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Lifestyle | 20.07.2017

Ab in den Süden!

Die TIROLERIN-Challenge ist in die zweite Runde gegangen! Diesmal haben wir uns von heiteren Höhen wieder zurück auf festen Grund und Boden begeben. Das Ziel: auf zwei Rädern zum Gardasee.

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Malcesine, das romatische Städtchen am Gradasee, sollte unser Ziel sein. (© Shutterstock)

Noch einmal kurz durchatmen. Die ersten Wegweiser in Richtung Ziel sind gefunden. Wenigstens etwas. Auf ihnen prunkt in großen Buchstaben das Wort „Gardasee“, der Ort, der das Ende unserer Reise darstellen soll. Das einzige Problem: Zwischen uns und dem beliebten italienischen Urlaubsziel liegen knappe 200 Kilometer Distanz. 200 Kilometer, die sich weder für mich noch für meine Arbeitskollegin Rabea jemals weiter entfernt angefühlt haben. Es hilft jetzt nichts mehr. Zu groß haben wir unser Vorhaben angekündigt, mit dem Rad von Innsbruck bis hin zum kleinen Städtchen Malcesine am Ufer des Lago di Garda zu fahren. Also – Helm auf, rauf auf den Sattel und lostreten! Die ersten Kilometer legen wir recht zügig zurück, ab dem Brenner geht es ohnehin ein Stück nur berg-ab. Es ist noch früh, die Luft frisch, Rabea und ich genießen die Fahrt durch das satte Grün hinter der Grenze zu Italien. Die asphaltierte ehemalige Bahnstrecke bietet eine atemberaubende Aussicht ins Wipptal und auf die Höhen des Pflerschtals. Nach einigen Kilometern verlässt der Weg schließlich die lange Gerade in Richtung Süden. Wir machen eine Kehrschleife. Was nun kommt, begeistert uns beide gleich. Die Tour führt bei konstantem Gefälle durch einsame Waldpassagen, rund um uns nichts als Natur. Außer dem gelegentlichen Rauschen von Wasser aus dem Pflerscherbach ist nichts zu hören. Schließlich kehrt der entlegene Weg zurück zu bewohnten Gegenden. Wir haben Gossensaß erreicht. Von hier sind es nur mehr knapp sieben Kilometer nach Sterzing, dem ersten Städtchen in Südtirol, das wir queren.

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(© Karl Schlemmer)

Es geht weiter durch die traumhafte Kulisse des Eisacktals und durch einsame Ortschaften wie Stilfes, die uns letzten Endes bis nach Brixen führen. Zeit für eine Pause! Wir sind gut voran gekommen, das erste Stück hätten wir uns schlimmer vorgestellt. Trotzdem: Rabea und ich sind beide froh, kurz von unseren Sätteln aufstehen zu können, um uns die Füße zu vertreten.  Lange können wir uns nicht aufhalten. Auer, der erste Stopp unserer zweitägigen Etappe,  liegt noch in weiter Ferne. Und doch nehmen wir uns die Zeit, den Flair der Stadt zu genießen und uns bei gutem italienischem Kaffee zu erholen. Danach geht es weiter. Mit anhaltender Motivation und neuer Energie führt uns die sehr gut ausgebaute Bahntrasse bis nach Bozen. Von hier sind es nur mehr etwas mehr als 20 Kilometer bis Auer. Als wir die kleine Ortschaft nahe Kaltern erreichen, ist es bereits kurz vor 18 Uhr. Viel vom Tag bleibt uns nicht, aber es ist genug Zeit, um sich nach einem herzhaften Südtiroler Abendessen vom Charme der Marktgemeinde einholen zu lassen. Guter Wein, freundliche Gesellschaft. Der Abend wäre wohl ein langer geworden, hätten wir am darauffolgenden Tag nicht noch eine weitere Etappe vor uns gehabt.

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Die historische Kathedrale in Bozen. (© Shutterstock)

Das Ziel vor Augen. Nach einem ausgiebigen Frühstück holen Rabea und ich unsere Fahrräder und sind bereit aufzubrechen. Ein Blick auf den Sattel, ein Blick zueinander: Wir müssen beide lachen. Trotz Fahrradkleidung hat die gestrige Fahrt ihre Spuren hinterlassen. Hätten wir die Option gehabt, stehend ans Ziel zu fahren, wir hätten sie wohl wahrgenommen. Es hilft jetzt nichts. Zähne zusammenbeißen und aufsitzen. Wieder führt uns der Weg entlang der Etsch gegen Süden. Heute kommen wir nicht mehr so schnell voran. Es ist die Hitze, die wir spüren und die spätestens seit Bozen ein omnipräsenter Begleiter unserer Reise ist. Noch dazu spendet der Radweg, dem wir folgen, kaum Schatten. Hitze, Sonne, ewige Geraden: Die Fahrt ist beschwerlicher, als wir sie uns vor-gestellt haben. Uns geht beinahe der Elan aus, bis wir schließlich endlich Trient erreichen. Zeit für einen Stopp. Wir werfen einen Blick auf die Landkarte, während wir uns stärken. Stolz blicken wir auf den Weg, den wir bereits bestritten haben. Wir könnten es schaffen! Nein, wir schaffen das!

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Auf dem Weg durch's Trentino.

Das letzte Stück scheint im Vergleich nicht mehr allzu weit. Wir verschnaufen noch kurz, warten bis die Mittagshitze ein wenig schwächer wird. Nach einer Stärkung geht es weiter, immer mit dem Ziel vor Augen. Nach Rovereto erreichen wir Mori, queren kleine italienische Städtchen, fahren entlang malerischer Gegenden, gesäumt von Weinreben. Beim Anblick der Landschaft verfliegt die Zeit regelrecht. Plötzlich finden wir uns am Fuße einer Serpentinenstraße. Unter uns, der Gardasee. Unglaublich: Wir sind tatsächlich da. Bei einer Aussichtsplattform machen wir einen letzten Stopp und bewundern die Szene, bevor wir auf den letzten Kilo-
metern der Bundesstraße bis nach Malcesine folgen. Hinter uns liegt eine Reise, die es erst noch zu begreifen gilt. Eine Reise, die sich gelohnt hat, die uns zu Zeiten an unsere Grenzen brachte, die uns unvergessliche Eindrücke bescherte. Eine Reise, die wir so nur jedem empfeh-
len möchten.

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Das Ziel erreicht: Sarah und Rabea mit Aussicht auf den Gardasee.