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Lifestyle | 11.05.2022

Künstlerische Comics

Erstmals steht im RLB Atelier Lienz der künstlerische Comic im Mittelpunkt. Mit Skizzenbüchern, Vorstudien und dem 786 Zeichnungen umfassenden Storyboard ermöglicht die Präsentation des Innsbrucker Comic-Künstlers und Illustrators Patrick Bonato (* 1983) einen ungewöhnlichen Einblick in den Entstehungsprozess seiner ersten Graphic Novel Toubab im Senegal (2021), die bewusst als Gegenerzählung zu rassistisch geprägten, kolonialen Darstellungen angelegt ist. Zu sehen ist die Schau vom 11. April bis 22. Juli 2022 im RLB Atelier Lienz.

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Foto: Silvia Höller

ALLBEKANNT.
Mickey Mouse, Snoopy, Asterix, Superman & Co – Comics sind uns allen ein Begriff und faszinieren Menschen jeden Alters. Die bunten Bilder und Dialoge in Sprechblasen sind inzwischen so sehr Teil unserer Alltagskultur, dass wir die Motive auf T-Shirts, Drucksorten, in Kinofilmen, Fernsehserien und in der Werbung gar nicht mehr als solche wahrnehmen.

COMICS & ART.
Die Auseinandersetzung mit dem Comic als Kunstform existiert hingegen erst seit wenigen Jahrzehnten. Erst nach und nach gelangte man zur Einsicht, dass auch der Comic in vielen Fällen die Visionen von Kunstschaffenden vermittelt, die mit ihrem Werk sowohl ZeichnerIn als auch AutorIn sind. Die zunehmende Bedeutung des Comics und der Graphic Novel in der Kunstszene zeigt sich unter anderem durch zahlreiche Ausstellungen in großen Museen und Kunstinstitutionen. So begeisterte 2016 die Schau Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde in der Schirn Kunsthalle Frankfurt Publikum und Presse gleichermaßen.

 

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Foto: Martin Lugger

AUF REISEN.
Viel beachtet wurde im vergangenen Spätherbst auch Patrick Bonatos erste Graphic Novel mit seinem autofiktionalen Charakter Toubab im Senegal(Luftschacht Verlag). Der Innsbrucker Comic-Künstler und Illustrator reiste 2016/17 im Rahmen einer Künstlerresidenz mehrere Monate durch den Senegal. Seine Eindrücke und Erfahrungen als weißer Reisender hält er in Notizbüchern fest. Diese bilden die Basis für die Bildgeschichte rund um sein dauerschwitzendes Alter Ego, das versucht, sich in einer fremden Kultur zurechtzufinden.

RASSISSMUS.
Gleichzeitig gestaltet Bonato bewusst eine Gegenerzählung zu rassistisch geprägten, kolonialen Narrativen, von denen oft auch Comics durchzogen sind. Der bekannteste, aber auch umstrittenste unter diesen Comics ist Tim im Kongo des belgischen Zeichners Hergé. „Tim im Kongo offenbart in sehr krasser Weise, welch überhebliche und rassistische Haltung gegenüber afrikanischen Menschen und Ländern in Europa lange Zeit herrschte und bis heute fortwirkt. […] Mit Toubab wollte ich eine andere, ehrlichere, jedenfalls keine heldenhafte Geschichte des ‚weißen Mannes in Afrika' erzählen." Im Zentrum stehen „Begegnungen auf Augenhöhe" – während die Schilderungen von Entdeckern, Eroberern, Kolonialherren oder Missionaren eine Haltung offenbaren, nach der Länder und Menschen des globalen Südens ein Defizit aufweisen würden und sich entwickeln müssten. Der Diskurs über Dekolonialisierung und strukturellen Rassismus sowie Empowerment-Bewegungen wie Black Lives Matter haben diese eurozentristische Haltung ins Wanken gebracht. „Mit Toubab möchte ich dem Rechnung tragen und einen kleinen Beitrag zur Debatte leisten", so Patrick Bonato.

GESCHICHTEN ERZÄHLEN.
Dass die Realisierung einer Graphic Novel – so wird gemeinhin ein „grafischer Roman" bezeichnet, der sich mit ernsthaften Inhalten an ein erwachsenes Publikum richtet – mit einem aufwendigen Prozess verbunden ist, zeigt die Ausstellung. Er habe ohne Erfahrung oder bewährte Methode begonnen, so der Comic-Künstler. Vor allem der Klang des Namens „Toubab" – so werden im Senegal weiße Personen bezeichnet – habe ihn veranlasst, die Figur zu erschaffen. „In ersten Vorskizzen und Kurzgeschichten sind vor Ort auch ein paar andere Figuren sowie die grundsätzliche Intention und Stimmung entstanden. Später ging ich methodischer an das Storyboard heran. Dabei habe ich mir lange die Möglichkeit offengehalten, dieses wie beim Filmschnitt zu bearbeiten, einzelne Bilder und ganze Szenen zu ändern, rauszuschneiden oder hinzuzufügen. Generell aber arbeite ich sehr stark von den Bildern ausgehend, zunächst muss die Geschichte nur anhand der Bilder lesbar sein, dann erst beginne ich mit dem Texten", beschreibt Bonato seine Herangehensweise.

Laufzeit und Öffnungszeiten:
11. April bis 22. Juli 2022 / Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.15 Uhr und von 14.00 bis 16.30 Uhr

 

 

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Foto: Martin Lugger
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Foto: Martin Lugger
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Foto: Martin Lugger
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Foto: Martin Lugger