem Mountainbike bereits zwei Cross-Coun- try-Junioren-Weltmeistertitel und fünf Europameistertitel eingefahren. Uns hat Laura Stigger im Interview verraten, was sie macht, wenn sie mal nicht auf dem Fahrrad sitzt, und warum die Nachbarsbuben einen entscheidenden Anteil an ihrem Erfolg haben.

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Foto: Ernst Lorenzi

TIROLERIN: Wer hat Sie zum Radfahren gebracht?
Laura Stigger: Ich hab’ als kleines Mädchen die Nachbarsbuben beim Radfahren beobachtet und wollte das dann auch unbedingt probieren. Sie waren sozusagen der Auslöser für meine heutige Liebe zum Radsport.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Rad erinnern?
Ja, da war ich sechs Jahre alt. Und das Rad hat mir der Osterhase gebracht. Ich war total begeistert.

Gibt es einen Plan B, wenn Sie die Sportkarriere mal an den Nagel hängen möchten?
Zunächst hoffe ich mal, dass es bis zum Ende meiner Karriere noch weit hin ist. Da ich ja erst 18 Jahre alt bin, sollten schon noch einige gute Jahre drinnen sein. Neben dem Radfahren liegt mir auch meine schulische Ausbildung besonders am Herzen. Es ist einfach wichtig, dass du abseits des Sports eine gute Ausbildung hast. Am Sport-BORG in Innsbruck, das ich besuche, kann ich glücklicherweise Sport und Schule ideal kombinieren.  
 

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Peter Leitner

Was möchten Sie sportlich unbedingt noch erreichen?
Ui, da gibt es so einiges. Jetzt steige ich in der kommenden Saison mal von der Junioren- in die U23-Klasse auf. Und dort möchte ich mich natürlich möglichst schnell etablieren. Und klar, im Hinterkopf habe ich die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Dafür möchte ich mich gerne qualifizieren. Olympia hat einfach ein ganz eigenes Flair, wie ich es heuer auch bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires erleben durfte.    

Wie motivieren Sie sich an Tagen, an denen Ihnen vielleicht nicht nach Training ist?
Ganz ehrlich, das kenne ich nicht! Training ist die Grundvoraussetzung, um als Sportler erfolgreich zu sein. Und ich bin dementsprechend noch jeden Tag gerne trainieren gegangen. Motivationsprobleme kenne ich da nicht.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?
Bisher blieb ich davon ja weitgehend verschont. Aber es ist mir völlig klar, dass es im Laufe einer Sportkarriere auch Rückschläge gibt. Wichtig ist, dass du von dir selbst immer sagen kannst, das Beste versucht zu haben. Dann kannst du letztlich auch aus einer Niederlage Motivation für die nächsten sportlichen Aufgaben ziehen.

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Foto: Mirja Geh / Red Bull

Mit Schule, Training und Wettkämpfen hast du einen sehr engen und stressigen Zeitplan. Gibt es Momente, in denen du mit ganz normalen Jugendlichen tauschen möchtest?
Ich darf das machen, was mir am meisten Spaß macht. Da fehlt dir dann schlichtweg überhaupt nichts. Und außer, dass ich halt viel am Bike sitze, führe ich ja ohnehin ein ganz normales Leben.

Was unterscheidet Sie von einer typischen 18-Jährigen? Was haben Sie gemeinsam?
Außer, dass ich halt extrem viel Sport betreibe und viel am Bike sitze,  glaube ich nicht, dass es da große Unterschiede gibt. Ich besuche die Schule, genieße die Ferien und hab’ Spaß mit meinen Freunden. Alles ganz normal (lacht).

Sie haben erst vor Kurzem einen Tandemsprung absolviert, sind mit dem Mountainbike oft auf waghalsigen Trails unterwegs. Haben Sie nie Angst?
Mit dem Tandemsprung hat mich mein Sponsor Red Bull gehörig überrascht. Wenn du auf 3.500 Metern Höhe plötzlich das Inntal unter dir siehst, ist das schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl zunächst. Aber wenn du dann gesprungen bist, ist es einfach nur noch total cool. Was das Radfahren angeht, habe ich überhaupt keine Angst. Ein gesunder Respekt vor der jeweiligen sportlichen Herausforderung ist wichtig, aber Angst wäre der völlig falsche Ratgeber.

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Foto: Bettini

Sie haben den Weltmeistertitel zu Hause in Tirol geholt. Werden Sie jetzt auf der Straße wiedererkannt?
Naja, ich lebe in einer ländlichen Gemeinde. Und da ist es normal, dass dich die Leute dann erkennen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich von Autogrammjägern verfolgt werde. Ich kann schon noch ein ganz normales Leben führen. Der Hype nach der WM in Innsbruck hat sich vor allem in den Medien abgespielt.

Sie haben sowohl mit dem Rennrad als auch mit dem Moutainbike beeindruckende Erfolge eingefahren. Wollen Sie auch zukünftig in beiden Disziplinen an den Start gehen?
Im Herzen bin und bleibe ich eine Mountainbikerin. Bei der WM in Innsbruck bin ich vor allem auch deshalb gestartet, da sie praktisch vor meiner Haustür stattgefunden hat. Dass sich da der Sieg ausgeht, damit konnte niemand wirklich rechnen. Auf Dauer beide Disziplinen zu bestreiten, wird aber wohl nicht möglich sein. Vorerst gilt meine Konzentration jetzt jedenfalls wieder dem Mountainbike-Sport.

Gibt es auch Tage, an denen Sie nicht auf dem Fahrrad sitzen?
Gerade im Winter ist es bei uns natürlich nicht immer möglich, mit dem Rad unterwegs zu sein. Aber erstens muss man auch mal regenerieren und zweitens betreibe ich gerne andere Sportarten. Skitouren und Langlaufen sind etwa im Winter ideale Ergänzungen zum Radsport.

Wie wichtig ist Ihre Familie für den Erfolg?
Ohne meine Familie wäre meine bisherige Karriere niemals möglich gewesen. Von meinen Eltern wurde ich von Anfang an gefördert, dabei aber niemals unter Druck gesetzt. Ihnen gilt mein riesengroßer Dank.