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People | 06.06.2018

TIROLERIN isch lei oans!

Eine kreative und mutige Idee sowie ganz viel Herzblut bildeten den Grundstein, der Rest ist Geschichte. Eine äußerst erfolgreiche! 30 Jahre TIROLERIN im Rückblick.

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TIROLERIN-Gründer Peter Schattanek. Foto: Archiv

Schreibt’s, wie’s redet’s“, pflegte Peter Schattanek zu sagen. Als Rat an die vielen Journalisten, die an der TIROLERIN mitwirkten. „1.000 Leute sollen in jeder Ausgabe drin sein“, war eine weitere Vorgabe, die Schattanek sich und seinem Team machte. Siegfried Weger, der seit mittlerweile 22 Jahren für das Magazin schreibt, erinnert sich nur zu gut und sehr gerne an die Arbeit mit dem inzwischen verstorbenen Gründer des Magazins. „Er war immer bescheiden, niemals arrogant. Alle haben ihn sehr geschätzt. Er sprühte vor positiver Energie. Er überraschte immer mit neuen Ideen“, gerät Weger ins Schwärmen. 

 

 

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Siegfried Weger. Foto: Katharina Zierl

Mutig. 1988 hatte Peter Schattanek die Idee, ein Magazin zu gründen. Ewas Besonderes sollte es werden. Und das wurde es. Seine Frau Gertrud gab als Chefredakteurin die inhaltliche Linie vor. Und tat das in Folge für mehr als 20 Jahre. Hatte die erste Ausgabe noch lediglich 40 Seiten, entwickelte sich die TIROLERIN mehr und mehr zum Fixpunkt in Tirols Medienszene. Anfangs vier Mal jährlich, erschien das Magazin immer öfter. Im ersten Stock eines Industriegebäudes in Fulpmes befanden sich Druckerei, Schneidemaschine, Faltmaschine, Chef- und Besprechungszimmer sowie das Archiv. Die Arbeitsbedingungen waren nicht mit den heutigen zu vergleichen, erzählt Weger: „Dunkelkammer, Film, Satzgeräte mit Bildschirm und Tastatur, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. 

 

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Die alte Redaktion. Foto: Archiv

Viele Beiträge kamen auch handgeschrieben in die Redaktion und wurden abgetippt.“ Trotz aufwändiger Arbeitsabläufe denkt Weger gerne an diese Zeit zurück. Der freie Journalist hat alle seine Beiträge in Ordnern gesammelt. Acht prall gefüllte Mappen sind es bislang geworden. Zu Beginn zeigte Weger in ausführlichen Reisereportagen sein journalistisches Gespür, seit 15 Jahren gibt er den Lesern in seinem Schauplatz Kunst einen Einblick in Tirols Kunstszene. Langweilig ist ihm in all den Jahren nie geworden: „Ich mache diesen Job immer noch sehr gerne. Ich habe durch ihn viele interessante Menschen kennengelernt.“

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Foto: Archiv

Weitblick. Dass Peter Schattanek mit seiner Art und seinem kreativen Geist nachhaltig Eindruck hinterlassen habe, betont auch Barbara Perktold, die viele Jahre lang für die TIROLERIN als Redakteurin tätig war: „Als Mitarbeiterin der ersten Stunde bewundere ich noch heute Peter Schattanek für seinen Weitblick, den er 1988 mit der Umsetzung des Projekts TIROLERIN bewiesen hat – genauso wie Jahre zuvor, als er den Mut hatte, die Lokalzeitung Kontakt zu gründen, die bis 1999 im Stubai- und Wipptal regelmäßig am Freitag erschienen ist.“ Auch Tochter Barbara Schattanek, die  der Redaktion die Treue gehalten hat und nach wie vor dort arbeitet, erinnert sich gerne an das Talent und Engagement ihres Vaters: „Jeder Tag war spannend. Ich habe viel von meinem Papa gelernt – beruflich, aber vor allem auch menschlich.“ Mit zunehmendem Erfolg wurde es langsam eng und das Team zog in ein extra gebautes Verlagsgebäude zwei Straßen weiter. „Auch wenn es ein Industriegebäude war, fühlte man sich wie in einem Familienhaus. Es war heimelig, gemütlich und sehr wohnlich“, erinnert sich Siegfried Weger.

 

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Foto: Archiv

 

Prägend. Ein Gebäude, das auch Daniela Mallaun sehr gut kennt. Sie ist mittlerweile seit 20 Jahren Teil des Teams und prägte das Magazin über viele Jahre wie keine zweite. „‚Tirolerin sucht Verlagsrepräsentantin‘ stand 1998 in einer Jobannonce der Tiroler Tageszeitung“, erzählt Daniela Mallaun. Tagelang lag sie am Küchentisch der Familie, wurde hin- und hergeschoben, überblättert und landete schließlich im Müll. Erst in letzter Minute griff die damalige Lokalpächterin, hungrig nach neuen beruflichen Herausforderungen und müde von den vielen Nachtschichten, zum Hörer. 

 

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Daniela Mallaun. Foto: Ursula Meyer

Als das Telefon an jenem Tag klingelte, stapelten sich auf Peter Schattaneks Schreibtisch bereits über 30 Bewerbungen. Seine Entscheidung, wer die TIROLERIN in Zukunft nach außen vertreten sollte, hatte er eigentlich schon getroffen. Aber es wäre wohl keine Erfolgsgeschichte, hätte nicht auch ein Quäntchen Schicksal mitgemischt. „Wir haben am Telefon dann aber noch ein wenig geplaudert, bis er meinte, ich solle doch noch vorbeikommen.“

Good news. Keine Stunde später saß Daniela in der Redaktion im Fulpmer Industriegebiet. Noch am selben Abend kam der entscheidende Anruf: Daniela Mallaun wurde die neue Verlagsrepräsentantin der TIROLERIN. Die allererste Veranstaltung führte die frischgebackene Repräsentantin schon bald auf einen Alpengasthof auf schwindeliger Höhe und gefühlt ans Ende der Welt: „Kein Navi, ich hatte nur eine Adresse.“ Entgegen all ihrer Erwartungen erreichte sie ihr Ziel doch noch, nur um nach zwei Knipsern an der Kamera verdutzt festzustellen, dass ein paar Ersatzbatterien nicht geschadet hätten. So stand sie da: die Kamera tot, die Hoffnung auf eine lange Karriere auch. „Ich dachte mir nur: So, das war’s.“ Heute kann sie herzhaft darüber lachen.

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Promi-Treff mit Hansi Hinterseer. Foto: Archiv

Promi-Treff. Bald darauf wurde die Idee des monatlichen Promi-Treffs geboren, der über die Jahre zur fixen Society-Institution im regionalen Raum avancierte. Was nach außen hin oft nach purem Vergnügen aussah, erforderte eine gehörige Portion Unermüdlichkeit. Besonders im prädigitalen Zeitalter galt für Daniela nämlich: Nach der Arbeit ist vor der Arbeit. Während die letzten Gäste nach einer langen Partynacht noch weiterzogen oder ins Bett fielen, hieß es für die Society-Expertin durchhalten: Noch schnell um drei Uhr morgens Film beim Entwickler einschmeißen, um acht Uhr Fotos abholen, aussortieren, einpflegen, Text dazu – das macht stressresistent. „Eigentlich musste man alles machen“, strikt getrennte Aufgabengebiete oder gar Ressorts gab es im Grunde nicht. „Herr Schattaneks tiefes Vertrauen meiner Arbeit gegenüber war mir in den 15 Jahren unserer Zusammenarbeit eine große Ehre.“

 

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Promi-Treff mit Semino Rossi. Foto: Archiv

Erfolg. Die Hefte wurden dicker, der Erfolg wurde immer größer. Das Schwelgen in bunten Erinnerungen macht nach so vielen Jahren des Erfolgs nur noch mehr Freude. Aber auch wehmütig. Die Frage nach dem Lieblingskünstler, den sie als (unbezahlten) Stargast bei einem ihrer Promi-Treffs willkommen heißen durfte, kann Daniela nicht beantworten. Zu viele positive Erfahrungen machen ihr die Auswahl unmöglich: „Mich fragen die Leute immer, wie die Künstler denn so drauf sind. Ich kann dann nur sagen: 99 Prozent sind absolut bodenständig und nahbar. Allüren gab es nie.“ 

 

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Helene Fischer beim Promi-Treff. Foto: Archiv

Seitenstark. Auch Ingeborg Wagner verbindet mit der TIROLERIN nur die besten Erinnerungen, wie sie im Gespräch erzählt: „Der Weg der TIROLERIN verlief von Anfang an unbeschreiblich spannend und ereignisreich, forderte mich in meiner Funktion als Lektorin nahezu ein Vierteljahrhundert immer wieder aufs Neue heraus und lässt mich heute auf eine im wahrsten Sinne des Wortes ‚seitenstarke Zeit‘ zurückblicken.“ Spannend waren auch die vielen Geschichten, die im Magazin über die vielen Jahre erschienen. Weit über die Grenzen Tirols hinaus war die TIROLERIN bekannt. Stars wie Uschi Glas riefen regelmäßig in der Redaktion an. Was die Storys betraf, brauchte sich das Magazin nie vor anderen größeren verstecken. So wurde etwa 1995 exklusiv über die Hochzeit von Diana Langes-Swarovski mit dem Aristokraten Joaquin Fernandez berichtet. Auch die Liaison zwischen Sylvester Stallone und der Tirolerin Andrea Wieser war Thema. Eine Homestory bei Otto von Habsburg zählt genauso zu den Highlights wie zahlreiche Gastkommentare von Karlheinz Töchterle.

 

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Ingeborg Wagner. Foto: Archiv

Die redaktionellen Beiträge des verurteilten Mörders Jack Unterweger, der auch immer wieder selbst in der Redaktion auftauchte, sorgten für Aufsehen. Dass es Peter Schattanek nicht an Mut und Kreativität mangelte, zeigten auch die Ableger Südtirolerin, Vorarlbergerin oder Tiroler, die er auf den Markt brachte. 

Umbruch. Vor zwölf Jahren beteiligte sich schließlich die Moser Holding an der TIROLERIN. Ein großer Umbruch stand an. „Die Verunsicherung in der bestehenden Mannschaft war naturgemäß groß. Peter Schattanek führte die TIROLERIN aber mit einem unglaublichen Gespür für Menschen in die nächste Ära“, erinnert sich Andreas Eisendle, Geschäftsführer der TIROLERIN und der nationalen Magazin-Gruppe Bundesländerinnen. „Sein Team war immer seine erweiterte Familie, die ihm wahnsinnig viel bedeutete. Wichtig war für uns immer, die TIROLERIN als eigenständiges und unabhängiges Produkt fortzuführen und im Sinne des Gründers weiterzuentwickeln“, betont Eisendle.

 

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Andreas Eisendle und Marius Wolf. Foto: Archiv

Umzug. 2012 schließlich zog das gesamte Team von Fulpmes in die Räumlichkeiten der Moser Holding in die Brunecker Straße nach Innsbruck. Eine große Herausforderung, erinnert sich Marius Wolf, seit dieser Zeit Geschäftsführer der TIROLERIN: „Das war für alle eine Riesenumstellung. Aber auch eine große Chance. Die TIROLERIN ist ins Herz Tirols gewandert und konnte dann auch alle Möglichkeiten des großen Konzerns nutzen.“ Die Eigenständigkeit des Magazins habe dadurch nicht gelitten, betont Wolf: „Die TIROLERIN war und ist einzigartig und nicht mehr wegzudenken. Das wird auch so bleiben.“