Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 10.09.2018

„Die Leute lieben Krimis“

Schrullig, komisch, aber mit viel Herz: Der österreichische Paradeschauspieler Simon Schwarz begeistert in seiner Rolle als Rudi Birkenberger einmal mehr das deutschsprachige Kinopublikum.

Bild B81_7120_b_1400.jpg
Erfolgsverwöhnt. Simon Schwarz zählt zu den ganz Großen in Österreich: Mit Verfilmungen wie „Komm süßer Tod“, „Braunschlag“, „Altes Geld“ und den „Eberhofer-Krimis“ begeisterte der Schauspieler bereits Millionen. (Foto: Constantin Film)

Mit „Sauerkrautkoma“ ist der gebürtige Wiener Simon Schwarz zum nunmehr fünften Mal in Rita Falks Erfolgskrimiserie auf der Leinwand zu sehen. An der Seite von Provinzpolizist Franz Eberhofer, gespielt von Sebastian Bezzel, geht Schwarz in bekannter amüsanter Manier auch diesmal einem Mordfall im dörflichen Bayern auf die Spur. Wir haben den bekannten Filmkünstler getroffen und mit ihm über Kino, Ziele und das Erfolgsgeheimnis der Falk-Krimis gesprochen.

TIROLERIN: Herr Schwarz, Sie sind mittlerweile seit über 20 Jahren im Fernsehgeschäft tätig. Würden Sie sich selbst als alten Hasen im Showbusiness bezeichnen?
Simon Schwarz: Mehr oder weniger, ja. Immerhin lebe ich von der Schauspielerei, seitdem ich 18 war. Heute bin ich 47. Das  ist doch eine sehr lange Zeit. Ich möchte aber noch ein paar Jahrzehnte mit der Arbeit vor der Kamera weitermachen – deswegen fällt es mir schwer, mich jetzt schon als alten Hasen zu bezeichnen.

Ihr Fernsehdebüt feierten Sie 1996 in der Serie „Spiel des Lebens“. Wie hat sich Ihre Arbeit vor der Kamera bis heute verändert?
Ich glaube, ich kann heute mehr aus einer Rolle machen als am Anfang meiner  Karriere. Das ist allerdings einzig und allein meiner langjährigen Erfahrung geschuldet. In „Spiel des Lebens“ habe ich mir oft stundenlang den Kopf darüber zerbrochen, wie ich gewisse Sätze betonen soll oder welche Körpersprache die jeweilige Situation am besten transportiert. Mittlerweile gehe ich mit mehr Routine an die Sache – die Art, wie ich meine Rollen spiele, ergibt sich beinahe von selbst.

Sie bezeichnen sich selbst als „schlechte Gesellschaft“. Wie darf man das verstehen?
Das stimmt. Wer mit mir gemeinsam Abendessen geht, wird am Ende wahrscheinlich recht wenig von meiner Anwesenheit haben. Das liegt daran, dass ich permanent damit beschäftigt bin, andere Menschen zu beobachten. Ich könnte Stunden damit verbringen, Leuten in meiner Umgebung zuzusehen. Sitze ich in einem Restaurant, wende ich meine Aufmerksamkeit deshalb immer relativ schnell meiner Umgebung zu. Mein Gegenüber kommt da oft zu kurz – ich bin wirklich kein guter Gesprächspartner. Allerdings hat mir diese Angewohnheit über die Jahre sehr dabei geholfen, verschiedene Rollen vor der Kamera zu verkörpern. Nennen wir es also eine Berufskrankheit.


Bild 039_B81_8412_b_1400.jpg
Foto: Constantin Film

Vermissen Sie das Theater? Dort hat Ihre Schauspielkarriere immerhin ihren Ursprung gefunden.
Nein, tatsächlich vermisse ich das Theater absolut nicht. Ich glaube, dass ich viel zu wenig „Rockstar-Allüren“ habe, um dort langfristig glücklich sein zu können. In den letzten Jahren hat sich die Bühne immer mehr zu einem Spielfeld für Einzelgänger und Egoisten entwickelt. Jeder will nach vorne, jeder will die größten Rollen, jeder will im Mittelpunkt stehen. Am Ende leidet das Ergebnis darunter. Beim Film ist das anders. Es muss viel mehr im Team gearbeitet werden, und jeder Darsteller trägt zu einem tollen Resultat bei, ist der Auftritt auch noch so kurz.

Stichwort „tolles Resultat“: „Sauerkrautkoma“ ist als fünfter Teil der Rita-Falk-Krimiserie erneut ein voller Erfolg. Woran liegt das?
Ich glaube, die Antwort auf diese Frage ist recht simpel – die Leute lieben Krimis. In Rita Falks Fall wird das Genre zudem mit einer Menge Humor gemischt und ihre Bücher erzählen Geschichten aus  dem Leben. Ich denke, die meisten Menschen kennen einen „Franz Eberhofer“ oder  einen „Rudi Birkenberger“ aus der echten Welt. Selbst wer aus der Stadt kommt, war früher oder später einmal auf dem Land und weiß, wie  es dort zugeht. Falks Geschichten sind zwar fiktiv, aber authentisch. Darin liegt wahrscheinlich der größte Reiz.

Werden Sie der Rolle des Rudi Birkenberger nicht langsam müde?
Nein, absolut nicht. Ich habe Rudi über die Jahre sehr ins Herz geschlossen und liebe es, den Charakter zu spielen. Anfänglich sah ich in ihm lediglich einen lustigen, eingeschnappten Typen. Mit der Zeit konnte ich dann aber mehr und mehr verschiedene Facetten an ihm erkennen. Heute finde ich in Rudi Birkenberger zum Beispiel einen sympathischen Fundamentalisten, einen Mann mit Integrität und Rückgrat, einen guten Freund und noch vieles mehr. Außerdem stellt mich jede Falk-Verfilmung vor neue Herausforderungen. Obwohl es sich dabei um eine Serie handelt, bei der die Charaktere und Schauspieler größtenteils gleich bleiben, versuche ich Rudi Birkenberger von Film zu Film weiterzuentwickeln. Neues Skript, neues Spiel sozusagen.

Bild DSCF8217_b_1400.jpg
Foto: Constantin Film

Haben Sie über die Jahre gelernt, sich selbst mit der Person Rudi Birkenberger zu identifizieren?
Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass Rudi über die Jahre mehr von mir angenommen hat als ich von ihm. Aber ein paar Parallelen gibt es  mit Sicherheit zwischen uns. Unsere größte Gemeinsamkeit ist wahrscheinlich unsere Liebe zu Dosenravioli. Als Kind war ich regelmäßig mit meiner Familie zum Wandern in den Bergen. Wir haben oft gecampt und hatten als Verpflegung manchmal ganze Massen der kleinen Teigtaschen im Gepäck. Sie waren gut, billig, und man konnte sie zur Not sogar ungewärmt essen. Dass Rudi Dosenravioli so einigen anderen Gerichten vorzieht, verstehe ich also.

Man hört, Sie haben sich neben dem Dreh von „Sauerkrautkoma“ in letzter Zeit auch einem anderen großen Projekt Ihrer Karriere verpflichtet. Was hat es damit auf sich?
Ja – tatsächlich habe ich mich erstmals als Produzent versucht. Mit „Zerschlag mein Herz“, einer Geschichte über eine junge Roma-Liebe, habe ich die Seiten getauscht. Plötzlich stand ich nicht mehr nur vor, sondern auch einmal hinter der Kamera. Um ehrlich zu sein – ich könnte mich daran gewöhnen. Die Arbeit hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich habe vor, zukünftig noch öfter im Bereich der Filmproduktion tätig zu werden.  
 
Dabei hatten Sie mit „Zerschlag mein Herz“ bei Gott keinen leichten Einstand, oder?
Das stimmt. Als Neuling im Bereich der Produktion musste ich noch einiges lernen. Eigentlich sollte die ganze Geschichte nur ein Kurzfilm werden. Als mir die Regisseurin Alexandra Makarová von ihrer Idee erzählte, sah ich aber wahnsinnig viel Potenzial in der Story und wollte etwas Größeres daraus machen. Dass ich schließlich als Produzent am Film mitarbeitete, war anfänglich nicht einmal geplant. Ich nahm die Herausforderung trotzdem gerne an. Mit der Zeit wurde das Projekt immer umfangreicher, und ich musste erkennen, wie schwierig es in Österreich ist, als „Neuling“ im Geschäft an Förderungen zu kommen. Um den Film fertig zu drehen, setzte ich deswegen sogar eigenes Geld zur Finanzierung ein. Rückblickend haben sich der Aufwand und das Risiko aber allemal gelohnt – ich finde, „Zerschlag mein Herz“ gewährt Einblicke in eine faszinierende Kultur. Die Roma leben seit Jahrhunderten in Österreich und trotzdem wissen wir kaum etwas über sie. Wir haben das Mysterium mit einer mitreißenden Geschichte ein wenig durchsichtiger gemacht, und ich freue mich schon wahnsinnig auf Oktober, wenn der Film auf die Leinwand kommt.

Dann wird das restliche Jahr doch noch sehr aufregend für Sie?
Auf jeden Fall! Es steht noch einiges an. Neben einem neuen Falk-Krimi, den wir ab September drehen, werde ich auch an anderen Projekten mitarbeiten. Und dann natürlich die Premiere meines ersten eigenen Films – 2018 hat es allemal in sich.

Bild SKK_Hauptplakat_final_NEU_1400.jpg
Mysteriös. Im neuen Streifen „Sauerkrautkoma“ geht Simon Schwarz einem Mordfall auf die Spur.