Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 06.08.2018

"My home is my circus!"

Roncalli backstage. Die älteste Tochter von Zirkus-Boss Bernhard Paul tritt immer mehr in die Fußstapfen ihres Vaters. Die TIROLERIN traf Vivi Paul in der Manege und plauderte über den Zauber Zirkus.

Bild 1807_W_Roncalli_Aufmac.jpg
Foto: Stefan Joham

Popcornduft in der Luft, ­Artisten, Attraktionen, Nervenkitzel, Zirkusromantik pur: Seit über 40 Jahren tingelt Circus Roncalli – weltweit einer der traditionsreichsten Zirkusse – mit seinen 120 Wägen von Ort zu Ort und verzaubert Groß und Klein gleichermaßen. Die Töchter von Zirkus-Mastermind Bernhard Paul (71), Vivi (29) und Lilli (21), arbeiten nicht nur hinter den Kulissen mit. Schon im zarten Kindesalter standen beide in der Manege und gaben ihr ­akrobatisches Können zum Besten – wie einst Mutter Eliana Larible, die einer der ältesten Zirkusdynastien Europas entstammt. Die TIROLERIN durfte vorab die neue Show in Düsseldorf sehen und sprach mit der sympathischen Luft-Akrobatin Vivi über das aufregende Leben im Zirkus – und seine Zukunft.

 

Bild 1807_W_Roncalli-9.jpg
Foto: Stefan Joham

TIROLERIN: Von Kindesbeinen an stehen Sie in der Manege und begeistern mit akrobatischen Meisterleistungen. Wie kann man sich Ihren Alltag in der Roncalli-Welt vorstellen?

Vivi Paul: Mein Alltag ist ziemlich routiniert. Man tritt vielleicht nur sieben Minuten in der Manege auf, aber dahinter steckt irrsinnig viel Vorbereitung. Man ist eigentlich ständig am Trainieren. Man übt ja nicht nur für die aktuelle Show, sondern auch für die Jahre danach. Es ist aufregend, in einer neuen Stadt die Zelte aufzuschlagen. Das bedeutet für mich entdecken. Als Halb-Italienerin bin ich eine leidenschaftliche Esserin, deswegen ­verbringe ich meinen einzigen freien Tag in der Woche meistens mit kulinarischen Erkundungen. Was für meine Arbeit nicht der Hit ist, man muss da eigentlich ein bisschen leichter sein (lacht). Deswegen bin ich gerade auf einer Wassermelonen-Diät. 

Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, einen anderen Beruf auszuüben?

Ich bin ein kreativer Mensch, mit Zahlen zu jonglieren, wäre schon mal nichts für mich gewesen (lacht). Auch nichts Staubtrockenes wie ein Schreibtisch-Job, dafür bin ich zu viel mit dem hier aufgewachsen. Als Teenager war ich sprunghaft und wollte immer etwas anderes werden. Mal Kostümbildnerin, dann wieder doch Make-up-Artistin. Es hatte aber immer mit Kunst zu tun.

 

Bild 1807_W_Roncalli-3.jpg
Foto: Stefan Joham

Ihr Vater Bernhard Paul hat die Roncalli-Zirkuswelt aufgebaut, Ihre Mutter war eine berühmte Rollschuh­artistin. Gab es eine gewisse Erwartungshaltung, dass Sie in ihre Fußstapfen treten?

Meine Eltern haben sehr wohl gehofft, dass wir weiterführen, was sie aufgebaut haben. Meine Geschwister und ich wollten es aber ohnehin selbst. Roncalli ist wie unsere Geburtsstadt, unser Zuhause. Unvorstellbar, wenn es nicht mehr da wäre. Abgesehen davon ist es ein sehr schönes Aufwachsen im Zirkus. Man lernt ganz andere Werte kennen. Und wenn man sich heutzutage die Nachrichten anschaut, wird einem ja schlecht. Ich würde meine Kinder auch lieber hier aufwachsen sehen als da draußen. Der Zirkus ist wie eine Safe Zone, wie eine Box (lacht).

Wie sieht es mit der Privatsphäre im Roncalli-Dorf aus? Wie pflegt man Freundschaften und wie lernt man ­einen Mann kennen?

Außerhalb des Zirkuszeltes lernen wir kaum Leute kennen. Die meisten Freundschaften entstehen tatsächlich im Zirkus mit den Leuten, die ständig um einen herum sind. Es ist wie eine große Wohngemeinschaft mit Künstlern und Kreativen aus zig verschiedenen Ländern. Würde ich mir zum Beispiel Tinder anlegen – und das haben einige hier –, dann wäre das sofort ein Gossip-Gespräch, wie etwa: „Habt ihr gesehen, die Vivi ist auf der Suche.“ Wir sind halt wie ein kleines Dorf, in dem eben auch gerne getratscht wird (lacht).

 

Bild 1807_W_Roncalli-1.jpg
Foto: Stefan Joham

Wie sieht die Zukunft von Roncalli aus?

Wir sind ja zu dritt und können uns die Sachen sehr gut aufteilen. Unser  Bruder Adrian leitet die Show in Düsseldorf im Apollo-Theater, das auch zu uns gehört. Meine Schwester hat ­gerade ihr Abitur absolviert, und ich versuche mich zurzeit in neuen Bereichen im Zirkus, wie etwa der Artistenbetreuung. Ich will alles auffangen und viel lernen. Roncalli entwickelt sich weiter, wir werden umweltbewusster und verzichten seit heuer sogar auf Tiere. Das nächste Ziel: den Zirkus in Zukunft plastikfrei zu halten.