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Lifestyle | 14.12.2021

Lebens- und Sozialberatung: Gemeinsam in ein positives Leben

Wer bin ich eigentlich und was sind meine Ziele? Fragen, wie diese hatten die meisten von uns schon mal. Doch gerade in Zeiten von Corona und den verordneten Lockdowns kommt man viel ins Grübeln und verliert sich leichter in einer depressiven Stimmung. Doch das muss nicht sein, denn eine Veränderung kann auch viel Positives mit sich bringen – man muss es nur finden und zulassen. Wie der Schritt in ein positives Leben aussehen kann, heraus aus der eigenen Pandemie oder dem persönlichen Lockdown, oder was Du mit Deinem Leben machen kannst, kannst Du mithilfe einem/ einer Lebens- und SozialberaterIn herausfinden.

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Die Lebens- und Sozialberatung ist ein wichtiger Aspekt für die mentale, seelische und körperliche Gesundheitsvorsorge des Menschen und wirkt in allen Bereichen des Lebens. Lebens- und SozialberaterInnen  helfen Menschen in Problem- und Entscheidungssituationen. Sie sind da, um zuzuhören und Einbahnen in weitverzweigte Straßen zu verwandeln. Positive Strategien unterstützen beim Beschreiten neuer Wege, dem Erkennen eigener Fähigkeiten und Entdeckungsreisen zu sich selbst. Was sie genau machen, welche Methoden sie anwenden oder ob dieser Berufszweig für Dich interessant wäre, erfährst Du in unserem Interview mit Sabrina Schober, Lehrgangsleiterin des Lehrgangs Lebens- und SozialberaterIn am Bildungsforum Wien und Seminarleiterin Ingrid Weikert:

Worin liegt Ihr Schwerpunkt & wer kann zu Ihnen kommen?

Sabrina Schober: Wenn ich nicht gerade ausbilde, denn das ist mein größter Schwerpunkt, dann arbeite ich sehr viel mit Berufsorientierung, also Menschen, die eine berufliche Neuentscheidungen treffen wollen. Aber auch Menschen, die sich weiterentwickeln wollen oder die sich philosophisch-existenzielle Fragen wie „Wer bin ich?“, „Wohin gehöre ich?“, oder auch Sinnfragen stellen, sind bei mir gut aufgehoben. Beliebt sind meine „Philosophischen Abende“, wo wir in kleiner Runde angeregt über solche Themen diskutieren. Wir sind auch SpezialistInnen im Bereich der Krisenberatung, weshalb wir in der Pandemie weiterarbeiten durften und ähnlich wie andere systemrelevante Berufe Schlüsselfunktionen übernahmen. Gerade in Krisensituationen wie aktuell wird leider primär die körperliche Gesundheit betont, viele leiden aber eher unter den psychischen Begleiterscheinungen wie Angst, Stress & Einsamkeit, hier können wir beratend unterstützen & begleiten.

Ingrid Maria Weikert: Mein großer Schwerpunkt ist ebenfalls die Berufsorientierung. Natürlich ist hier auch das Thema Burnout inkludiert. Mir ist dabei sehr wichtig, nicht nur die externen Faktoren des Burnouts zu beleuchten, das heißt, wie unsere Welt mit all ihren Arbeitsanforderungen und ihrer Schnelligkeit gestrickt ist, sondern gemeinsam mit den KlientInnen ihr Leben und ihre inneren Faktoren genauer zu betrachten. Die meisten Personen, die von einer Burnout-Reha zurückkommen, schauen sich diesen Bereich zu wenig an – das heißt, was trage ich persönlich zu meinem Stress bei, was verursacht ihn usw. Vielen ergeht es aufgrund dessen bereits nach kurzer Zeit wieder schlechter. Deshalb ist es mir sehr wichtig, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern im Zuge des Beratungsprozesses der Ursache des Problems auf den Grund zu gehen.

Darüber hinaus biete ich auch Suchtberatung an und beschäftige mich mit allen Veränderungen, die im Leben wesentlich sind. Veränderung bedeutet ja auch, sich wieder in eine andere Richtung zu bewegen und das ist nicht immer so leicht.

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Was genau bedeutet Lebens- und Sozialberatung?

Sabrina Schober: Lebens- und Sozialberatung ist bewusste und geplante Beratung, Betreuung und Begleitung von Menschen in Entscheidungs- und Problemsituationen. Besser erklärt an einem Beispiel. Eine unserer Methoden ist die systemische Methode. Das heißt, wenn ein Mensch zu uns in die Praxis kommt, dann betrachten wir den Menschen nicht nur für sich allein, sondern als Teil eines Familien- oder beruflichen Systems. Häufig erkennen die Klienten in ihrem eigenen System den „Wald vor lauter Bäumen“ nicht mehr und können die Ursachen oder Lösungen des Problems selbst nicht sehen. Deshalb ist es gut, eine Beraterin zu konsultieren, die eine Außensicht hat & dadurch die Sicht erweitert, denn man selbst denkt immer in den eigenen gewohnten Bahnen. Durch Interventionen oder Fragen kann es nicht nur gelingen, Denkfehler, Muster oder Ähnliches zu sehen und zu erkennen, sondern man sieht auch: Wenn Du Dein Leben verändern willst, dann ist es besser, auch die Menschen, die davon betroffen sind, also Kinder, Partner oder Berufskollegen miteinzubeziehen. Um herauszufinden, wie man die Situation so verändern kann, dass sich das System als Ganzes mit entwickelt? Denn durch den Blick aufs ganze System (Familie oder Arbeit etc.) ist es oft viel einfacher, sich zu verändern.

Wie sehen Sie das Fr. Weikert? 

Ingrid Weikert: Ich bin schwer davon überzeugt, dass alle Menschen ihre Lösungen in sich tragen. Jeder von uns kennt das: Man kommt in eine Situation, in der man sich im Kreis dreht. Es kommen immer die gleichen und gleichen Gedanken und man grübelt die ganze Nacht über ein Thema. Es gibt da so etwas wie den Punkt des maximalen Grübelns – bis dorthin macht es noch Sinn, man findet noch hilfreiche Gedankenstränge. Doch hat man diesen Punkt überschritten, dreht sich alles nur noch im Kreis und dann macht das Ganze keinen Sinn mehr. Das heißt, wenn Menschen zu uns kommen, dann können sie einmal innehalten, auf ihre Ressourcen und Schwerpunkte schauen, um im Anschluss die Dinge, durch unsere methodische Unterstützung, aus einer anderen Perspektive betrachten. Wenn das gelingt, kommen die KlientInnen meist auf ihre eigenen Lösungen. Das heißt, aus sich heraus und nicht von außen, indem ich als Beraterin einen Ratschlag gebe. Denn obwohl in der Berufsbezeichnung das Wort Beratung steckt, geben wir unseren KlientInnen keine Ratschläge, sondern helfen ihnen, durch unsere erlernten Methoden, selbst auf Dinge aufmerksam zu werden. Oft ist dann ein Aha-Erlebnis zu beobachten und in weiterer Folge liegen die eigenen Lösungen am Tisch.

Können Sie mir etwas über den LSB-Lehrgang im Bildungsforum Wien erzählen?

Sabrina Schober: Der Lehrgang zum/zur Lebens- und SozialberaterIn ist gesetzlich geregelt und dauert fünf Semester, genauer gesagt 584 Stunden, berufsbegleitend, am Wochenende. Der Lehrgang am Bildungsforum Wien hat verschiedene inhaltliche Schwerpunktthemen wie z.B. seelische Gesundheit. Hier beschäftigen wir uns mit all den Themen wie Resilienz oder Salutogenese. Aber auch mit Krisen: Was ist eine Krise? Wie gehe ich damit um, wenn ich in einer Krise bin? Oder: Wie schaue ich, dass ich so stabil bin, dass ich erst gar nicht in eine Krise komme?

Ein anderer Schwerpunkt beschäftigt sich mit dem Thema Arbeitskultur, da wir gemerkt haben, dass verstärkt Schwierigkeiten am Arbeitsplatz auftreten, die eigentlich psychosozial sind wie Mobbing am Arbeitsplatz etc. Das Kernstück sind jedoch die Methoden, das heißt die Auseinandersetzung mit dem psychologischen Hintergrund. Welche methodischen Schulen gibt es? Wer waren die Gründer von verschiedenen Beratungen? Es ist aber keinesfalls ein theoretischer Lehrgang, denn es ist sehr viel Übung und Selbsterfahrung dabei. Man spürt hinein und erfährt, wie sich die Methoden anfühlen, da man selbst auch mit den Themen konfrontiert wird. Das heißt, der Lehrgang ist sehr lebendig und natürlich endet der Kurs nicht im Institut, sondern man liest auch einschlägige Bücher, schreibt kleine Semesterarbeiten oder man trifft sich mit den Peergruppen etc.

Den Lehrgang schließt man mit einer Diplomarbeit und einer Prüfung ab und ist dann diplomierte Lebens- und Sozialberaterin. Das ist der erste Abschluss. Der zweite Abschluss ist zu absolvieren, wenn man sich selbstständig machen will. Dazu braucht man einen Gewerbeschein und muss eine Auswahl an fachlichen Tätigkeiten erfüllen, wozu auch eine Art „Praktikum“ gehört. Wo ich mir das Wissen dazu aneigne, ist ganz unterschiedlich und abhängig von meinen Schwerpunkten. Den Gewerbeschein verleiht nach Prüfung der erforderlichen Unterlagen die entsprechende Behörde. All das wird auch ganz genau im Kurs erklärt bzw. die Teilnehmerinnen auf Wunsch auch darauf gut vorbereitet & in sogenannten Supervisionen begleitet.

Braucht man für den Lehrgang ein Vorwissen oder Berufserfahrung?

Sabrina Schober: Nein, es gibt in dem Sinne keine konkreten Voraussetzungen. Es sollte aber schon eine gewisse Lebenserfahrung da sein. Deshalb gibt es immer ein persönliches Vorgespräch. In Zuge dessen wird darauf geschaut, was die Person bis jetzt gemacht hat. Wir achten auch darauf, ob der Bewerber psychisch selbst ausgeglichen genug ist, um andere Menschen beraten zu können. Zudem gibt es auch ein empfohlenes Mindestalter von mindestens 24 Jahren.

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In Anbetracht der aktuellen Lage, die vielen Menschen auch Angst macht, wie schafft man es mehr bei sich bleiben und Achtsamkeit in sein Leben zu integrieren?

Sabrina Schober: Achtsamkeit ist vor allem eine Entschleunigung. Und Entschleunigung ist etwas, was den meisten Menschen heute total schwerfällt. Es bedeutet, dass man ganz bewusst versucht zu verlangsamen, um in der Verlangsamung die Dinge anders wahrzunehmen.

In Ihrer Frage geht es aber um eine Art soziale Achtsamkeit: Wie gehe ich damit um? Achte ich auf mich, achte ich auf die anderen und wie bringe ich das ins Gleichgewicht? Ich denke mir, dass das eine Grundfrage ist: Weil viele Menschen beuten sich aktuell selbst aus, um für andere da zu sein, gerade in Sozialberufen wie bei Krankenschwestern, Ärzten oder auch Sozialarbeitern etc. Hierzu fällt mir immer die Flugzeugregel ein: Wenn es zu Sauerstoffknappheit im Flieger kommt, dann ist man aufgefordert, sich immer zuerst selbst die Sauerstoffmaske aufzusetzen, bevor man anderen hilft. Und das muss ich auch im alltäglichen Leben so handhaben. Ich muss bei mir selbst beginnen, nur dann habe ich auch die Kapazitäten für andere da zu sein.

Haben Sie einen Tipp, auch in stressigen Zeiten, im Hier und Jetzt zu sein?

Ingrid Weikert: Ich glaube, wichtig ist nur, dass man immer wieder ganz bewusst darauf achtet. Beispielsweise wenn ich mit dem Zug von Arbeit A zur Arbeit B „rase“ und die Verkehrsbetriebe wieder einmal Verspätung haben. Anstatt mich zu stressen und innerlich abzuhetzen, bleibe ich ruhig. Es gibt dazu ein chinesisches Sprichwort, das besagt: „Wenn du Eile hast, geh langsam.“ Das heißt, ich nehme mir bewusst kurz Zeit für etwas Schönes wie beispielsweise einen Herbstbaum zu betrachten und versuche alles um mich herum kurz abzuschalten und im Hier und Jetzt zu sein. Dadurch entspanne ich mich automatisch und mein Stresslevel geht nach unten. Denn egal, ob ich mich stresse oder nicht, der Zug wird deshalb trotzdem nicht schneller fahren, aber diese Zeit kann man aktiv für sich nutzen.

Sabrina Schober: Ich denke, es geht um kleine Unterbrechung des Alltags. Ob das eine Atemübung ist, eine schöne Erinnerung oder Beobachtung – es sind die kleinen Dinge, die, wenn wir sie wahrnehmen, vieles im Leben verbessern können. Früher hatte man öfters als heute Gebete, in denen man seine Wünsche & Hoffnungen formulierte und Gott auch für die schönen und positiven Dinge dankte. Heute kann man das beispielsweise in Form eines Dankbarkeits-Tagesbuchs machen. Wenn ich dann doch einmal wirklich schlechte fünf Minuten habe und an Gott und der Welt zweifle, dann kann ich mein Tagebuch aufschlagen und sehe, so schlecht ist es ja nicht, die Welt ist nicht nur schwarz. 

Lebens- und Sozialberatung

Sabrina Schober ist systemische Beraterin, zertifizierte Lehrtrainerin für Lebens- & Sozialberatung/Psychologische Beratung/Counseling sowie eingetragene Supervisorin/ WKO ExpertInnenliste. Sie bietet neben komplexem und interdisziplinärem Wissen eine ressourcen- & prozessorientierte, partizipative Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen sowie einen reichhaltig gepackten Methodenkoffer der humanistischen Psychologie mit Elementen aus Gestalt, Kunsttherapie, Logotherapie, Mentaltechniken und Imagination. In der Ausbildung ist ihr vor allem die Entwicklung der eigenen „BeraterInnenpersönlichkeit“ ein besonderes Anliegen.

Ingrid Weikert ist Medizinerin, Trainerin, vor allem in der Berufsorientierung im AMS-Kontext, Coach, Lebens- & Sozialberaterin und Supervisorin in freier Praxis. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen einerseits in der Einzelberatung, in Veränderungsphasen und Krisen, andererseits in der Seminartätigkeit und im Gruppentraining mit den Themenschwerpunkten: Salutogenese, Burnout, Kommunikation, Konflikt, Sucht, Trauer, Gedächtnis und Sexualität.

Weitere Informationen zum LSB-Lehrgang des Bildungsforums Wien findest du hier

Hast du Interesse an einem persönlichen Beratungsgespräch oder Coaching? Kontaktiere unsere Lebens- und Sozialberaterinnen Sabrina Schober oder Ingrid Weikert