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Lifestyle | 15.03.2019

Ausmisten wie ein Profi

Weniger ist mehr: Professionell vorgezeigtes Ausmisten dürfen wir jetzt gerne nachmachen. Wir nehmen uns zum Frühjahrsputz unseren Kleiderschrank vor.

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Foto: Shutterstock

Wer kennt es nicht? Die Schubladen quellen über und die Kleiderstangen biegen sich schon unter der Last, doch man hat einfach nichts zum Anziehen. Sobald unsere Lieblingsteile getragen im Wäschekorb landen und auf den nächsten Waschgang warten, steht man plötzlich ohne etwas zum Anziehen da. Passend zur Redewendung „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ stellt sich die Frage: Sehen wir vor lauter Kleidung das Outfit nicht mehr?

Kleiderfriedhof. Die Jeans, die im Kleiderschrank liegt, zwickt, das T-Shirt spannt, der Rock ist zu eng oder zu weit und das Kleid, das wir uns beim letzten Shoppingtrip kaufen mussten, weil es so schön war, hängt mit Etikett auf dem Kleiderbügel und gefällt nicht mehr ganz so gut. Viele Kleidungsstücke liegen seit geraumer Zeit oder überhaupt ungetragen im Kleiderkasten. Doch wir behalten sie alle, denn vielleicht passen sie irgendwann, ob von der Größe her, zum besonderen Anlass oder zum zurückgekehrten Modetrend. So stapeln sich die Kleiderleichen im Schrank und nehmen den Platz für wirklich passende und schöne Modekreationen weg.

 

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Magic Cleaning. Aus dem kollektiven Überkonsum hat sich nun eine Gegenbewegung entwickelt. Radikales Ausmisten, neumodisch Kleiderschrank-Detox genannt, um eine minimalistische Garderobe zu schaffen, heißt das Gebot der Modestunde. Dank der japanischen Beraterin und Bestseller-Autorin Marie Kondo haben Ausmisten und Aufräumen fast schon hypeähnliche Ausmaße angenommen. In inspirierenden Entrümpelungsaktionen hilft die weltberühmte Aufräumexpertin bei der Beseitigung von Altlasten und schafft Raum für mehr Lebensfreude. Mit ihrer KonMari-Methode bringt die Ordnungsberaterin die unordentliche Welt wieder in Ordnung. Im Englischen wurde ihr Nachname mittlerweile sogar zum Verb erhoben: „to kondo“ als Synonym für radikales Aufräumen. Mehrere Bücher und eine Reality-Serie auf Netflix hat die Sortierkönigin bereits herausgebracht – mit ordentlichem Erfolg: Ihre Bücher waren in Amerika monatelang an der Spitze der New-York-Times-Bestseller-Liste und wurden in fast 40 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.

Die richtige Herangehensweise. Die Ordnungsmethode der japanischen Lifestyle-Expertin beschränkt sich nicht nur auf den überquellenden Kleiderschrank, sondern ist ein universelles Prinzip, anwendbar für alle Schränke und Räume in der Wohnung oder im Haus. Ihr Ansatz ist aber nicht systematisch Zimmer für Zimmer auszumisten und aufzuräumen, sondern den eigenen Besitz nach Kategorien zu entrümpeln. Bei diesem Aufräumfest muss zudem in einer bestimmten Reihenfolge vorgegangen werden: Zuerst werden Kleidung, Taschen und Schuhe auf den Prüfstand gestellt, danach Bücher, denen Unterlagen und Dokumente sowie Haushaltsgeräte und Kleinkram folgen, und zum Schluss die Erinnerungsstücke.

 

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Let’s kondo! Im ersten Schritt der KonMari-Methode werden alle Dinge derselben Kategorie auf einem Haufen gesammelt. Das Zusammensammeln aller Besitztümer der gleichen Kategorie hat für Marie Kondo noch einen anderen Grund: Es wird uns vor Augen geführt, wie viel wir wirklich besitzen. Liegen die Dinge an mehreren Orten verstreut, dann ist die Visualisierung nicht so stark und die Tatsache, wie viel Besitz sich über die Jahre angesammelt hat, wird verdrängt. Das Schockerlebnis hilft, sich der Dringlichkeit des Ausmistens bewusst zu werden. Hat man den Schock erstmal verdaut, geht es ans Eingemachte: Jetzt wird gekondoed! Die Zauberformel ihrer Aufräummethode lautet dabei: „Does it spark joy?“ Zu Deutsch: „Entfacht es Freude in dir?“ Ob Jeans, Handtasche und Sneakers oder Büroklammer und Bleistift, jedes einzelne Stück wird dem Glücksgefühl-Check unterzogen. Weg kommt jedes Teil, bei dem die Frage nicht mit einem klaren Ja beantwortet werden kann. Ein Vielleicht ist kein Aufbewahrungsgrund. Nur wer konsequent ausmistet, umgibt sich mit seinen Lieblingsstücken und schafft mehr Lebensfreude. Alles, was bleiben darf, bekommt einen festen Platz in der Wohnung zugewiesen und wird liebevoll aufgeräumt, im Falle der Kleidungsstücke ordentlich gefaltet, gerollt oder gehängt.

Langfristiger Erfolg. Damit die Räume auch nach dem ordnungsschaffenden Aufräumfest ordentlich und aufgeräumt bleiben, müssen die Dinge nach jeder Benützung zurück an ihren Platz gebracht werden. Ähnlich wie bei einer Diät heißt es auch hier, konsequent sein, um nicht wieder in das alte Messie-Muster zurückzufallen. Einmal die KonMari-Methode angewandt, bleibt Unordnung dem Leben verwehrt – so schreibt Ordnungs-Guru Marie Kondo zumindest in ihrem Buch „Magic Cleaning – wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben“. Sie erläutert: „Bisher war es mir gelungen, die Rückfallquote meiner Klientinnen, bei denen ich Tag für Tag Hausbesuche mache, bei null Prozent zu halten.“

 

Go minimal. Ihr anfänglich japanischer Kundenkreis hat sich zunehmend erweitert, sodass heute weltweit Klienten, oder Kondo-Anhänger, die KonMari-Methode anwenden. Kein Wunder, Minimalismus liegt im Trend. Die Buchläden sind voll mit Ratgeberlektüre zum Thema „weniger ist mehr“ und im Internet finden sich dazu unzählige Foren- und Blog-Einträge. Ähnlich, aber weniger medial-öffentlich Aufsehen erregend, ist die von Courtney Carver bereits im Jahr 2010 ins Leben gerufene Minimalismus-Fashion-Challenge „Project 333“, eine Herausforderung, die weltweit bereits tausende von Menschen angenommen haben.

Weniger ist das neue Schwarz. Ziel der Kampf-dem-Kleiderschrank-Ansage ist es, drei Monate lang mit nur 33 (oder weniger) Kleidungsstücken auszukommen. Miteinberechnet sind Jacken, Schuhe, Taschen und Accessoires, nicht dazugezählt werden Unterwäsche und gemütliche Kleidung für Zuhause, Schlaf- und Sportbekleidung sowie Schmuckstücke mit sentimentalem Wert wie der Ehering. Hat man seine Entscheidung getroffen, werden die restlichen Kleidungsstücke aussortiert und in Kartons verstaut oder können sogar, wenn unerwünscht oder nicht mehr passend, verkauft, verschenkt oder gespendet werden. Nach drei Monaten wiederholt sich das Prozedere und man überlegt sich für die kommenden drei Monate eine neue Garderobe.

Wohl durchdacht. Bei der Zusammenstellung der minimalistischen Garderobe gilt es zu bedenken, dass man mit diesen Kleidungsstücken modische Kombinationen schaffen muss, um für drei Monate und für alle Anlässe, ob in Job oder Freizeit, gewappnet zu sein. Courtney Carver betont auf ihrer Webseite, dass es bei diesem Projekt nicht darum geht, zu leiden, vielmehr soll die Challenge Freude bereiten. Sind Kleider in schlechtem Zustand oder passen diese nicht mehr, sollten sie ersetzt werden. Durch die begrenzte Auswahl fällt es viel leichter, Outfits zusammenzustellen und Looks zu kreieren. Es werden weniger Gedanken an die Kleidung verschwendet, da man insgesamt zufriedener mit seiner ausgewählten Garderobe ist. Überfüllte Kleiderschränke, das ratlose Davorstehen und die Frage „Was soll ich anziehen?“ gehören der Vergangenheit an. Let’s dress with less!