Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 07.04.2020

Grenzenloser Genuss

Seit Herbst 2019 tourte das Gastro-Botschafterteam Marlene Eitler und Franz Giel für das Tiroler Start-up Gronda durch Europa. Wieder zurück in Österreich, erzählen die beiden von einem kulinarischen Roadtrip, der ein ungeplant frühes Ende nahm.

Bild van life4.jpg
(c) Gronda

Wattens, 1. Oktober 2019. Zwei Teammitglieder des Tiroler Start-up-Unternehmens Gronda treffen die letzten Vorkehrungen für einen Roadtrip, der ihr berufliches und privates Leben nachhaltig verändern wird. So wollen Kameramann Franz Giel und Editorin Marlene Eitler die Landesgrenzen verlassen, um ein Jahr durch Europa zu reisen. Ihr Ziel: die innovativsten Restaurants, Hotels und Bars des Kontinents.

Gronda and go. Was für viele wie die Erfüllung eines Lebenstraums klingt, ist für Giel und Eitler eine Chance. Mit der bevorstehenden Gronda Culinary Tour wollen die beiden nicht nur einen Einblick in das Schaffen der besten Gastronominnen und Gastronome Europas gewähren. Sie wollen auch ein Statement setzen, wollen zeigen, dass das kulinarische Herz des Kontinents laut wie eh und je schlägt, dass junges Blut die Branche wiederbeleben kann, dafür aber eine länderübergreifende Vernetzung nötig ist. Den Anstoß zum Roadtrip lieferte dabei der immer stärker ansteigende Fachkräftemangel in der Gastronomie. Jungunternehmer Valentin Schütz verschrieb sich bereits mit der Gründung des Start-ups im Jahr 2015 der Aufgabe, dem entgegenzuwirken. Als größte internationale Karriereplattform für Gastronomie und Hotellerie dient Gronda jungen Talenten sowohl als Netzwerk als auch als Inspirationsquelle. „Wir wollen zeigen, welche Karrieremöglichkeiten es in der Branche gibt. In der Gastronomie lassen sich nach wie vor Träume verwirklichen – unsere Vision ist es, die Szene wieder in ihrem ursprünglichen guten Licht zu präsentieren“, erklärt Schütz.

Spread the word. Bis Herbst 2020 sollte es an Giel und Eitler liegen, diese Nachricht in die kulinarischen Ecken Europas zu tragen. Insgesamt neun Länder wollte das zweiköpfige Team besuchen. Den Startschuss setzten die beiden mit Stopps in der Schweiz und in Italien. Über die vergangenen Wintermonate ging es nach Spanien, Portugal und Frankreich. Heute sind Giel und Eitler zurück in Österreich. Wie die meisten wurden auch sie von den Auswirkungen des Coronavirus getroffen und mussten das Abenteuer Roadtrip frühzeitig beenden. Im Gespräch mit der TIROLERIN verraten Giel und Eitler, warum die Gronda Culinary Tour trotz allem ein revolutionäres Projekt der Gastroszene darstellt.

Bild restaurant tickets by albert adria barcelona2.jpg
(c) Gronda

TIROLERIN: Wonach suchten Sie auf der Gronda Culinary Tour?
Franz Giel: Nach Inspiration und Ideenreichtum. Wir besuchten internationale Hotspots der gehobenen Küche, probierten traditionelle, landestypische Gerichte und trafen die bekanntesten Gesichter der Branche. Die Culinary Tour sollte unsere Userinnen und User motivieren. Köchinnen und Köche, aber auch Baristas und Serviceangestellte sollten durch unsere Augen neue Eindrücke erhalten.

Welche konkreten Ziele verfolgten Sie?
Marlene Eitler: Generell sollte und soll die Branche europaweit zusammenrücken. In Ländern wie Spanien und Italien gibt es viele topausgebildete Fachkräfte. Das wollten wir zeigen. Die Tour sollte veranschaulichen, welche Karrieremöglichkeiten in der Gastronomie geboten sind und wie man seine beruflichen Träume in der Branche verwirklichen kann.

Ist der steigende Fachkräftemangel ein Problem, das über die Grenzen Österreichs hinaus reicht?
Giel: Auf jeden Fall. Ganz Europa ist betroffen. Wir hörten überall dasselbe, egal wo wir hinkamen. Selbst renommierte Sternerestaurants beklagen sich.

Wie kann man dem entgegenwirken?
Eitler: Die Branche muss wieder attraktiver gestaltet werden. Der Gastronomie eilt ihr schlechter Ruf voraus. Lange Arbeitstage, unregelmäßige Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung. Das macht einen Jobeinstieg unattraktiv.

Sie wollten mit der Culinary Tour also die Vorzüge der Gastronomie aufzeigen?
Eitler: Mitunter. Primär wollten wir internationale Impulse setzen. Arbeitgeberinnen und -geber müssen über die eigenen Landesgrenzen hinaus denken. Wer 2020 nicht europäisch auftritt, hat es auf lange Sicht schwer. Heute muss nicht jeder einzelne Posten mit regionalen Arbeitskräften besetzt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Chance. Eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten ist eine Erfahrung, die sich mit Sicherheit lohnt. In kaum einer Szene findet man leichter einen Job abseits der Heimat als in der Gastronomie.

Bild thomas bissegger1.jpg
(c) Gronda

Österreich unterliegt historisch gesehen vielen kulinarischen Einflüssen. Was können wir von anderen Küchen lernen?
Giel: Es ist schwierig, hier ein pauschales Statement abzugeben. Andere Länder haben ganz andere Produkte. Wichtig ist, dass junge Küchenangestellte und Serviceleute herumreisen und Neues entdecken, neue Speisen probieren, neue Sprachen lernen. So kann auch die österreichische Gastronomie auf das nächste Level gebracht werden.

Wann ist ein gastronomisches Konzept erfolgreich?
Eitler: Wenn man Stammgäste hat, die sich wohlfühlen. Mundpropaganda ist die beste Werbung, die man bekommen kann. Richtig erfolgreich ist ein Unternehmen aber nur, wenn sich auch das Team wohlfühlt. Arbeiten Angestellte gerne in einem Betrieb, tragen sie den Enthusiasmus und die Seele des jeweiligen Konzepts nach außen. Das ist ein maßgebender Teil eines jeden Erfolgsrezepts.

Was war Ihr persönliches Highlight der Culinary Tour?
Giel: Definitiv der Besuch bei Thomas Bisegger in Zürich. Das Essen war fantastisch, und als Gast kann man dem Profi direkt beim Kochen zusehen – eine wirklich tolle Erfahrung, die wir nur empfehlen können.

Sie wollten ursprünglich bis Herbst dieses Jahres durch Europa reisen. Welche Destinationen standen bis Oktober noch auf Ihrer Liste?
Eitler: Eigentlich sollte es noch nach Deutschland, in die Niederlande, nach Norwegen, Dänemark und nach Schweden gehen. Der Norden Europas gibt kulinarisch einiges her. Nicht ohne Grund sind einige der besten Restaurants der Welt in Skandinavien.

Ist nach der Corona-Krise eine Fortsetzung der Tour geplant?
Eitler: Auf jeden Fall. Wir werden sobald wie möglich wieder auf den Straßen Europas unterwegs sein - unsere Mission bleibt dieselbe.