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Lifestyle | 15.02.2022

Die große Unbekannte

Warum ein auffälliger Abstrich kein Grund zur Panik ist und die Impfung in jedem Fall schützt.

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Wichtiges Thema.
Acht von zehn Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens mit dem Humanen Papillomvirus (HPV) an. Bestenfalls verläuft die Infektion unbemerkt, schlimmstenfalls kann sie zu Gebärmutterhalskrebs führen. Ein Virus, das den Großteil der Menschheit infiziert: Dieses Szenario ist zunächst kein unbekanntes. Dass die Menschen trotzdem kaum darüber sprechen, erscheint aus heutiger Sicht allerdings etwas befremdlich. Auf die Frage in unserem Bekanntenkreis, ob man schon einmal von HPV gehört habe und ob man wisse, worum es sich dabei handelt, gingen die Antworten selten über „Meine Ärztin hat da was erwähnt“ oder „Eine Bekannte hatte mal so irgendwas“ hinaus. Grund genug, um uns genauer mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Hautkontakt reicht.
HPV steht für „Humane Papillomviren“ und zählt zu den häufigsten sexuell übertragbaren Viruserkrankungen überhaupt. Rund 80 Prozent der Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens damit. Und das ist auch kaum verwunderlich. Denn ob- wohl es sich um eine sexuell übertragbare Krankheit handelt, ist der Geschlechtsakt alleine nicht ausschlaggebend: HP-Viren können auch über die Haut beziehungs- weise die Schleimhaut übertragen wer- den – sogar beim Kuscheln. Ein Kondom schafft zwar eine zusätzliche „Barriere“, reicht als alleiniger Schutz aber nicht aus. Weil der Körper nach einer überstandenen Infektion nicht – wie etwa bei Covid-19 – Antikörper gegen HPV bildet, können sich Betroffene über die Jahre immer wieder mit dem Virus anstecken.

 

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Typfrage.
Die gute Nachricht vorweg: Meistens wird unser Immunsystem von selbst mit der Infektion fertig, sodass der:die Träger:in gar nichts davon mitbekommt. „In manchen Fällen bleibt das Virus aber im Körper bestehen und kann aktiv werden“, erklärt die Innsbrucker Gynäkologin Julia Fahrner. Das sei auch vom Virustyp abhängig: „Es gibt zwei Typen, die ungefährlichen Low-Risk-Typen und die ‚gefährlicheren‘ High-Risk-Typen. Während erstere sich beispielsweise durch Genitalwarzen bemerkbar machen, können zweitere zu gravierenden Zellveränderungen führen – vor allem bei Frauen im Gebärmutterhals. Unbehandelt können sie sich schlimmstenfalls zu Krebs entwickeln.“

Regelmäßige Check-ups.
Früherkennung ist daher das A und O – die jährliche frauenärztliche Kontrolle sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden. Denn da- bei wird unter anderem der PAP-Abstrich entnommen, bei dem etwaige Gewebsveränderungen festgestellt werden können. Ein auffälliger Abstrich löst in vielen Patientinnen Angst und Schrecken aus. Das sei aber nicht nötig, meint Julia Fahrner. Denn obwohl man in diesem Fall natürlich „genau hinschauen“ müsse, können die meisten Sorgen in weiteren Untersuchungen wie der HPV-Typologisierung und einer genauen Inspektion des Muttermundes zerstreut werden. Leichte Gewebsveränderungen verschwinden sogar manchmal ganz von selbst wieder. „Erst, wenn der Befund hochgradige Gewebsveränderungen zeigt oder diese über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, wird über eine mögliche operative Entfernung gesprochen“, so die Ärztin. Doch was wird dabei eigentlich gemacht?

 

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Rund um den Eingriff.
Ziel der sogenannten „Konisation“ ist es, das veränderte Gewebe aus dem Muttermund zu entfernen. Die Erfolgsquote ist hoch: In 90 Prozent der Fälle kommt es danach zu keinem Rezidiv, also zu keiner erneuten Zellveränderung mehr. Der Eingriff er- folgt meist ambulant, die Patientin kann am gleichen Tag wieder nach Hause gehen. In den darauffolgenden vier Wochen sollte man sich zwar schonen und etwa auf Sex oder heiße Bäder verzichten, eine Krankschreibung ist jedoch nur für einige Tage notwendig. Die Gerüchte, dass eine Konisation die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten erhöhen würde, stimmen laut Fahrner nicht. Zwar gebe es ein Risiko für vorzeitige Wehen, dieses könne durch ein sorgfältiges Vorgehen beim Eingriff allerdings gezielt minimiert werden.

Impfen schützt.
Damit es gar nicht erst zu einem Eingriff kommt, gibt es inzwischen eine wirksame Gegenmaßnahme: die HPV-Impfung. „Wenn sie vor dem ersten sexuellen Kontakt verabreicht wird, senkt sie das Risiko für Gewebsveränderungen wie Gebärmutterhalskrebs um 90 Prozent“, erklärt Julia Fahrner. Seit 2014 wird die Impfung in Österreich für Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren kostenlos angeboten, eine Auffrischung ist nach aktuellem Stand nicht notwendig. Bis zum 15. Lebensjahr sind zwei Impfungen notwendig, danach drei. Für alle Unter-18-Jährigen gibt es in Tirol ein Nachholprogramm, in Zuge dessen die Impfung zu einem vergünstigten Selbstkostenpreis in Anspruch genommen werden kann. Ab 18 Jahren ist die Impfung dann komplett selbst zu bezahlen, wobei sich die Kosten für die vollständige Immunisierung (drei Impfdosen) derzeit auf rund 640 Euro belaufen.

Bild Wird die Impfung im Schulalter verabreicht, senkt sie das Risiko für Gewebsveränderungen wie Gebärmutterhalskrebs um 90 Prozent.“ –Julia Fahrner, Gynäkologin.png
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Aufklärung nötig.
Ein „rein weibliches“ Thema ist HPV übrigens nicht. Das Nationale Impfgremium empfiehlt die Impfung beider Geschlechter: Männer können nämlich nicht nur das Virus an ihre Partner:innen übertragen, sondern auch selbst HPV-induzierte Erkrankungen wie Penis- oder Analkarzinome entwickeln. Für die Impfung im Schulalter braucht es allerdings die Einverständniserklärung der Eltern – hier mangele es jedoch oft an der nötigen Akzeptanz: „Wenn Eltern hören, dass sie ihr zwölfjähriges Kind gegen eine sexuell übertragbare Krankheit impfen lassen sollen, löst das in vielen eine Abwehrreaktion aus. Das ist ein Thema, mit dem sie sich in diesem Alter noch gar nicht befassen wollen. Hier ist noch ganz viel Aufklärungsarbeit nötig, denn die Impfung ist die einzige wirksame Waffe gegen das Virus, die wir derzeit haben”, betont Julia Fahrner.

 

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Februar-Ausgabe der TIROLERIN.