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Lifestyle | 14.06.2017

Flying High

Sie wollen etwas Neues probieren, sind aber noch unsicher, ob Sie sich wirklich trauen? Lassen Sie sich von der TIROLERIN-Challenge inspirieren. Beim Tandem-Paragleiten im Stubaital schnupperten wir Höhenluft. Fazit: Tun Sie’s!

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Fotos: Birgit Pichler

Loslaufen. Loslassen. Abheben. Genießen. Es ist ein unvergleichliches Gefühl, sich mit dem Gleitschirm durch die Lüfte zu bewegen. Eines, das man nicht so schnell vergisst. Sagen alle, die das Flugfieber bereits gepackt hat. Wir wollten wissen, was es mit der Begeisterung Paragleiten auf sich hat und haben einen Tandemflug im Stubaital ausprobiert.

„Du musst einfach loslaufen, nicht zweifeln oder zögern, dann passt das“, sagt Florina Eller noch vor dem Abflug. Gemeinsam mit der erfahrenen Tandempilotin, die bei der Flugschule Para-fly in Neustift auch selbst Kurse leitet, fahre ich mit dem Elferlift zum Startplatz. Der Blick aus der Gondel bietet eine Traumkulisse – viele bunte Gleitschirme am Himmel inklusive. Nervosität und Vorfreude wechseln einander ab. Kaum zu glauben, dass ich gleich fliegen werde, denke ich, und versuche, negative Gedanken erst gar nicht aufkommen zu lassen. „So richtig Angst hatte ich beim Fliegen eigentlich noch nie“, beruhigt mich die 25-jährige Pilotin. „Aber ein Grundrespekt ist sehr wichtig“, erzählt Eller. Respekt vor dem, was gleich kommt, habe ich auf jeden Fall. Erstaunlicherweise spüre ich keine Angst. Nachdem mir Florina das Gurtzeug umgelegt hat, wird es ernst. Ich stehe vor ihr auf dem Wiesenstartplatz. „Alles okay? Dann geht’s los!“, sagt sie. Wir laufen, der Schirm bäumt sich über uns auf, der Boden unter unseren Füßen verschwindet. Wir fliegen. Ungläubig und fasziniert schaue ich mich um. Der Sitz ist überraschend bequem und fühlt sich sicher an. Der vorsichtige Blick ins Tal ist atemberaubend und surreal zugleich. „Wahnsinn“, sage ich und kann es nicht so ganz glauben. Die Bewegung durch die Luft ist geschmeidig, von Hektik weit und breit keine Spur.

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Flugmodus ein. Florinas Eltern haben Parafly 1986 gegründet, die 25-Jährige ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Flugschule. Von Mai bis Oktober herrscht Hochbetrieb. Fliegen kann man – wenn einem die Kälte nichts ausmacht – das ganze Jahr über. „Ich war ungefähr ein Jahr alt, als ich zum ersten Mal mitgeflogen bin“, erzählt Eller. Für sie habe es sich immer ganz normal angefühlt, in der Luft unterwegs zu sein. „Es war fast schon alltäglich und nichts Besonderes.“ Dann, mit 19, wurde die Stubaierin so richtig vom Flugfieber gepackt. „Die Faszination“, schwärmt Florina, „ist die komplette Ruhe und die Tatsache, dass man in der Luft geduldet wird, wenn man bestimmte Regeln befolgt.“


Die Zeit verfliegt. Anders als erwartet, können Florina und ich uns während des rund 17 Minuten dauernden Fluges völlig entspannt unterhalten. Sie zückt ihre GoPro-Kamera und macht Fotos, während ich kurz die Steuerleinen übernehmen darf. Die befürchtete Angst bleibt weiterhin aus. Ich bin nicht die einzige, die den Traum vom Fliegen bei einem Tandemflug erleben möchte. Die Reaktion beim ersten Mal sei bei jedem völlig unterschiedlich, erzählt Florina: „Natürlich sind viele sehr nervös, wenn sie oben stehen.“ Dennoch: Nur in den wenigsten Fällen entscheiden sich die Mutigen, dann doch nicht mitzufliegen. Und noch etwas haben fast alle gemeinsam: „Die Begeisterung nachher ist groß. Viele sind geradezu euphorisch überrascht, wie ruhig und sicher man sich in der Luft mit dem Gleitschirm bewegen kann“, erzählt Florina.
BL_Fließtext2: Schirmherrschaft. Die junge Paragleiterin strahlt selbst eine große Sicherheit aus, von der ich mich zunehmend anstecken lasse. Ein ungewohnt großes Vertrauen in das Unbekannte, in diesen Gleitschirm und in die Luft, durch die wir uns bewegen, macht sich breit. „Ein bisschen erinnert die Bewegung an die beim Tauchen. Ähnlich ruhig und geschmeidig“, meint Florina, die zwischendurch ein paar schärfere Kurven dreht. Man müsse bestimmte Regeln befolgen, dann sei das Para-
gleiten sicher. „Es kommt wie bei allen Dingen im Leben auch immer sehr stark auf die Person an. Man kann alles ausreizen“, erklärt Florina. In den allermeisten Fällen liege ein Absturz am Fehlverhalten des jeweiligen Piloten. „Ich halte mich an die Regeln und habe immer ein sicheres Gefühl.“ Die Erfahrungen, welche die Paragleiterin macht, sind trotzdem außergewöhnlich. Vor allem auf ihren vielen Reisen. „Egal ob in Bali, Südafrika oder der Türkei – ich habe immer meinen Schirm dabei. Da verzichte ich lieber sonst auf viel Gepäck und kaufe mir, was ich brauche, im jeweiligen Land“, lacht Florina. „Ich kann die Welt mit meinem Schirm mit anderen Augen sehen. Das ist etwas ganz Besonderes.“


Landeanflug. Mit anderen Augen sehe ich die Welt auch bei meinem Tandemflug. Langsam nähern wir uns dem Boden, die Häuser werden größer, die Realität rückt ein Stückchen näher. „Ich setze mich kurz, bevor wir den Boden erreichen, quasi neben dich, und du machst, wenn wir landen, ein paar Schritte“, instruiert mich Florina gegen Ende dieses außergewöhnlichen Erlebnisses. Wir landen sanft. Der Boden hat mich zurück. Erleichterung, Stolz und ein umfassendes Glücksgefühl breiten sich aus. „Hat’s dir getaugt?“, fragt mich Florina. Ja! So gut, dass ich insgeheim überlege, wann ich wieder den Abflug mache. Man könnte rein theoretisch auch selbst den Paragleitschein machen. Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu probieren.

Impressionen von ganz oben:
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