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Lifestyle | 21.06.2022

Schnee von Gestern

Seefeld erfindet sich neu – nicht nur seinen Namen. Warum die „Ära Olympia“ nun offiziell archiviert wird.

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Foto: Laura Zobernig

Im Ort gibt es nur noch wenige Zeichen, die an die Olympischen Spiele von 1964 und 1976 in Seefeld erinnern – dabei waren die sportlichen Großereignisse bis vor Kurzem sogar namensgebend für die Region. Doch diese Zeiten sind nun vorbei. Denn die „Olympiaregion Seefeld“ steht vor einem Neuanfang. Und der beginnt beim Namen: Von nun an heißt die Destination nur mehr „Region Seefeld – Tirols Hochplateau“. Was hinter dieser Neupositionierung steckt, erzählt TVB-Geschäftsführer Elias Walser im Interview.

TIROLERIN: Wie kam es dazu, dass sich Seefeld neu positioniert hat?

Elias Walser: Seit der Fusionierung der einzelnen Ortschaften war unser Name immer „Olympiaregion“. Dass die Bezeichnung aber heute eigentlich nicht mehr passend ist, ist uns zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, als die Frage im Raum stand, ob sich Tirol noch einmal für die Olympischen Winterspiele bewerben soll. Die Tiroler Bevölkerung hat sich ganz klar dagegen ausgesprochen. In weiterer Folge haben wir immer öfter gehört, dass das Image von Olympia nicht mehr wirklich zu uns passt, dass auch der Name nicht typisch für unsere Region ist – immerhin sind wir ja eine Ganzjahresdestination, die so viel mehr ist als nur eine Sportstätte. Und zu guter Letzt war die Tatsache wesentlich, dass eine „Olympiaregion“ für den Gast ja eigentlich keinen Mehrwert bietet. Niemand bucht einen Urlaub, nur weil dort einmal Olympia stattgefunden hat.

Was geht, was bleibt, was kommt neu hinzu?

Natürlich bleibt die Region die gleiche, und Olympia wird immer ein Teil unserer Identität sein. Aber vor allem waren wir stets auch Tirols Hochplateau, und das werden wir auch immer bleiben. Gleichzeitig möchten wir unseren Gästen mit diesem Schritt zeigen, dass Seefeld so viel mehr ist als nur ein Wintersportort mit einer sportlichen Infrastruktur. Sondern dass wir zu jeder Jahreszeit einzigartige Erlebnisse bieten, von toller Gastronomie und Hotellerie bis hin zu Naturerlebnissen in Wildmoos oder im Naturpark Karwendel. Der Name „Olympia“ steht eigentlich sogar ein bisschen im Widerspruch zu unserem Angebot, während Tirols Hochplateau dem genau entspricht.

Wie kann man sich einen solchen Marken(neu)bildungsprozess konkret vorstellen?

Natürlich ist so ein Prozess keine alltägliche Aufgabe, die man einfach so aus der Hüfte bewältigt. Es hat entsprechende Vorbereitungen gebraucht, deswegen haben wir uns damit auch Zeit gelassen. Leider ist uns dann auch Corona dazwischengekommen und hat diese Prozesse hintangestellt, weil zu diesem Zeitpunkt einfach andere Prioritäten in den Vordergrund rückten. Aber als das Gröbste überstanden war, haben wir uns wieder an das Projekt gesetzt. Wir haben die Entscheidungsträger:innen und Unternehmer:innen am Plateau eingebunden, haben die Prozesse aber bewusst sehr schlank gehalten, um keine übermäßigen Kosten oder Aufwendungen zu produzieren. Denn obwohl wir so manches bereits definiert haben, geht die eigentliche Arbeit jetzt erst richtig los. Wir stehen erst am Beginn unserer Reise.

Gab es dabei spezielle Herausforderungen zu bewältigen?

Auf der einen Seite macht es natürlich Sinn, so viele Akteur:innen wie möglich mit ins Boot zu holen, um auch unterschiedliche Meinungen zu hören. Gleichzeitig gehen die Geschmäcker aber natürlich umso mehr auseinander, und man wird nie alle treffen können. Sonst wird man einen derartigen Prozess nie zu Ende führen können. Zum Glück hatten wir einen strategisch denkenden Aufsichtsrat und Vorstand – mit dem Mut, an bestimmten Punkten auch konkrete Entscheidungen voranzutreiben. Natürlich gab es auch Kritik, was die Kosten, die generelle Notwendigkeit einer solchen Neupositionierung betriff t. Aber unterm Strich ist das Feedback sehr positiv ausgefallen, vor allem von den jüngeren Generationen, aber auch von Stammgästen, die uns auf diesem Weg bestärkt haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Region?

Als Region sind wir ja auch nur ein Teil des Brandings und der Identität. Deshalb wünsche ich mir, dass die neue Positionierung von so vielen Unternehmer:innen am Plateau wie möglich mitgetragen wird. Denn das Hochplateau wird erst dann mit Leben gefüllt, wenn so viele Menschen wie möglich dahinterstehen. Gleichzeitig hoff e ich natürlich, dass wir das, was unsere Region eigentlich ausmacht – nämlich die tolle Landschaft – bewahren, schützen und noch lange erhalten.

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Foto: Sebastian Marko

ÜBER.
Elias Walser steht dem Tourismusverband Seefeld seit 2016 als Geschäftsführer vor. 1964 und 1976 war die Region Austragungsort der Olympischen Winterspiele in den Disziplinen Langlauf und Nordische Kombination.

Mehr Informationen finden Sie HIER.