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People | 09.11.2018

„Es kann jederzeit alles passieren“

Von Serien über Telenovela bis hin zu Theater oder Kinofilmen – der Schauspieler Michael Rotschopf lässt sich in keine Schublade stecken. Nun ist der Osttiroler als Fürst im hochgelobten Historien-drama „Angelo“ im Kino zu sehen.

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Foto: Christian Hartmann

Für Michael Rotschopf kann es wohl nie schnell genug gehen: Zur Matura im Gymnasium in Lienz erschien er bereits mit gepacktem Koffer, um gleich danach nach Wien zur Aufnahmeprüfung der Schauspielschule zu fahren. Noch bevor er seine Schauspielausbildung abschloss, stand er bereits bei den Wiener Festwochen auf der Bühne, und das, obwohl er eigentlich noch nicht spielen durfte: „Ich habe nie gezweifelt, es war wie ein Funke, der auf mich übergesprungen ist“, erinnert sich Rotschopf heute. Nach seiner Ausbildung spielte der gebürtige Lienzer am Burgtheater, aber auch in Serien, wie „Soko Kitzbühel“ oder „Der Bergdoktor“, er war in Kinofilmen zu sehen und ein Jahr lang einer der Hauptdarsteller der Telenovela „Bianca – Wege zum Glück“. Im November kehrt der Osttiroler zurück auf die Kinoleinwand: als Fürst in „Angelo“ – eine österreichisch-luxemburgische Produktion, die auf diversen Filmfestivals bereits große Erfolge feierte. Uns verrät der 49-Jährige, wie ein Film, der im 18. Jahrhundert spielt, so aktuell wie nie sein kann und warum „Pünktchen und Anton“ den Osttiroler dorthin gebracht haben, wo er heute ist.

TIROLERIN: Was hat Sie am Film „Angelo“ fasziniert?
Michael Rotschopf: Was mich interessiert hat, war, was dieser Mensch eigentlich bedeutet. Was der Hintergrund ist dieser doch merkwürdigen Art und Weise, sich einen „Hofmohren“ zu leisten: ein Kind aus Afrika zu holen und zu einem „Menschen“ zu machen, es zu etwas zu erziehen, das in Europa durchaus einen Wert hat – zu einem umfassend gebildeten Menschen –, um so zu demonstrieren, was man doch selbst für ein unglaublicher, toller Mensch ist.


Was ist für Sie das Kernthema?
Es geht um die Geschichte eines merkwürdigen Verhältnisses zwischen Fremdheit und dem, was wir glauben, darstellen zu müssen. Was mich besonders begeistert: dass Markus Schleinzer, der Regisseur, es tatsächlich geschafft hat, in skurrilen, verrückten Bildern zu erzählen, dass wir immer etwas brauchen, um uns davon abzusetzen. Dass wir wieder so unfassbar darauf bedacht sind, uns selbst in den Mittelpunkt zu setzen, abzuheben von allem, was rund um uns vorgeht. Es ist vollkommen egal, ob das nationale Alleingänge sind, ob es Abschließungen gegen außen oder ein Gesamtgefühl ist – Europa oder die Welt. Wir wollen uns wieder abgrenzen gegen das, was da kommt.

 

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Foto: Christian Hartmann

„Angelo“ hat international viel Beachtung bekommen. Wie steht es generell aus Ihrer Sicht um den österreichischen Film?
Filme wie „Angelo“ sind immer eine Ausnahme und auch immer ein Risiko. Es kann sein, dass es genau zur richtigen Zeit der richtige Stoff ist – das ist bei Festivals auch immer entscheidend.
Aber in Österreich gibt es viele tolle Regisseure wie Michael Haneke oder Barbara Albert. Die Österreicher haben immer ein bisschen das Problem, alles etwas kleinzumachen – „Ob das da jemand schafft, naja, das wissen wir nicht.“ Vom Ausland betrachtet, ist der österreichische Film aber eine wahrgenommene Größe.


Nach welchen Kriterien wählen Sie eine Rolle aus?
Manchmal muss man das fast als Laune betrachten. Ich habe das Glück, viel Unterschiedliches gemacht zu haben, von Telenovela über Burgtheater bis hin zu Kinofilmen. Weil ich mich nicht gerne so fein mache. Ich gehe nur Projekte an, bei denen ich von vornherein weiß, was es mir bedeutet, und nicht, was es mir im Nachhinein bringen wird – das weiß man nie. Man lebt ja als Schauspieler ständig ohne Perspektive, es kann jederzeit alles passieren.


Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Mit 13 war mir das schon klar. Ich habe als Kind auch viele Märchenplatten gehört, wie „Pünktchen und Anton“ – sicher Grund, warum ich heute in Berlin bin, denn das Rauschen der Straßenbahn, die Atmosphäre am Kurfürstendamm – eine frühkindliche Prägung – gaben mir ein Gefühl davon, wie ich mein Leben gern leben möchte.


Was sehen Sie privat gerne?
Ich schaue fast kein Fernsehen und gehe nicht gern ins öffentliche Kino, obwohl es mir leid tut, dass ich diese Filme dann nicht auf der großen Leinwand sehe. Ich gehe aber sehr gern in Konzerte. Kammermusik, Symphonien – ich mag die reduzierte Form sehr.


Sie kommen ursprünglich aus Osttirol. Was verbinden Sie mit Ihrer Heimat Tirol?
Erinnerungen sind etwas sehr Fragiles, auch für einen selber oft nicht richtig nachzuvollziehen – was man auslässt, woran man sich erinnert. Ich traue diesen biografischen Notizen nicht, auch meinen eigenen nicht. Aber es gibt so Angelpunkte, die mich mit dem Land, abgesehen von Familie, verbinden. Ich hatte einen Grund, warum ich damals weggegangen bin: Das, was ich wollte, konnte ich in Osttirol nicht. Nicht nur beruflich, sondern auch, wie man denken, leben sollte. Ich war froh, als ich da weg war. Aber was mich verbindet, sind viele Erinnerungen aus der Kindheit, wenn ich beispielsweise vorm Albin-Egger-Lienz-Bild gestanden bin. Das hat mir etwas gegeben, ähnlich einer Theateraufführung im Fernsehen. Natürlich das Hotel meines Vaters am Tristacher See – ich springe im Sommer gern in den See mit dem weichsten Wasser der Welt. Heimat ist mir wichtig, und wenn ich auf die Dolomiten gucke, die größer sind als Osttirol, begeistert mich, dass es auch in dieser Enge etwas gibt, das einen hinausbegleitet, Wegweiser ist. Die Bergkuppen machen auch an der Grenze nicht halt.


Die Geschichte des Films „Angelo“ ist bewegend und faszinierend zugleich, auch weil sie auf wahren Tatsachen beruht – der Junge Angelo wirklich existierte: Anfang des 18. Jahrhunderts wird das Kind aus Afrika verschleppt und von der Com-
tesse ausgewählt. Sie tauft ihn, kleidet ihn ein und lässt ihm Bildung zukommen – ein lebender Beweis für den Sieg der Vernunft über das Wilde und Heidnische. Auch der erwachsene Angelo wird weitergereicht, verschenkt wie ein Gegenstand. Er lebt nun bei einem Fürsten, gespielt von Michael Rotschopf. Als sich Angelo verliebt, sehnt er sich nach einem „normalen“ Leben, versucht auszubrechen und wird später sogar bei den Freimaurern aufgenommen. Ein Außenseiter bleibt er aber sogar bis nach seinem Tod, wo er als Museumsobjekt endet, sein Leib ausgestopft und grotesk dekoriert.

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Foto: Novotny Film Filmladen

Angelo – ab 9. November im Kino

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Foto: Novotny Film Filmladen
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Foto: Novotny Film Filmladen