Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 20.02.2018

Familiensache

Was brauchen unsere Kinder wirklich, um glücklich zu sein?

Bild shutterstock_366404072.jpg
Foto: Shutterstock

Für unsere Kinder möchten wir nur das Beste. Sie sollen glücklich heranwachsen, Spaß und Freude erleben und so zu einem ausgeglichenen Erwachsenen werden. Doch zeitgleich übernehmen Stress und Zeitdruck immer wieder das Kommando im Familienalltag. Die Folge: zornige Kinder, genervte Eltern, Streitereien und Geduldsproben am laufenden Band. Wie schaffen wir es, unser Familienleben harmonischer zu gestalten und unserem Kind vorzuleben, was es heißt, glücklich und achtsam zu handeln?

Eins nach dem anderen. Unser Alltag ist geprägt von Multitasking. Wir wollen alles sofort und am liebsten zugleich. Während wir fernsehen, schreiben wir Nachrichten auf dem Smartphone, kochen das Abendessen und denken vielleicht gerade an den nächsten Arbeitstag. Auch wenn wir uns einigermaßen an diesen Lebensstil gewöhnt haben, ein Kind kann und möchte nicht tausend Sachen gleichzeitig machen – es lebt im Hier und Jetzt. Beobachten Sie Ihren Sprössling das nächste Mal beim Spielen, er oder sie ist ganz bei sich und lässt sich auch nicht ablenken. Diese Aufmerksamkeit sollten wir unseren Kleinen auch schenken, indem wir uns bewusst für sie Zeit nehmen. Legen Sie Ihr Smartphone für 20 Minuten beiseite, schalten Sie den Fernseher ab und verlegen Sie Gespräche mit Ihrem Partner auf später: Wenn Sie sich Zeit für Ihr Kind nehmen und sich auch nur darauf konzentrieren, fühlt es sich ernst genommen. Wenn Sie dauernd abgelenkt sind beziehungsweise Ihr Kind als Störfaktor ansehen, merkt Ihr Kind das und fordert – häufig auch lautstark – Ihre Aufmerksamkeit ein.

Bild shutterstock_411422398.jpg
Foto: Shutterstock

Immer und immer wieder. Sich bewusst für Ihr Kind Zeit zu nehmen kann auch bedeuten, Rituale in den Alltag einzubauen. Diese stärken die Beziehung zwischen Eltern und Kind und geben Sicherheit. Beginnen Sie gleich morgens, wecken Sie Ihr Kind  mit leiser Musik und ruhiger Stimme. Hilfreich ist auch, wenn Sie Ihren Kindern kleinere, fixe Aufgaben zuteilen: So könnten die Kleinen den Tisch decken oder die Zeitung vor dem Haus holen. Bei einem kurzen gemeinsamen Frühstück kann man über den anstehenden Tag sprechen. Generell sollte mindestens eine Mahlzeit pro Tag mit der Familie eingenommen werden. Decken Sie gemeinsam den Tisch und sprechen Sie miteinander – ohne Ablenkung durch den Fernseher, das Smartphone oder die Zeitung. Die Tage sollten aber nicht nur ruhig begonnen, sondern auch in Frieden beendet werden. Lassen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern den Tag Revue passieren, sprechen Sie über Dinge, die gut gelaufen sind, und auch über Dinge, die schlecht gelaufen sind. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieb haben, auch wenn es während des Tages vielleicht Reibungspunkte gab.

Vorbildwirkung. Als Eltern sind Sie ein Vorbild. Das heißt, nicht nur Ihre guten, sondern auch Ihre schlechten Eigenschaften haben Einfluss auf die Entwicklung Ihres Kindes. Sehen Sie die Welt positiv, wird sich das auch auf Ihr Kind auswirken. Tendieren Sie dazu, die Dinge schwarz zu malen, leider auch. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es oft auch Kleinigkeiten sind, über die man sich im Alltag freuen kann, und seien Sie offen für Ideen. Gerade neue Herausforderung machen uns auch als Erwachsene Angst. Versuchen Sie, dieser Angst bewusst zu begegnen, und sehen Sie neue Entwicklungen als Chance. Sprechen Sie mit Ihrem Kind und nehmen Sie es ernst. Das Kind soll lernen, seine eigenen Gefühle einzuschätzen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Gerade Einfühlungsvermögen ist eine Fähigkeit, die Kinder erst erlernen müssen. Fördern Sie Empathie, indem Sie diese vorleben: Wenn Ihr Kind hinfällt, trösten Sie es und nehmen Sie es in den Arm. Lesen Sie ihm Geschichten vor und sprechen Sie mit ihm über bestimmte Situationen, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich in andere hineinzuversetzen. Sprechen Sie in Gegenwart Ihrer Kinder wertschätzend über andere Menschen, damit Ihr Kind einen respektvollen Umgang lernt und diesen später auch selbst an den Tag legt.  Zeigen Sie sich menschlich und authentisch – eine achtsame Lebensweise macht nicht nur den Alltag einfacher, sondern birgt auch das Geheimnis einer glücklichen Kindheit.

Bild shutterstock_571333822.jpg
Foto: Shutterstock

HILFE MEIN KIND IST ...

 

... unordentlich: Das Kinderzimmer ist das reinste Chaos, das Federpenal musste schon zweimal ersetzt werden und die Kleider von gestern sind überall verteilt. Dem Kind fällt natürlich nichts auf. Selbstständig aufräumen: Fehlanzeige! Kinder und Erwachsene haben häufig eine komplett unterschiedliche Wahrnehmung, wenn es um Sauberkeit und Ordnung geht. Trotzdem ist es wichtig, Kindern einen Sinn für Ordnung beizubringen. Sprechen Sie mit Ihrem  Nachwuchs darüber, dass es Sie stört und Sie sich ärgern, wenn Sie ständig hinter ihm herräumen. Schaffen Sie Systeme, die es leicht machen, Ordnung zu schaffen und zu halten. Dies können beispielsweise verschiedene Kisten sein, in die Spielzeug schnell und unkompliziert verstaut werden kann. Legen Sie fixe Plätze für bestimmte Dinge fest und erklären Sie Ihrem Kind, dass es einfacher ist, Dinge gleich an ihren Platz zu legen, als später alles mühsam suchen zu müssen, und leben Sie ihm dies auch vor. Schauen Sie regelmäßig gemeinsam mit Ihrem Kind seine Sachen durch und trennen Sie sich von Dingen, die nicht mehr benötigt werden.


... schüchtern: Wenn andere mit Ihrer Tochter sprechen, versteckt sie sich. Im Kindergarten bringt Ihr Sohn kaum ein Wort heraus. Veränderungen bedeuten jedes Mal Stress für Ihr Kind. Schüchterne haben es nicht leicht und geraten gerade bei Neuem gern ins Trudeln. Auch wenn es selbstverständlich eine Typfrage ist, ob jemand eher intro- oder extrovertiert ist, gibt es einfache Übungen, mit denen man seinem Kind helfen kann, mit Unerwartetem fertig zu werden. Lassen Sie Ihr Kind Entscheidungen treffen und so kleine Erfolge erleben: Ihr Kind darf über das Abendessen entscheiden, selbst wählen, was es im Kindergarten trägt oder was die Familie am Sonntag macht. So geben Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass es sich auf sich selbst verlassen kann und dass es handlungsfähig ist.

 

Bild shutterstock_270714656.jpg
Foto: Shutterstock


... eifersüchtig: „Du hast mit meinem Bruder viel länger gespielt.“ „Meine Schwester hat ein viel schöneres Geschenk bekommen.“ „Die Schulkollegen haben viel mehr Spielsachen.“ Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr entwickelt sich bei Kindern das Gefühl für Neid. Besonders stark ausgeprägt und auch ganz normal ist dies bei Familien mit mehreren Kindern. Aber was kann man tun, wenn die Eifersucht überwiegt und das Kind beziehungsweise unter Umständen auch die ganze Familie darunter leidet? Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, seine Eifersucht loszuwerden, sprechen Sie mit ihm und spielen Sie die Gefühle Ihres Kindes nicht herunter, indem Sie diese als albern oder unbegründet bezeichnen. Helfen Sie Ihrem Nachwuchs dabei, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen: Kinder, die auf sich selbst vertrauen und ein liebendes Umfeld um sich wissen, sind weniger eifersüchtig.


.... ungeduldig: Alles muss sofort, am besten jetzt gleich, passieren. Ihrem Kind fällt das Warten schwer und still sitzen ist schier unmöglich? Dazu muss man verstehen, dass sich Kinder meist keine Vorstellung von Begriffen wie „heute“, „morgen“, „in einer Stunde“ oder „gestern“ machen können. Auf die Frage, wann endlich der eigene Geburtstag ist, sind Angaben wie „in zwei Wochen“ nicht mehr als leere Floskeln. Dass das ungeduldig macht, ist verständlich. Aber was tun, wenn das Kind überhaupt nie Geduld an den Tag legt und zornig und störrisch reagiert? Beschreiben Sie Ihrem Kind, was Sie tun, damit es eine Vorstellung hat und auch sieht, warum es noch warten muss. Wenn Sie noch fürs Abendessen einkaufen müssen, bevor Sie das Kind zu seinem Spielkameraden bringen, oder wenn die Suppe erst heiß sein muss, bevor Sie sie in den Teller geben können, hilft oft eine einfache Erklärung. Rituale, die jeden Tag gleich ablaufen, vermitteln außerdem Sicherheit und zeigen dem Kind, dass seine Bedürfnisse nicht vergessen werden. Halten Sie sich an Versprechen, die Sie Ihrem Kind geben, und ändern Sie nicht abrupt und ohne nachvollziehbare Gründe Ihre Meinung. Ihr Kind soll sich nicht zurückgesetzt oder vernachlässigt fühlen. Zeitangaben, die Kinder verstehen und mit denen sie umgehen können, sind: „Dreimal schlafen, bis das Christkind kommt“, „so lange wie dein Lieblingslied dauert“ oder „wenn wir den Tisch abgeräumt haben, fahren wir zu Oma“. Bei bestimmten Ereignissen hilft es auch, diese mit anderen zu verknüpfen: „Wenn draußen die Blumen blühen, kommt der Osterhase.“ „Wenn es dunkel wird, kommt Papa vom der Arbeit nachhause.

Bild cover.jpg
KINDER ACHTSAM ERZIEHEN, Wie Sie Wut, Streit und Geschrei aus dem Familienalltag verbannen“ von Alexandra Karr-Meng, humbold Verlag (ISBN: 9783869106397), € 20,60