Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 08.02.2020

Zuhause im Art déco

Art déco war Ausdruck der Ausgelassenheit der Roaring Twenties und berührte dabei fast alle Aspekte des täglichen Lebens.

Bild shutterstock_788244211.jpg
(Foto: Shutterstock)

In der Zwischenkriegszeit fand, ausgehend von Frankreich, eine neue Stilrichtung ihre Verbreitung. Wobei der Begriff „Stilrichtung“ genaugenommen nicht der richtige ist. Viel mehr handelte es sich um eine Epoche, einen Zeitraum, in dem eine Vielzahl an verschiedensten Gestaltungsbereichen Entwicklungen und Designs hervorbrachten, die nun rückwirkend unter dem Schirmbegriff „Art déco“ zusammengefasst werden.

Fehlbenennung. Der Begriff „Art déco“ leitet sich aus dem Namen der Weltausstellung des Kunstgewerbes und Industriedesigns 1925 in Paris ab. Deren doch etwas sperriger Titel „Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes“ wurde allerdings erst im Nachhinein zu der heute bekannten Trunkierung gekürzt. Bemerkenswert ist auch die recht späte Benennung. In dieser Form tauchte der Name „Art déco“ erstmals 1966 in einem Artikel in „The Times“ auf. Zur „Lebenszeit“ des Stils selbst wurde er noch unter Begriffen wie „Style Moderne“, „Style 25“ oder im deutschsprachigen Raum auch einfach als „französischer Stil“ bezeichnet.

 

Bild shutterstock_68567476.jpg
(Foto: Shutterstock)

Kollaboration. Im Gegensatz zu stark von „Gründerinnen“ und „Gründern“ geprägten Strömungen, wie dem Bauhaus in Deutschland oder De Stijl in den Niederlanden, fehlte dem Art déco eine einzelne treibende Kraft, die Begrifflichkeiten erdachte oder klar definierte Grenzen setzte. Diese Flüchtigkeit einer klaren Definition des Stils machte ihn zugleich aber auch zugänglich und vielseitig einsetzbar. So verwendeten Bereiche wie die Architektur, das Schmuck- und Modedesign und der Möbelbau Elemente des Art déco. Aber auch Industrien wie der Autobau oder alltägliche Gebrauchsgegenstände wurden durch ihn geprägt. Gerade diese vielfältigen Anwendungsbereiche begründeten damals die aufgrund verschiedener Anforderungen notwendigen eklektischen Verschmelzungen verschiedenster Techniken und Ausprägungen. Das verbindende Element blieb aber immer die Dominanz dekorativer Elemente, die der Name selbst schon so gut beschreibt – die dekorative Kunst. Elegante Formen, kostbare Materialien und starke Farben sind die visuellen Säulen des Art déco.

 

Bild shutterstock_479867320.jpg
Das American Radiator Building wacht förmlich über dem New Yorker Central Park. (Foto: Shutterstock)

Reiches Erbe. Geschuldet ist dieser Fokus auf das Sinnliche dem Vorgänger des Art déco. Stark beeinflusst durch den Jugendstil der Jahrhundertwende findet sich auch hier die Kerndevise „le superflu, chose très nécessaire“ – das Überflüssige ist das Notwendigste – wieder. Aus der ausgesprochenen Vielfältigkeit des Art déco lassen sich aber durchaus gewisse Elemente ablesen, die sich als charakteristische Merkmale des Stils präsentieren.

Linienführung. Die Einflüsse vorhergegangener Kunstrichtungen machen sich besonders in der Formengestaltung des Art déco bemerkbar. Der Kubismus des frühen 20. Jahrhunderts etwa zeigt sich durch stark geometrische und klar abgegrenzte Formen und scharfe Brüche. Die Eleganz der gestalterischen Linien und organische Schmuckelemente sprechen aber wiederum Bände über die Wurzeln des Art déco im Jugendstil.

 

Bild shutterstock_403023517.jpg (1)
Architektur, Möbel- und Schmuckdesign sind nur einige der vom Art déco geprägten Kunstformen. (Foto: Shutterstock)

Glanzvoll. Bevorzugte Materialien zeichnen sich vordergründig durch ihre Struktur oder ein Fehlen eben dieser aus. Metalle wie Messing, Gold oder Silber werden auf Hochglanz poliert und wirken fast spiegelartig. Glas, insbesondere Kristallglas, wird genutzt, um Tiefe und Raum zu erzeugen. Bestes Beispiel für die Verbindung dieser beiden Werkstoffe sind die auch heute noch äußerst beliebten Spiegel im Art-déco-Stil, bei denen die starke Stofflichkeit des Metalls einen interessanten Kontrast zu der schon fast ätherischen Weite des Glases steht.

Feinschliff. Auch natürliche Stoffe wie Holz, Stein, Elfenbein und Perlen kommen zur Anwendung. Deren naturgemäß unregelmäßige Struktur wird dafür aber meist in Form gebracht. So wird Marmor poliert und Holz zumeist mit Lacken und Lasuren behandelt, um eine absolut glatte und glänzende Oberfläche zu schaffen.

 

Bild shutterstock_717004249.jpg
(Foto: Shutterstock)

Weich und hart. Samt, Velours und Seide sind die bevorzugten Stoffarten für Art-déco-Gestaltungen. Deren Weichheit und Oberflächenstruktur ergeben einen starken, aber eleganten Kontrast zu der blanken Glätte von Messing, Glass und Marmor.

Ende einer Ära. Das Ende der Epoche des Art déco kam mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Der Überschwang und die ausladenden Verzierungen der letzten Jahrzehnte fanden in den von Sparsamkeit und Mangel geprägten 40er-Jahren keinen Platz mehr. Zwar konnten Ausläufer des Stils in den USA noch bis in die 50er weiterbestehen, jedoch schwollen auch diese schnell ab.

Bild shutterstock_256967872.jpg
(Foto: Shutterstock)

Zeitreise. Die beeindruckendsten Zeitzeugen des Art déco sind die zahlreichen Wolkenkratzer New Yorks, die auch heute noch das Stadtbild prägen. Zwar ist das Chrysler Building das wahrscheinlich bekannteste Beispiel dafür, aber auch das American Radiator Building oder das Comcast Building (ehemals 30 Rockefeller Center) sind beeindruckende Monumente dieser Epoche. In Österreich sind besonders in Wien noch einige architektonische Spuren des Art déco zu finden. Neben den zahlreichen Jugendstil- und Secessionsgebäuden sind das Apollo-Kino, das Sanatorium Purkersdorf und Elemente des Karmeliterklosters Döbling hier die eindeutigen Höhepunkte und unbedingt einen Ausflug in die Welt der wilden Zwanziger wert. Auch in Museen und Galerien erfreuen sich Gebrauchs- und Schmuckgegenstände des Art déco noch immer großer Beliebtheit. Im Museum für Angewandte Kunst in Wien, aber auch international, etwa im Victoria and Albert Museum in London, gibt es die Möglichkeit, solche Objekte zu bestaunen.