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Lifestyle | 09.05.2019

Mama ist eine Heldin

Starke Mütter: Der Hartnäckigkeit von Andrea Artner verdanken ihre Zwillinge einen erfolgreichen Start ins Leben. Gudrun Maurer ist seit einem tragischen Unfall Alleinerziehende von Drillingen.

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Familie Artner. Andrea mit den Töchtern Magdalena (l.) und Michaela. © Viktória Kery-Erdélyi

Zu Besuch in Bad Großpertholz im Waldviertel. Hier lebt Familie Artner – mit Sohn Alexander, 20, und den Zwillingen. ­Magdalena war vor 18 Jahren die erste, Michaela folgte ihr 15 Minuten später – mit den Füßen voran. „Geheißen hat’s, ich werde sie früher mit Kaiserschnitt bekommen müssen“, schildert Mama Andrea Artner. „Das hat es dann nicht gebraucht und sie kamen sogar erst in der 39. Woche.“


Die Mädchen, die zwar keine eineiigen Zwillinge sind, einander aber täuschend ähnlich sehen, entwickelten sich prima – mit einer Ausnahme: ihre Sprache. „Wir haben nicht viel ­gebraucht, um uns zu verstehen: Ein paar Worte und Blicke haben gereicht“, beschreibt Michaela die Kommunikation mit ­ihrer Zwillingsschwester. Sie bastelten, spielten und lösten gar Kindersudokus, „aber wir haben nicht in Sätzen gesprochen“, ergänzt Magdalena.


Die Zwillinge waren schon fast vier Jahre alt, doch die Art der Verständigung veränderte sich nicht. „Da wusste ich, dass ich etwas tun muss, sonst bleiben sie später auf der Strecke“, sagt ihre Mutter. Weil es Zufälle nicht gibt: Sie begegnet der Ergotherapeutin und Osteopathin Beatrix Hahn-Kratochwil, die eine der wichtigsten Begleiterinnen der Familie wird. Zudem sucht sie mit ihren Töchtern Rat im Förderzentrum Gmünd. Ihre Vermutung bestätigt sich: Die Mädchen bedienten sich einer sogenannten Zwillingssprache. Sie hatten sich eine eigene Kommunika­tionsform konstruiert.

Mit der Kraft der Musik. Die ersten Erfolge stellen sich mit Musiktherapie ein, hinzu kommen Logopädie und Ergotherapie. Zusätzlich fördert sie ihre Mutter mit kreativen Übungen. „Dabei musste ich auch schauen, dass Alexander, unser Großer, nicht zu kurz kommt“, erzählt sie und fügt sofort hinzu: „Das alles klappte überhaupt nur, weil wir uns alle gegenseitig unterstützt haben: mein Mann, die Großeltern im Haus, meine Schwestern, überhaupt die ganze Familie.“


Als die Zwillinge sechs Jahre alt sind, sind die Fortschritte unüberhörbar. Dennoch rät eine Expertin vom Schuleintritt ab. „Die Mädchen wurden im November geboren; sollten sie jetzt noch ein Jahr verlieren? Wir wussten ja, dass sie gescheit sind“, ­erzählt Andrea Artner. Also meldet sie die Kinder in der Volksschule an. „Wir haben schon im ersten Halbjahr lauter Einser gehabt“, sagt Magdalena stolz.


Für ihren schulischen Erfolg und ihr soziales Leben entwickelten die Zwillinge früh kluge Strate­gien. „Freundinnen wurden für uns zu Botschafterinnen“, erzählt Michaela ­lachend. Die Volksschule absolvieren sie – auch mit Unterstützung einer ehrgeizigen Pädagogin – ohne Probleme; soziale Komplikationen rollen in der Hauptschule auf sie zu. „Da waren Streitereien, bei denen wir uns gerne verteidigt hätten. Aber wir hatten Angst, dass wir uns nicht so gut ausdrücken können und haben oft lieber nichts gesagt. Da ­waren wir oft traurig“, erinnert sich Magdalena.

,,Danke, Mama, dass du für uns alles ­getan hast, damit unsere Zukunft leichter und besser wird. Du bist die beste Mama, die man sich wünschen kann." - Deine Kinder Alexander, Magdalena & Michaela. (Überraschungsgruß)

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Andrea mit den Töchtern Magdalena und Michaela, Sohn Alexander und Ehemann Franz. © Viktória Kery-Erdélyi

Derartige unerfreuliche Begebenheiten gehören dank des Engagements  ihrer Mutter längst der Vergangenheit an. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr fährt sie wöchentlich ins Förderzen­trum nach Gmünd, besucht mit ihnen regelmäßig die Osteopathin.


Erfolgreich. Die Zwillinge schlugen schließlich unterschiedliche Wege ein. Magdalena ist im dritten Jahr ihrer Lehre zur Konditorin. Kürzlich absolvierte sie in Italien ein Auslandspraktikum im Rahmen der Wirtschaftskammer-Initia­tive „Let’s Walz“; beim Landeslehrlingswettbewerb errang sie Platz zwei. Derzeit übt sie eifrig Pralinen, Marzipanfiguren und kunstvolle Torten – für den Bundeslehrlingswettbewerb.


Ihre Schwester Michaela brennt dagegen für die Natur. Sie besucht die Gartenbauschule in Langenlois und freut sich auf eine baldige Zukunft als Gartengestalterin.
Die Zwillinge sind stolze Marketenderinnen der Trachtenkapelle Bad Großpert­holz. Wenn sie gemeinsam unterwegs sind, ziehen sie sich bis heute gleich an. „Spaßhalber“, lachen sie. Sie bleiben unzertrennlich ...


Die starke Drillingsmama

,,Fünf Minuten vorher hat sie noch ­geweint, weil sie kein Spangerl mithatte“, zeigt Gudrun Maurer schmunzelnd auf eines der drei zauberhaften Mädchen in blauen Kleidern auf dem Bild (siehe Foto rechts oben). Behutsam nimmt sie es von der Wand. Es ist das letzte Familienfoto, entstanden im ­Urlaub auf der Insel Krk, das auch ihren Ehemann zeigt. „Wir waren eins, so etwas kommt nie wieder“, seufzt sie.

„Es scheint, als könnte ich das erste Mal seit Jahren innehalten“, sagt sie. Endlich kann sie das Tempo reduzieren, seit sie sich dazu durchgerungen hat, in Pension zu gehen. Die vergangenen sieben Jahre wollte Gudrun Maurer für ihre Drillinge da sein und parallel dazu den gemeinsamen Weinbaubetrieb gut weiterführen. „Ich glaub’, ich wollte auch dem Hannes bewei­sen, dass ich das kann. Ich hab’s geschafft, nicht ­einen Weinstock musste ich verkaufen“, sagt sie und ein stolzes Lächeln ­umspielt ihre Lippen.


Auf dem Tisch flackert eine Kerze neben seinem Foto; unter dem Dach der Maurer-Frauen in Reith bei Schiltern geht sich neben der Trauer dennoch viel Lebensfreude aus. Sie und ihre mittlerweile 15-jährigen Töchter verreisen gemeinsam, unternehmen Tagesausflüge. „Ich will die Zeit, die mir bleibt, gesund und glücklich mit ihnen erleben“, sagt Gudrun Maurer.


Beim Mama-Werden war sie eine „Spätberufene“. Geplant war das so nicht. Jahre hindurch versuchte das Paar mit medizinischer Hilfe der ­Natur auf die Sprünge zu helfen. „Die 21. künstliche Befruchtung klappte endlich, da war ich 42“, erzählt sie. „Die Schwangerschaft war die schönste Zeit – und erst danach! Es war das größte Glück, dass wir drei gesunde Kinder bekommen haben.“


Gudrun und Hannes Maurer, diezuvor gern die Welt bereisten, bewährten sich nun auch als Team in der liebevollen Versorgung der Babys. „Tagsüber habe ich mich um sie gekümmert, die Nachtschicht übernahm mein Mann.“ Als Gudrun Maurer in den Weinbaubetrieb miteinstieg, holte sich die Familie Au-pair-Mädchen zur Unterstützung. „Unser Leben war wunderschön. Wir waren so viele Jahre zu zweit, plötzlich war das Haus von Kinderlachen erfüllt.“

 

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Erinnerung. Das letzte Familienfoto mit Papa. © beigestellt


Der Unfall. Das Familienglück sollte tragischerweise nicht lange halten. Schon viel zu bald traf die Familie ein harter Schicksalsschlag. Zwei Tage nach dem siebten Geburtstag von Lisa, Hanna und Elena geschah der tragische ­Unfall. „Wir haben zusammen gearbeitet. Ich bin nur für fünf Minuten ins Nachbarhaus, um den Hochdruckreiniger zu holen. Da ist Hannes in die Weinpresse gestürzt und gestorben“, erzählt Gudrun Maurer tapfer. Noch dazu passierte es im Herbst, quasi in der „Hochsaison“ für Weinbaubetriebe. „Schon am nächsten Tag sollte ich bestimmte Anträ­ge abgeben. Es war furchtbar.“


Die dreifache Mutter aktivierte all ihre Kräfte. „Viele haben uns geholfen, aber es war auch klar, dass ich ­alles irgendwann selbst schaffen muss.“ Mit einer Tagesmutter an ihrer Seite manövrierte sie ihre Familie aus der schlimmsten Krise. „Dabei haben wir immer über alles offen und ehrlich gere­det“, erzählt sie.
Der Papa bleibt präsent, sagen ihre Töchter. Und bis heute heißt es oft: „Was tät’ der Papa jetzt sagen?“

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Familie Maurer. Gudrun mit ihren Töchtern Elena, Lisa und Hanna. © Viktória Kery-Erdélyi

,,Danke, dass du uns jeden Tag unterstützt und uns nie im Stich lässt. Wir wünschen dir einen wundervollen Muttertag." - Deine Töchter Elena, Lisa und Hanna. (Überraschungsgruß)