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Lifestyle | 01.02.2020

Karneval around the world

Aufwändige Kostüme, Masken aus Wachs oder Gips und feurige Samba-Moves: Karneval hat viele Gesichter. Eine Reise zu den imposantesten Festen und traditionsreichsten Faschingsspektakeln rund um den Globus.

Egal ob im heimischen Tirol, im fernen Rio oder in einem der zahlreichen anderen Orte, an denen Fasching oder Karneval gefeiert wird, so unterschiedlich die Traditionen und Bräuche auch sein mögen: Sie alle zelebrieren die Wochen vor der Fastenzeit als buntes Fest mit aufwändigen Kostümen und ausgelassener Stimmung und erheben die Zeit zurecht in den Rang einer „fünften Jahreszeit“.

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Rio de Janeiro (Foto: Shutterstock)

Rio de Janeiro

Der wohl berühmteste Karneval der Welt wird von Millionen Menschen als glitzerndes Event der Superlative zelebriert. Ursprünglich schwappte die Karnevalstradition im 18. Jahrhundert von Portugal aus nach Brasilien. Der Samba wurde allerdings erst hundert Jahre später zu einem Bestandteil der Feierlichkeiten, nachdem die ersten Sambaschulen gegründet wurden und 1935 der erste Karnevalsumzug stattfand. Heute sind die feurigen Tänze in prunkvollen Kostümen nicht mehr aus Rio wegzudenken. Die zahlreichen Sambaschulen konkurrieren in vier Leistungsligen gegeneinander. Für alle, die Mitglied bei den besten sind, bedeutet der Karneval ein Vollzeitjob. An den Faschingstagen präsentieren sie sich im Sambódromo, einer Hunderte Meter langen Halle mit 88.500 Sitzplätzen. Diese werden überwiegend von Touristen besetzt, da die Eintrittskarten für die Einheimischen meist unerschwinglich sind. Die Darbietungen beginnen immer am Abend und dauern oft bis ins Morgengrauen. Den Siegergruppen winken nicht nur Preisgelder, sondern auch Ruhm und Ehre.

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Köln (Foto: Festkomitee Kölner Karneval)

Köln

Der Westen Deutschlands beherbergt eine der Faschingshochburgen Europas: Köln. Jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr wird die „fünfte Jahreszeit“ vom Kölner Dreigestirn eröffnet. Dieses besteht aus dem König, dem Bauer und der Jungfrau, die für ein Jahr offiziell das Narrenvolk regieren. Die Hochphase des Kölner Karnevals beginnt am unsinnigen Donnerstag und gipfelt schließlich im Rosenmontagsumzug. Dieser steht meist unter einem bestimmten Motto. Die eigens gestalteten Wägen nehmen oft aktuelle Themen aus Gesellschaft, Sport und Politik auf die Schippe. Gemeinsam mit den Fußgruppen bilden sie einen etwa acht Kilometer langen Zug. Die Umzugsstrecke durch die Kölner Innenstadt wird von Tausenden „Jecken“ gesäumt, die darauf warten, einige „Kamellen“, die Wurfwaren der Wägen, abzubekommen. Dazwischen fließt Kölsch, klingen Karnevalsschlager und „Kölle Alaaf“-Rufe und werden „Bützchen“, kleine Karnevalsküsschen, an die Mitfeiernden verteilt.

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Venedig (Foto: Shutterstock)

Venedig

Kunstvolle Masken, wallende Gewänder, spitzenbesetzte Hüte und Federschmuck: Kaum ein Karnevalsfest geht so elegant über die Bühne wie der „Carnevale di Venezia“. Kein Wunder, denn sein Ursprung geht auf die Maskenbälle an den italienischen Fürstenhöfen zurück. Historische Erwähnung findet der Karneval in Venedig erstmals im Jahre 1286. Im 18. Jahrhundert erreichte das Kostümspektakel schließlich seine Hochzeit, bevor im Zuge der Angliederung Venedigs an Österreich im Jahre 1797 die Feierlichkeiten zunehmend zu Privatangelegenheiten wurden. Erst knapp hundert Jahre später ließ die Wiedervereinigung mit Italien die öffentliche Karnevalstradition wiederaufleben. Seither ist es nicht zuletzt Ziel des Festes, Gäste in die Stadt zu locken. Neben zahlreichen Touristen flanieren auch heute noch die Venezianer an den Karnevalstagen in ihren Kostümen durch die Stadt, an vielen Orten gibt es künstlerische und artistische Darbietungen zu bestaunen. Absolute Höhepunkte sind die Paraden, bei denen geschmückte Ruderboote durch die Kanäle schippern, und die Prämierung des schönsten Kostüms am Faschingssonntag.

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Binche (Foto: Shutterstock)

Binche

Weniger bekannt als die Spektakel in Rio oder Köln, aber nicht weniger einzigartig ist der Karneval im belgischen Binche. Die Tradition von 1395 wurde 2003 von der UNESCO als Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit anerkannt. Im Mittelpunkt des bunten Treibens stehen die sogenannten „Gilles“. Erkennungszeichen der symbolträchtigen Figur sind das Gewand in den belgischen Flaggenfarben, die mit Stroh ausgestopfte Bluse, der überdimensionale, mit knapp 300 Straußenfedern besetzte Hut, Schellengürtel, Holzpantoffeln, ein Korb voll Blutorangen und die traditionelle Wachsmaske. Die Gilles ziehen und tanzen an den Karnevalstagen durch die Straßen, wobei ihnen zahlreiche Regeln auferlegt sind. So müssen sie beispielsweise aus Binche stammen, dürfen nur in Begleitung von mindestens einem Trommler unterwegs sein und sich in der Öffentlichkeit weder hinsetzen noch betrunken sein. Begleitet von den „Fantasiegesellschaften“ aus Bauern, Pierrots, Matrosen und Harlekinen läuten sie den Faschingsdienstag mit einem traditionellen Austern- und Champagnerfrühstück ein.

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Tirol (Foto: Tirol Werbung/Bernhard Aichner

Tirol

Unsere Faschingsrundreise endet in Tirol. Hierzulande symbolisiert das traditionelle Spektakel den Kampf zwischen Winter und Frühling. Mag der Grundgedanke landesweit derselbe sein, so finden sich beinahe von Ort zu Ort verschiedene Fasnachtsbräuche. Ihr Ursprung geht weit in die Vergangenheit zurück, als das Treiben noch mit Sonnenkult, Fruchtbarkeitszauber, dem Vertreiben des Bösen und der Beschwörung der Lebensgeister in Verbindung gebracht wurde. Heute sind vor allem prächtige handgeschnitzte Masken, aufwändige Kostüme und bunt geschmückte Wagen für den Fasching in Tirol charakteristisch. Kulturell kommt den Faschingsbräuchen bis heute hoher Wert zu. So wurden in den vergangenen Jahren ausgewählte Umzüge in den Rang des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO erhoben. In ihren Reihen findet sich etwa das Imster Schemenlaufen, bei dem an die 900 Scheller, Roller, Hexen und Bären die Straßen bevölkern. Beim Telfer Schleicherlaufen ziehen alle fünf Jahre Bären, Wilde und natürlich die Schleicher mit ihren imposanten Hüten durch den Ort. Ein besonderer Fasnachtsbrauch findet sich auch in Axams. Beim alljährlichen Wampelerreiten am unsinnigen Donnerstag mimen die Jungen und Männer Wampeler und Reiter. Im Gerangel gegeneinander verkörpern sie den Kampf zwischen Winter und Frühling.


Faschingsspektakel 2020 in Tirol

Telfer Schleicherlaufen: 2. Februar 2020
Imster Schemenlaufen: 9. Februar 2020
Milser Matschgerer-Umzug: 16. Februar 2020