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People | 30.12.2018

In Stein gemeißelt

Monika und Manfred leben in einem selbst gebauten Meilenstein. Ihr Haus wurde nämlich aus Beton gefertigt. Dass sich der natürliche Baustoff hervorragend für die Gestaltung eines wunderschönen und gemütlichen Heims eignet, sieht man nicht nur, man spürt es auch.

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© Manfred Andergassen

Im idyllischen Südtiroler Dorf Barbian, umringt von traditionellen Häusern mit Satteldach, steht das Projekt „Habitat UA“. Hier lebt seit einigen Jahren die vierköpfige Familie Andergassen. Das Besondere an ihrem Zuhause sind die Wände, denn diese sind aus Beton gefertigt. Diese Mauern tragen – an einem steil abfallenden Osthang – ein innovativ designtes Gebäude, das den üblichen Vorstellungen von einem Einfamilienhaus trotzt. Monika und Manfred Andergassen haben uns Tür und Tor zu ihrem einzigartigen Heim geöffnet.

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© Manfred Andergassen

Aussichtsvoll. Mit Blick zum Brixner Hausberg Plose auf der einen und zum Schlern sowie zur großen Gebirgskette im Grödnertal auf der anderen Seite zeigt sich ein wunderbares Stückchen Erde. Das atemberaubende Panorama umgibt die langgezogenen Betonmauern des dreistöckigen Wohnhauses, das im Eisacktal errichtet wurde. Zwischen den schneebedeckten Hängen ragt das dunkelgrau verwitterte Porphyrgestein hervor und lässt Raum für die eigene Vorstellungskraft, die unsere Gedanken weiterspinnt, wie es sich wohl in einem steinernen Gebäude wohnen mag.

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© Manfred Andergassen

Für die Ewigkeit. „Ich hatte immer schon das Bedürfnis, etwas Massives, etwas Zeitloses zu erschaffen“, meint Hausherr Manfred auf die Frage, warum denn sein Haus gerade aus Beton sein sollte. Mit seiner Geradlinigkeit steht es im scharfen Kontrast zu den weichen umliegenden Hügeln. Gemeinsam mit dem Südtiroler Architekten Andreas Gruber gelang es, unter Einhaltung der urbanistischen Vorgaben und Orientierung am gewidmeten Bauland, ein Konzept auszuarbeiten, in dem sich ein intensiver Baukörper aus Beton mit der nahezu unberührten Landschaft verzahnt.

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© Manfred Andergassen

Berg zu Berg. Für Familie Andergassen strahlt das 2016 fertigstellte Haus eine zeitlose Unabhängigkeit von den Höhen und Tiefen des Lebens aus. „Es sieht aus wie ein großer Stein, der einfach so in der Landschaft platziert wurde“, fügt Manfred erklärend hinzu. Als architektonischer Fels in der landschaftlichen Brandung integriert sich das Projekt ganz individuell in die Topografie. Denn die Form des Baukörpers orientiert sich an der Silhouette der vorgelagerten Dolomiten und gliedert sich durch seine massive Substanz in die malerische Berglandschaft ein. Er scheint immer hier gewesen zu sein und immer hier sein zu werden. Nicht einfach nur ein Haus, sondern ein Projekt für die Ewigkeit.

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© Manfred Andergassen

Vielschichtigkeit. Monika und Manfred halten sich mit ihren zwei Kindern am liebsten im Zentralgeschoss auf. Hier sind Wohnzimmer und Wohnküche angesiedelt, wo sich das Leben der Familie zum größten Teil abspielt. Es ist ein behaglicher Ort der Begegnung und des Austausches, sind sich die Hausbesitzer einig. Gerne werden hier auch Freunde empfangen, wofür die harmonisch eingerichteten Räumlichkeiten mehr als genügend Platz bieten. Das Dachgeschoss, welches als Monospace auf diverse Nutzungen wie Homeoffice oder Yogaraum ausgerichtet ist, bietet hingegen Möglichkeit zum Rückzug. Beim Blick nach draußen zeigt sich – von dieser Ebene noch prägnanter – die atemberaubende Aussicht, eine nahezu surreal wirkende Kulisse, die direkt in die Innenräume zu greifen scheint.

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© Manfred Andergassen

Zwischenräume. Durch die großflächigen Fenster, als gezielte Einschnitte in die massive Gebäudehülle konzipiert, verschwimmen die Grenzen zwischen außen und innen tatsächlich. Der fließende Übergang wird durch die Betonwände, die nicht nur die scheinbar zeitlose Beständigkeit des Hauses vermitteln, sondern die gegebene Naturlandschaft Südtirols in den Raum hereinholen, zusätzlich simuliert. Als nahezu bewegte Landschaftsbilder ragen die Wiesen und Felder bis in das Gebäudeinnere, womit die Natur direkt ins Haus geholt wird.

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© Manfred Andergassen

Vintage. Die Verwendung von Beton als elementares Material erlaubte farblich wie stilistisch eine freie Gestaltung des Innenraumes. Die Einrichtung wurde – ebenso wie die Bauweise des Hauses selbst – nach konkreten Ideen genauestens geplant und optimal kombiniert. Die Bauherren statteten das Haus nämlich mit Möbelstücken aus, die dem Design der 1960er bis 1980er Jahre nachempfunden sind. Dadurch wird, durch gezielte Positionierung zeitloser Klassiker, der Wertewelt und Handwerkskunst ehemaliger Zeiten gehuldigt. Generell vermittelt der Beton, kombiniert mit dem klassischen Interieur, eine allumfassende Wärme. Diese ruft ein samtiges Wohlbefinden hervor und erzeugt das Gefühl, in einem von allen äußeren Einflüssen geschützten Raum zu verweilen.

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© Manfred Andergassen

Frei im Kopf. Das Besondere am Haus ist, vor allem für Manfred, nach wie vor die Entwicklungsphase des Projektes selbst. Er hat gemeinsam mit dem Architekten aus dem Vollen geschöpft und ließ seiner Kreativität – so gut, wie es die baulichen Anforderungen erlaubten – beim Entwerfen freien Lauf. „Nicht alle Ideen ließen sich gänzlich umsetzen, zum Teil aus technischen, zeitlichen oder finanziellen Gründen“, erzählt uns Manfred. Aber die Freiheit im Denken sei ein spannendes Gefühl gewesen – ein Reflektieren „out of the box“, bemerkt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

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© Manfred Andergassen

Ganzjährig. Gestalterisches Konzept für den Außenbereich gibt es vorerst noch keines. Die Augenblicke, in denen sich die Muße zeigt, werden dafür umso intensiver zum ständigen Weiterentwickeln und Verfeinern genutzt. Von allen drei Ebenen des Hauses gelangt man direkt auf die umliegenden Freiflächen, die je nach Saison bespielt werden. Obwohl noch dem Entwicklungsprozess unterworfen, wird der Garten von der ganzen Familie ausgiebig genutzt. Während man im Sommer grillt und gartelt, verwandelt er sich im Winter zur privaten Piste.

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© Manfred Andergassen

Umweltliebend. Aber nicht nur das Wohngefühl, auch die Nachhaltigkeit spielte beim Entwerfen des außergewöhnlichen Hauses in Barbian eine vordergründige Rolle. Neben innovativen technischen Details, wie der Entwicklung eines neuartigen Dämmbetons, wurde durch das „Habitat UA“ ein nachhaltiger Beitrag für die Baukultur nicht nur in Südtirol geleistet. Denn das Haus ist, aufgrund seiner Wände aus Beton, ökologisch abbaubar. Das verwendete Material kann ganz unkompliziert wiederverwendet werden. Das Gebäude ist somit zu 100 Prozent recycelbar und trägt dadurch aktiv zum Bewusstsein in Sachen Wegwerfgesellschaft bei.

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© Manfred Andergassen

Trautes Heim. Ein innovatives Haus, das durch sein außergewöhnliches Design besticht und darüber hinaus einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet, hätte sich Familie Andergassen nicht schöner vorstellen können. So wohnen sie mit Panoramablick in ihrem eigenen Traum aus Beton.