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Lifestyle | 05.02.2018

Operation Neustart

Wer beruflich etwas verändern will, muss sich nur trauen. Wir sagen Ihnen, wie ein Karriere-umstieg für Sie persönlich zum Aufstieg wird.

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Foto: Shutterstock

Die Gründe, warum sich im Berufsleben Unzufriedenheit einschleicht, sind grundverschieden: Viele können sich eigentlich nicht über ihre Arbeit, ihre Bezahlung, die Arbeitszeiten beschweren. Und doch ... Der Gedanke daran, nochmal neu zu beginnen, das berühmte „Was wäre, wenn ...“ lässt sie einfach nicht los. Andere wiederum waren noch nie richtig mit ihrer Berufswahl zufrieden. „Viele Menschen konnten sich in jungen Jahren ihren Beruf nicht selbst aussuchen: Sie machten die Lehre beim Nachbarn, wurden von ihren Eltern zu einem Job überredet oder mussten das Familienunternehmen übernehmen. Irgendwann aber kommt der Zeitpunkt, an dem man sieht, dass andere auch von neu beginnen, sich endlich selbst verwirklichen. Dann drängt sich oft die Frage auf, ob das für einen selbst auch möglich ist“, weiß Cornelia Passer. Sie steht als Beraterin bei der bildungsinfo-tirol in der Innsbrucker Wilhelm-Greil-Straße all jenen mit Rat und Tat zur Seite, die über einen Karriere-Neustart nachdenken. Als unabhängige Beratungsstelle können hier in Innsbruck, aber auch in Landeck, Reutte, Imst, Telfs, Schwaz, Kufstein, Kitzbühel und Lienz Informationen über die Möglichkeiten eines Jobwechsels eingeholt werden.

Jeder Tag ist ein neuer Anfang.
„Sich beruflich neu zu orientieren, ist keine Entscheidung, die man vorschnell von heute auf morgen trifft, sondern viel mehr ein Prozess“, weiß auch Maria Steibl, Geschäftsführerin der amg-tirol, Koordinations-, Kontakt- und Anlaufstelle für alle Einrichtungen am Tiroler Arbeitsmarkt. Wer sich mit seiner Jobwahl immer häufiger unglücklich fühlt, sollte dieses Gefühl nicht ignorieren, sondern dem auf den Grund gehen. Als ersten Schritt empfiehlt sich eine unverbindliche Beratung: „Viele Menschen suchen eine Beratungsstelle auf, obwohl sie noch keine konkreten Ideen haben. Sie spüren, dass sie etwas ändern müssen, aber wo sie ansetzen möchten, wissen sie noch nicht. Wir erarbeiten dann gemeinsam einen Plan, wo es hingehen könnte“, erklärt Passer.  

 

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Kleine Schritte, große Wirkung.
Wichtig ist zu sagen, dass es dabei nicht immer zwingend darum geht, einen kompletten Jobwechsel zu unternehmen, denn Unzufriedenheit im Job ist nicht unbedingt mit der falschen Berufswahl gleichzusetzen. Manchmal können auch kleine Veränderungen am jetzigen Arbeitsplatz viel bewirken. Nicht nur deshalb sollte man von vorschnellen Entscheidungen absehen und nicht bei erstem Unmut die Flinte ins Korn werfen. Wer in seinem Job nicht mehr glücklich ist, sollte sich überlegen, ob dies immer schon so war: Denken Sie nach, welche Umstände sich ändern müssten, damit Sie wieder gern zur Arbeit gehen. Vielleicht haben Sie ein neues Aufgabengebiet übernommen, das Ihnen nicht liegt. Eventuell führen Sie aber auch schon seit Jahren die selbe Arbeit aus und wünschen sich, Ihre Tätigkeiten zu erweitern und sich innerhalb Ihres Berufsfeldes weiterzubilden. In beiden Fällen lohnt es sich, die Möglichkeiten innerhalb Ihres Unternehmens auszuloten und sich dort die notwendige Unterstützung zu holen, bevor Sie das Handtuch werfen und den vermeintlich kompletten Neustart ansteuern.  

Alles neu.
Wer zu größeren beruflichen Veränderungen tendiert, sollte im Vorfeld einige Fragen klären, um so ein genaues Bild von der Situation zu bekommen. „Hier geht es um die Person selbst: Möchten Sie in einem dynamischen Umfeld arbeiten? Viel unterwegs sein? Überlegen Sie auch, welche Tätigkeiten sowohl in der Freizeit als auch in Ihrem bisherigen Berufsleben Ihnen am meisten Spaß gemacht haben. Lassen Sie Feedbackrunden und Kritiken Revue passieren und machen Sie sich so Ihrer Stärken bewusst“, rät Passer. Wichtig ist auch, darüber nachzudenken, was Sie in der Vergangenheit gestört hat und auf welche Tätigkeiten Sie in Zukunft getrost verzichten könnten. So können Sie ein klares Bild davon zeichnen, wie Ihre neue berufliche Laufbahn im Idealfall gestaltet sein sollte. Zusätzlich lassen sich Stärken, Werte und Interessen online mit verschiedenen Tools erarbeiten.  
Konkrete Vorstellungen. Für Inspiration in Sachen Zukunft sorgen Stellenportale, die Berufsdatenbank www.bic.at oder auch die Datenbank des AMS. Ist der mutmaßliche Traumjob dann gefunden, sollten die folgenden Fragen geklärt werden: Muss ich dafür eine neue Ausbildung absolvieren, vielleicht sogar einen Bildungsabschluss wie die Matura nachholen? Über den zweiten Bildungsweg könnten Sie die Berufsreifeprüfung ablegen. Wichtig sind aber nicht nur etwaige Voraussetzungen, sondern auch der Reality Check, wie Passer erklärt: „Hier stellt sich vor allem die Frage, ob ich es mir leisten kann, noch eine Ausbildung zu absolvieren – nicht nur finanziell, sondern auch in Bezug auf meine persönliche Auslastung.“

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A Woman’s World.
Gerade als Frau ist es nicht immer einfach, Familie und Job zu jonglieren. Wer jetzt nebenbei noch eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren möchte, kann schnell ins Schleudern geraten, denn die Herausforderungen sind  vielfältig.  „Wenn ich beispielsweise im hinteren Ötztal wohne, ist es schwer für mich, ein Bildungsangebot in der Nähe zu finden. Nicht jede Familie verfügt über ein zweites Auto, und die Frequenz der öffentlichen Verkehrsmittel gerade in ländlichen Gegenden macht es den Frauen unmöglich, weitere Wege auf sich zu nehmen“, weiß Steibl und fügt hinzu: „Gesamtgesellschaftlich ist hier noch sehr starker Aufholbedarf. Frauen haben noch immer ein schlechteres Einkommen und bekommen eine schlechtere Pension. Häufig werden sie auch mit der Kinderbetreuung allein gelassen – gerade für Frauen ist es deshalb entscheidend, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen können.“

Finanzspritze.
Aber nicht nur die Vereinbarkeit spielt eine große Rolle, warum viele Menschen vor einem Neubeginn zurückschrecken. Auch finanziell kann es schnell zur Zerreißprobe werden. Um Menschen, die ihren Beruf wechseln möchten, unter die Arme zu greifen, gibt es hier eine Vielzahl von Stipendien. „In den Beratungen wollen die Menschen oft über Förderungen sprechen, aber trauen sich nicht, das Thema anzuschneiden. Es soll ja nicht nur ums Geld gehen. Wir aber wissen, dass dies ein entscheidendes Thema sein kann, und raten dazu, sich auf jeden Fall genau zu informieren“, gibt Passer zu bedenken.


Immer in Bewegung.
Die Arbeitswelt wurde in den letzten Jahrzehnten einem starken Wandel unterzogen. Doch die vielen Möglichkeiten, die sich heutzutage bieten, sind nicht nur Segen, sondern auch Fluch, wie Passer berichtet:„ Gerade wenn man so jung ist, fällt es schwer, aus so vielen Möglichkeiten die richtige Entscheidung zu treffen. Das überfordert und stresst viele.“ Die Dynamik am Arbeitsplatz werde immer größer und immer weniger Personen blieben vom Schulabschluss bis zur Pension im selben Job. Aus- und Weiterbildung wird zur unabdingbaren Kernkompetenz. Doch Steibl bleibt zuversichtlich: „Gerade wenn Personen gezwungen sind, ihre Stelle zu wechseln, kommt oft verborgenes Potenzial zum Vorschein. Man schafft viel mehr, als man sich zutraut.“

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Unsere Experten:

Cornelia Passer arbeitet in der Info-stelle von bildungsinfo-tirol in Innsbruck als Beraterin und steht für alle Fragen zum Thema Jobwechsel sowie Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Kostenlose Beratungen können sowohl telefonisch als auch vor Ort vereinbart werden. Maria Steibl ist als Geschäftsführerin der amg-tirol tätig. Die amg-tirol fungiert als Koordinationsstelle, Trägerin von Arbeitsstiftungen sowie Projekten und setzt neue arbeitsmarktpolitische Initiativen um.