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Lifestyle | 10.04.2017

Solche Niesmacher

Sie sind es, die vielen den Frühlingsanfang vermiesen: Pollen. Doch welche Gerüchte rund um den Heuschnupfen stimmen eigentlich und welche nicht? Die TIROLERIN holt sich professionellen Rat und räumt mit den größten Mythen auf.

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Der Frühling ist bekanntlich die schönste Zeit im Jahr: Es wird wärmer, heller, und mit der Natur erwachen auch wir. Grund zur Freude ist das allerdings nicht für jeden. Wer von Heuschnupfen und Pollenallergien geplagt wird, empfindet den Anbruch der warmen Jahreszeit oft als regelrechte Tortur: Die Nase rinnt, die Augen tränen, das Atmen fällt schwer. Mittlerweile gibt es verschiedenste Ansätze zur Linderung dieser und anderer Beschwerden. Doch was hilft wirklich? Und welche Mythen rund um die lästigen Frühlingsbegleiter dürfen wir letzten Endes glauben? Wir haben den Allgemeinmediziner Dr. Heinz Neumayer für Sie getroffen, um die wichtigsten Fakten rund um Heuschnupfen für Sie zu klären.

 

Mythos 1: In der Stadt sind Pollen aggressiver als auf dem Land.

„Tatsächlich gibt es Beweise dafür, dass Pollen in der Stadt aggressiver sind. Während man eigentlich das Gegenteil vermuten würde, weil in ländlichen Gebieten schlichtweg mehr Pflanzen vorkommen, gibt es einen simplen Grund für die höhere Allergiebelastung in Städten: Birkenpollen bilden unter Umweltstress vermehrt die Substanz aus, die für Betroffene zur Plage wird. Abgase und Feinstaub fördern also die Ausbildung des quälenden Blütenstaubs, was Städte zu wahren Ballungszentren von Pollen macht.“

 

Mythos 2: Im Winter gibt es keine Pollen.

„Stimmt, jede Pflanze gibt nur in einer bestimmten Saison Pollen ab. Allerdings scheinen die Blüteperioden von Pflanzen immer länger zu werden. Durch äußere Umwelteinflüsse wie die Erderwärmung nähern wir uns  an eine Art zwölfmonatige Pollenzeit an. Die ersten Frühblüher können dabei bereits im Jänner auftauchen. Gräser wie Kräuterbleifuß und Traubenkraut haben teilweise bis Ende September Saison.“

 

Mythos 3: Impfen erhöht das Risiko für Allergien.

„Das ist absoluter Blödsinn! Einen guten Beweis dafür bildet eine Studie zu Überempfindlichkeiten in der ehemaligen DDR. Trotz einer strikten Impfpflicht gab es dort kaum Allergien. Durch den Zusammenschluss mit der damaligen BRD sank die Impfrate immens und die Zahlen der Allergien glichen sich dem Westen an. Ein Zusammenhang zwischen Schutzimpfungen und allergischen Reaktion kann also ganz klar ausgeschlossen werden.“.

 

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Fotos: Shutterstock

Mythos 4: Allergien sind vererbbar.

„So kann man das nicht unbedingt sagen. Was allerdings stimmt, ist, dass die Neigung zu Allergien vererbbar ist. Sind beide Elternteile allergisch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die Kinder später einmal betroffen sind.“

 

Mythos 5: Nach dem Regen ist die Belastung durch Pollen weniger schlimm.

„Outdoor ja, indoor nein! Da helfen nur ein guter Staubsauger mit Mikropartikelfilter, feuchtes Wischen und
regelmäßiges Lüften.  Ein guter Tipp für Menschen mit langen Haaren ist es, diese zu waschen, wenn man nach Hause kommt. Sonst werden Pollen von draußen eventuell mit in die Wohnung getragen.“

Mythos 6: Antihistaminika machen uns müde.

„Tatsächlich ist das Grundmolekül des Medikaments ähnlich dem in Beruhigungsmitteln. Ältere Antihistaminika hatten deswegen durchaus eine erschlaffende Wirkung auf uns. Mittlerweile zählt Müdigkeit zwar noch zu den möglichen Nebenwirkungen, ist aber nur mehr selten Effekt der Einnahme von Heuschnupfenbekämpfern.“

 

Mythos 7: Der Klimawandel begünstigt Pollenallergien.

„Durch die immer weiter voranschreitende globale Erwärmung verlängert sich wie gesagt auch die Periode, in der Pollen aktiv werden. Was der Klimawandel auf jeden Fall begünstigt, ist die natürliche Ansiedlung neuer Pflanzen- und damit Pollenarten, die Allergien hervorrufen können.“

 

 

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Mythos 8: Allergien belasten vor allem unsere Augen.

„Bei Augen und Atemwegen merken wir Symptome am deutlichsten. Allergien lösen eine Reizung zu Tränenfluss aus, durch verunreinigte Hände und Reiben kommen die Pollen ins Auge. Im Winter treten vor allem Probleme durch zu niedrige Luftfeuchtigkeit auf, die unsere Augen ebenso stark belastet. Es ist generell wichtig, dass das Auge nicht zu trocken ist, sonst haben auch Pollen ein leichteres Spiel.“

 

Mythos 9: Eine Allergie kann plötzlich verschwinden.

„Bei Allergien gilt im Generellen das Mantra: Alles ist möglich! Obwohl das plötzliche Verschwinden einer Überempfindlichkeit eher unwahrscheinlich ist, kann eine derartige ‚Wunderheilung‘ durchaus vorkommen. Allergien kommen und gehen, wie sie wollen.“

 

Mythos 10: Hypersensibilisierung heilt Allergien.

„Im Bestfall trägt eine Hypersensibilisierung dazu bei, Allergiesymptome verschwinden zu lassen. Der Erfolg der Therapie ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Durch das schrittweise Vertrautmachen des Körpers mit Allergenen ist die Wahrscheinlichkeit allerdings groß, zumindest eine partielle Linderung der Beschwerden zu erzielen.“

 

Gut zu wissen.

Der Österreichische Pollenwarndienst (www.pollenwarndienst.at) hat gemeinsam mit dem DWD (Deutscher Wetterdienst, www.dwd.de) und der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, www.zamg.ac.at)  eine spezielle Pollen-App erstellt, die eine dreitägige Pollenprognose gewährleistet. Für Allergiker eine wahre Erleichterung im Alltag!