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Lifestyle | 10.01.2023

Luxusinsel Ibiza

Kleines Eiland voller Gegensätze. Die TIROLERIN stattete der Jet-Set-Destination einen Herbstbesuch ab.

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Foto: Shutterstock

Ihr kommt zur rechten Zeit“, lacht unser Stadtführer Emilio Vergara, „wenn ihr Ibiza von seiner ruhigen Seite kennenlernen möchtet und doch noch ein wenig Party mitnehmen wollt.“ Ruhiges Ibiza? Wir können es fast nicht glauben. Auf der Passeig de Vara de Rey, dem breiten Boulevard am Fuße der Altstadt „DaltVila“ fließen die Tourist:innenströme hin und her. An dem warmen Vormittag im Oktober finden wir in den endlosen Reihen der Straßencafés gerade noch einen freien Tisch, um dem Treiben ein wenig zuzusehen. Vor den herrlichen Jugendstilfassaden der Bürgerhäuser gegenüber des „Monumento al General Vara de Rey“ zieht ein mittelalterlicher Hippie mächtige Seifenblasen zum Gaudium der herumtollenden Kinder. „Der gehört schon zur zweiten Generation“, erklärt uns Emilio, „zu jenen, die hier geboren und aufgewachsen sind.“ Anfang der 60er-Jahre mitten in der Franko- Diktatur war Ibiza ein wenig wie ein Freistaat. Der brutale Polizeiapparat des Regimes versuchte zwar die katalanische Kultur und Sprache zurückzudrängen, hielt sich aber sonst recht zurück. Mit Eröffnung des Flughafens strömten deshalb die Hippies nach Ibiza und drückten der Balearen-Insel den ersten touristischen Stempel auf.

 

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Foto: Unsplash/Kadir Celep

Aber schon in den Jahrhunderten zuvor wurde um den nur 572 Quadratkilometer großen Fleck im Mittelmeer häufig gekämpft. Karthager, Römer, Piraten, Mauren und schließlich Katalanen – alle hinterließen ihre Spuren. So erscheint es nicht verwunderlich, dass die Hauptstadt „Eivissa“ – Ibizas Bezeichnung im lokalen Dialekt „Ibizenk“ – von mächtigen Wehrtürmen und hohen Festungsmauern geschützt wird. Steil steigen wir die engen Gassen und Tunnel zur Kathedrale Santa Maria de les Neus empor. Emilio erklärt stolz, dass Eivissa mit Malta die größte Inselfestung des Mittelmeers sei. Immer wieder bieten Plattformen herrliche Panoramen über die weißgetünchten Häuschen der Altstadt, den Hafen oder über das Meer hinüber zur flachen Nachbarinsel Formentera. „Bei klarer Sicht könnt ihr die afrikanische Küstenlinie sehen“, verrät Emilio.

 

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Foto: Unsplash/Slow Ibiza

Auf der Fahrt nach Sant Antoni im Westen nehmen wir den höchsten Berg „Sa Talaia“ mit seinen 476 Metern mit. Der Asphalt hört gleich nach der Abzweigung auf und die Straße verwandelt sich in einen von tiefen Furchen durchzogenen Forstweg. Doch Google Maps führt sicher auf den bewaldeten Gipfel. Der Ausblick hier erklärt, warum Ibiza auch die „Grüne Insel“ genannt wird. Soweit das Auge reicht, bedecken dichte Pinienwälder die sanften Hügel in allen Himmelsrichtungen. Und tatsächlich: Die Ruhe hier wird nur von Grillengezirpe und Vogelgezwitscher unterbrochen.

 

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Foto: Unsplash/Ferran Feixas

Ein Stückchen nach Süden steuern wir einen der berühmtesten Aussichtspunkte an: Vom „Mirador de es Vedrà“ eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die gleichnamige gegenüberliegende Insel. Diese besteht praktisch nur aus einem 380 Meter nahezu senkrecht aufragenden Felsen aus dem Meer, der Sage nach der höchste Turm des sonst versunkenen Atlantis.

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Foto: Unsplash/Jorge Peigival

Szenenwechsel

In Sant Antoni an der Westküste checken wir im TRS Ibiza, dem 2022 eröffneten Fünf-Sterne-Hotelkomplex der internationalen Palladium-Gruppe ein. Mit Butlerservice am Stockwerk, All-inclusive-Adult-only-Konzept, fantastischen Buffets und Restaurants, großen und kleinen Schwimmbecken, Spa sowie Zugang zur feinsandigen Bucht „Cala Gració“ bleibt hier kaum ein Urlaubswunsch unerfüllt. Hier pulsiert Ibiza, wie es das Klischee verspricht. Ab 9 Uhr morgens reichen sich die DJs am Hauptpool die Hand, würgen Alleinunterhalter:innen ihre Stromgitarren bis Mitternacht. Ein kurzer Spaziergang entlang der zerklüfteten Felsküste führt uns zum Café del Mar. Hier sammeln sich Hunderte Urlauber:innen zum allabendlichen Sunset, schlürfen fantasievolle Cocktailkreationen und lauschen andächtig den hypnotischen Beats der Loungemusik, die hier erfunden wurde. Später am Infinity-Pool des TRS im neunten Stock erklingt plötzlich Bruno Mars’ „I think I wanna marry you“ aus den Lautsprechern. Ein Koloss von Gast fällt vor seiner Angebeteten auf die Knie, hält ihr den Wedding-Ring entgegen. Keine Show, alles echt, alle weinen, das ist Ibiza.

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Foto: Unsplash/Leo Wallace

Wir starten in den Norden.

Die Dörfer werden kleiner, ursprünglicher. Den Kaffeestop in der Bar Anita in San Carlos empfahl uns Emilio als Geheimtipp. Seit der Eröffnung 1964 hat sich hier kaum etwas verändert. Einheimische, Hippies und Tourist:innen sitzen gemeinsam unter Weinreben und genießen die landestypische Küche. An einer Wand befinden sich 150 dunkelbraune, nummerierte Kästchen. „Das sind unsere Postkästen“, verrät die Barmaid, „zu den entlegenen Häusern in den Bergen wird nicht zugestellt.“ Unser nächstes Ziel liegt nur wenige Kilometer vor der nördlichsten Ortschaft Portinatx: Das 2021 eröffnete Six Senses Resort Ibiza in der Bucht Xarraca. Die britische Gruppe „Six Senses“ steht weltweit als Inbegriff des höchsten Luxus unter den Prämissen naturnah und nachhaltig. Vor dem obligatorischen Begrüßungschampagner erwartet uns eine Salbei-Räucherzermonie, um mit allen Sinnen und gereinigtem Geist anzukommen. Die Rezeptions- und Speisehalle ist wie ein lokaler Markt gestaltet und unterstreicht das Food-Konzept „Farm to Table“. Über verschlungene Pfade, links und rechts gesäumt von Blumenbeeten, erreichen wir unsere Suite. Einziges Plastik hier ist der Rahmen des TV-Gerätes. Trinkwasser, Shampoo, Seifen, feinste Kosmetik – praktisch alle Güter werden ausschließlich in wiederverwertbaren Tongefäßen angeboten. Das Ressort verfügt über alles und mehr, als man sich erwarten darf. Einen Profi-Boxring im Fitnesscenter haben wir zum Beispiel noch nie erlebt. Zur Einrichtung zählt auch ein komplettes Tonstudio, das gerne von internationalen Stars, die sich hier zur kreativen Erholung zurückziehen, gebucht wird. Zuletzt, so erzählt Kommunikationschefin Linda Schneegaß, war Frauenschwarm und Oskarpreisträger Jared Leto zu Gast.

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Das Six Senses liegt einsam in seiner Bucht.

Die Gestaltung der Dächer und Terrassen versprüht eine angenehme Fred-Feuerstein-Romantik. Von der Ferne betrachtet, kleben die Einheiten wie Schwalbennester am rötlichen Felsen. Nach drei Tagen mit Aerial Yoga, Sonnenuntergangszeremonie und Kursen für selbstgemixte Biokosmetik verlassen wir schweren Herzens dieses Paradies. Entschädigung erfahren wir auf einer weiteren Wanderung in Ibizas Wildnis. Die zu rund 315 Grad geschlossene Bucht „Es Portitxol“ kann nur zu Fuß oder per Schiff erreicht werden. Eine gute Stunde wandern wir einen einsamen Saumpfad oberhalb der Felsklippen, bevor der Weg steil hinab an den steinigen Strand führt. Das kristallklare, türkise Wasser lädt mit 26 Grad uns und einige wenige andere zum Planschen ein. Ob mit Badekleider oder FKK kümmert hier niemanden. Die Rückfahrt quer über die Insel zurück nach Eivissa dauert lediglich eine halbe Stunde. Als dritten Luxusstopp steuern wir die „Cala Talamanca“, die langgezogene, sandige Bucht nordöstlich des Stadtzentrums an. Allein die Erwähnung des Hotelnamens „Nobu Ibiza Bay“ löste auf unserer Reise erstaunte „Ahs“ und „Ohs“ aus. Kein Wunder, „Nobu“ steht international für Haute Cuisine par excellence. Dabei ist die Geschichte der heute über 50 Nobelrestaurants ebenso ungewöhnlich wie ihr Ruf. Gründer Nobu Matsuhisa arbeitete sich einst als Abwäscher in einem Restaurant in Tokyo zum Küchenchef empor, bevor er nach Peru auswanderte und eine japanisch- peruanische Fusionsküche entwickelte. Da es in Peru jedoch an entsprechenden Zutaten mangelte, wechselte Matsuhisa nach Alaska und eröffnete dort ein Restaurant. Dieses brannte aber 14 Tage später vollständig aus. Erst an seiner nächsten Station in Palo Alto in Kalifornien sollte der Durchbruch erfolgen: Robert De Niro verliebte sich in Matsuhisas Kochkunst und gemeinsam mit dem Produzenten Meir Teper („From Dusk till Dawn“) erfolgte die weltweite Expansion. Unter dem Motto „Dine with us – stay with us“ gehören heute 14 Hotels zu Nobu, die wie das Ibiza Bay stets zu den ersten Adressen vor Ort zählen. So überschaubar Ibiza dank seiner Größe ist, so gegensätzlich präsentiert es sich uns Besucher:innen. Internationale Stars und Jet-Set-People dinieren im Nobu, hundert Meter weiter feiern Hippies in einer gemütlichen Kneipe in den Sonnenuntergang hinein. Am einen Strand dröhnen die Boxen, zwei Buchten weiter herrschen Einsamkeit und Stille. Auf der einen Hafenseite dominiert moderne Architektur, auf der anderen stört kein Neubau das Ensemble des UNESCO- Weltkulturerbes der historischen Altstadt. Wir lassen den Oktoberabend bei gut 20 Grad auf dem Rooftop des Nobus ausklingen und wissen, wir kommen wieder.

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Text: Martin Duschek